Wimmersdorf
Kindervernichtungsanstalt
Wimmersdorf
1900
wird das zukünftige Heim noch als kleiner Bauernhof (3041Wimmersdorf 27) gekauft ,
Käufer: Paul Stellbogen
Paul Stellbogen-->Vater von Alfred Stellbogen
Alfred Stellbogen, von 1938-45 Bürgermeister von Johannesberg
Alfred Stellbogen<--Ehegatte von Margarete Stellbogen
1907
Turnsaal wird gebaut
1914
das Heim wird gebaut
1918
bis 1924 wird Wimmersdorf als Erholungsheim, von Paul und Mathilda Stellbogen geführt.
1924
wurde das Heim unter dem Titel "Kinderheim" von Dir. Alfred und seiner Gattin Margarete Stellbogen geführt.
1926
kauft Fam. Stellbogen das erste Auto im Ort
7.Juni schloß Herr Alfred Stellbogen Besitzer des Kinderheimes in Wimmersdorf, mit Frl. Lehrerin Grete Biedermann den Bund der Ehe. Die Trauung fand in Zwettl, dem Heimatsorte der Braut statt.
1931
(Wienerwald Bote) Tödlicher Unfall, Am 10 Oktober wurde der Zögling des Kinderheimes Wimmersdorf, Franz Charbusky, in der im Erdgeschoss des Anstaltsgebäudes befindlichen Kohlenabteilung tot aufgefunden. Da die Leiche Verletzungen aufwies, und der Totenbeschauer die Möglichkeit eines fremden Verschuldens nicht ausschloß, wurde das Bezirksgericht in Neulengbach verständigt und die Leichenöffnung veranlaßt. Die Erhebungen ergaben, daß Charbusky offenbar eine im Kohlenkeller befindliche Bretterwand erstiegen hatte und von dieser auf eine zweitem niedrigere Bretterwand gestürzt war und sich hiebei die Verletzungen zugezogen hatte. Hiebei war eine Ader geplatzt, und der Tod infolge Blutergusses in die Lunge eingetreten.
1938
(Wienerwald Bote) Am Sonntag, den 19. Dezember gab es im Kinderheim eine öffentliche Weihnachtsfeier. Zu Beginn spielte das Heimorchester Weihnachtsstücke. Nach der Begrüßung durch den Weihnachtsmann brachten die kleinen Spieler ein Weihnachtsmärchen im wahrsten Sinne des Wortes, da man die verschiedensten Märchengestalten, wie Rotkäppchen, Dornröschen, Frau Holle, Aschenbrödel, Froschkönig und andere sehen konnten. Elfen brachten mit ihrer Königin mehrere allerliebste Reigen, Krippenlieder wurden gesungen, alte Weihnachtslieder konnte man hören und zwar in verschiedenen Ausführungen (Einzelstimmen, zweistimmig, Chöre).
Frau Direktor Stellbogen erntete mit dem "Stella Maria" (von ihren Eltern mit Klavier und Violine begleitet) reichen Beifall. Der Zuschauerraum war bis zum letzten Plätzchen besetzt. Die Ausstattung war sehr schön, die Mühe wurde durch den zahlreichen Besuch und großen Applaus belohnt. Der Reinertrag wird der Winterhilfe zugeführt.
1941
Verdacht auf Euthanasie in Wimmersdorf
Franz P.wird nach Wimmersdorf überstellt, beantragt würde die Überstellung in eine indifferente Anstalt (kein NSV-Heim).Die Überstellung des Franz P. nach Wimmersdorf lässt aufgrund der Ausführungen eines Gutachten nicht unmittelbar den Schluss zu, dass dorten Euthansie durchgeführt wurde. Jedoch liegen laut niedersächsischen Institut für Landeskunde Psychiatrieakten aus Wimmersdorf in Wien. Folglich muss dorten zumind. eine psychiatrische Einrichtung bestanden haben. In Wimmersdorf verschwinden die Spuren von Franz P.^
1944
Im Winter 44 wurde Roland Z. nach Wimmersdorf überstellt wo aus ihm ein Nationalsozialist gemacht werden sollte. Das war eine Art Schule und zugleich ein Ausbildungszentrum für die Hitlerjugend. Hier wurden wir sehr hart behandelt. Wir mussten Übungen machen im Schnee robben und mit der notdürftigen Kleidung im Schnee marschieren. Wir waren nicht gut ausgerüstet, da gab es Waffenübungen wo man uns die Funktionen der Waffen beigebracht hat. Es gab nur einen Schlafsaal . Für mich war das damals sehr schlimm wenn wir jeden Morgen in den Hof hinaus mussten um den Hitlergruß zu machen. Egal ob es stürmte oder schneite erst danach durften wir in das Schulgebäude. Mit 13 Jahren wurde er nach Frankreich in einer Hitlerjugenduniform zurückgeschickt berichtet Roland Zavarani.
1967
am 19 April besuchten Einsteigdiebe das Kinderheim Wimmersdorf. In der Nacht zum 10. April steigen zwei Zöglinge eines Wiener Lehrlingsheimes, Karl M. und Johann K. in die Kellerräume des Kinderheimes M.Stellbogen in Wimmersdorfd ein. Sie entwendeten dort Kleidungsstücke und Esswaren im Wert von etwa 2000 Schilling, die sie in einem Koffer in ihren Versteck, eine Scheune in Wimmersdorf, fortschleppten.
Noch an Ort und Stelle hatten sich die Täter ihrer abgenützten und verschmutzten Kleidung entledigt und die gut erhaltenen Sachen verschiedener Heiminsassen angezogen.
Die Beamten des Gendarmerieposten Neulengbach konnten nach Bekanntwerden des Diebstahls vorerst nur den Tatort besichtigen, die fehlenden Gegenstände registrieren und den Einstieg- und Fluchtweg rekonstruieren. Bald jedoch ging es durch Hinweise aus der Bevölkerung um einen Schritt weiter.
Verwahrloste Burschen waren schon einige Tage verschiedenen Ortsbewohnern aufgefallen. Als die Strolche nun am Montag neuerlich sichtbar wurden, dauerte es nur Minuten, und sie liefen der Gendarmerie in die Hände. Sie des Diebstahls zu überführen war dann nur mehr Routine, da sie auch die gestohlenen Kleidungsstücke anhatten.
Ohne zu zögern gaben die Diebe sofort die Tat zu. Es stellte sich heraus, dass sie vor etwa acht Tagen vom Lehrlingsheim Leopoldstadt davongelaufen und nach kurzen Aufenthalt in Wien bis Wimmersdorf marschiert waren. Sie gestanden dann noch, in Wien Döbling zwei Einbrüche verübt und sechs Autos aufgeknackt zu haben.
Die Burschen schienen nach ihren Geständnisssen erleichtert zu sein. Erschütternd nur das diese Taten im Hinblick auf ihre Jugend. Noch dazu sind beide bereits einschlägig vorbestraft.
1981
wird der Vertrag durch die Stadt Wien gekündigt und das Heim aufgelöst
1982
(NÖN)Kinderheim Wimmersdorf, wurden Zöglinge misshandelt?
Meine Mandantinnen empfinden die Vorwürfe als Frechheit und bestreiten aufs heftigste, dass jemals derartiges vorgefallen sei. So der St.Pöltner Rechtsanwalt Dr.Erwin Dillinger über seine Klientinnen Margarete Stellbogen(78) und deren Töchter Erika Hebar (38) und Helga Lepsinger (52). Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, dass sie im Kinderheim Wimmersdorf Zöglinge körperliche und seelische Qualen zugefügz hätten.
Im Strafantrag ist von Schlägen bis hin zur Bildung von Blutergüssen und Striemen, von stundenlangem strafweisen Stehen in der prallen Sonne und zwang zur Durchführung bis zu 100 Kniebeugen die Rede. Geschehen in der Zeit zw. 1971 und 1980. Doch erst im Jahre 1980 wurde die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen-aufgrund einer ORF-Sendung. Ein Fernsehteam der Sendung „Teleobjektiv“ unter Klaus Gatterer erschien im Kinderheim Wimmersdorf und äußerte den Wunsch, dort eine Reportage drehen zu dürfen. Die Leiterin des Kinderheims, Margarete Stellbogen, akzeptierte dies nicht und wies den ORF-Leuten die Tür.
Am 16.September 1980 sendete „Teleobjektiv“ dennoch einen Bericht über das Kinderheim und brachte darin auch Interviews mit ehemaligen Zöglingen. Allerdings ohne deren Indentität preizugeben. In diesen Schatteninterviews stellten die Ex-Heiminsassen die erwähnten Behauptungen über Züchtigungen auf.
Am 25.6.1982 kam es zu einer ersten Verhandlung gegen M. Stellbogen , der Richter hatte jedoch keine Zeugen geladen, daher wurde die Verhandlung vertagt. Doch wurde wenigstens die Identität der ehemaligen Zöglinge gelüftet. Es handelt sich um Helmut Nigg (22) Alfred Stachetsberger (24) ernst Bergmann, Horst Stangl (21) , Johann (20) und Heinz Hanyka(19) sowie Andreas Arnoth (16), durchwegs aus Wiener Familien.
Am 4.8. dieses Jahres wurde Helga Lepsinger vor den Kadi gerufen. Als Zeugen erschienen aber nur Helmut Nigg und Andreas Arnoth. Ihre Ausagen waren (so Dillinger) etwas verwirrend, denn sie verwechselten des öfteren die Namen der Beschuldigten. Auch hier wurde noch kein Urteil verkündet.
Am 3.9. nun sollte Erika Hebar vors Gericht zitiert werden, doch die Verhandlung wurde wegen Krankheit der Beschuldigten abgesetzt.
Neuerliche Termine wurden noch nicht festgesetzt, da Dillinger seine Mandantin Stellbogen als nicht verhandlungsfähig attestieren ließ.
Verständlicher haben die Anschuldigungen die alte Dame schwer mitgenommen, immerhin führte sie das Kinderheim Wimmersdorf schon cirka 50 Jahre. Und immer zur Zufriedenheit, wie sie beteuert. Oft kamen Eltern und dankten ihr, es gab nie zuvor Beschwerden von Kindern an ihre Eltern oder auch dritte Personen, regelmäßig kamen Vertreter der Gemeinde Wien (das privat geführte Heim hat einen Vertrag mit den Wienern), und der praktische Arzt Dr. Ferdinand Rieger aus Asperhofen zu Kontrollen. Auch Stellboges Tochter, die als Erzieherin im Kinderheim tätig gewesene Diplomfürsorgerim Erika Hebar sowie Helga Lepsinger, die das Büro führte, dementieren alle Vorwürfe und Anschuldigungen vehement.
29.8.1976 – Juli 1979
wird das zukünftige Heim noch als kleiner Bauernhof (3041Wimmersdorf 27) gekauft ,
Käufer: Paul Stellbogen
Paul Stellbogen-->Vater von Alfred Stellbogen
Alfred Stellbogen, von 1938-45 Bürgermeister von Johannesberg
Alfred Stellbogen<--Ehegatte von Margarete Stellbogen
1907
Turnsaal wird gebaut
1914
das Heim wird gebaut
1918
bis 1924 wird Wimmersdorf als Erholungsheim, von Paul und Mathilda Stellbogen geführt.
1924
wurde das Heim unter dem Titel "Kinderheim" von Dir. Alfred und seiner Gattin Margarete Stellbogen geführt.
1926
kauft Fam. Stellbogen das erste Auto im Ort
7.Juni schloß Herr Alfred Stellbogen Besitzer des Kinderheimes in Wimmersdorf, mit Frl. Lehrerin Grete Biedermann den Bund der Ehe. Die Trauung fand in Zwettl, dem Heimatsorte der Braut statt.
1931
(Wienerwald Bote) Tödlicher Unfall, Am 10 Oktober wurde der Zögling des Kinderheimes Wimmersdorf, Franz Charbusky, in der im Erdgeschoss des Anstaltsgebäudes befindlichen Kohlenabteilung tot aufgefunden. Da die Leiche Verletzungen aufwies, und der Totenbeschauer die Möglichkeit eines fremden Verschuldens nicht ausschloß, wurde das Bezirksgericht in Neulengbach verständigt und die Leichenöffnung veranlaßt. Die Erhebungen ergaben, daß Charbusky offenbar eine im Kohlenkeller befindliche Bretterwand erstiegen hatte und von dieser auf eine zweitem niedrigere Bretterwand gestürzt war und sich hiebei die Verletzungen zugezogen hatte. Hiebei war eine Ader geplatzt, und der Tod infolge Blutergusses in die Lunge eingetreten.
1938
(Wienerwald Bote) Am Sonntag, den 19. Dezember gab es im Kinderheim eine öffentliche Weihnachtsfeier. Zu Beginn spielte das Heimorchester Weihnachtsstücke. Nach der Begrüßung durch den Weihnachtsmann brachten die kleinen Spieler ein Weihnachtsmärchen im wahrsten Sinne des Wortes, da man die verschiedensten Märchengestalten, wie Rotkäppchen, Dornröschen, Frau Holle, Aschenbrödel, Froschkönig und andere sehen konnten. Elfen brachten mit ihrer Königin mehrere allerliebste Reigen, Krippenlieder wurden gesungen, alte Weihnachtslieder konnte man hören und zwar in verschiedenen Ausführungen (Einzelstimmen, zweistimmig, Chöre).
Frau Direktor Stellbogen erntete mit dem "Stella Maria" (von ihren Eltern mit Klavier und Violine begleitet) reichen Beifall. Der Zuschauerraum war bis zum letzten Plätzchen besetzt. Die Ausstattung war sehr schön, die Mühe wurde durch den zahlreichen Besuch und großen Applaus belohnt. Der Reinertrag wird der Winterhilfe zugeführt.
1941
Verdacht auf Euthanasie in Wimmersdorf
Franz P.wird nach Wimmersdorf überstellt, beantragt würde die Überstellung in eine indifferente Anstalt (kein NSV-Heim).Die Überstellung des Franz P. nach Wimmersdorf lässt aufgrund der Ausführungen eines Gutachten nicht unmittelbar den Schluss zu, dass dorten Euthansie durchgeführt wurde. Jedoch liegen laut niedersächsischen Institut für Landeskunde Psychiatrieakten aus Wimmersdorf in Wien. Folglich muss dorten zumind. eine psychiatrische Einrichtung bestanden haben. In Wimmersdorf verschwinden die Spuren von Franz P.^
1944
Im Winter 44 wurde Roland Z. nach Wimmersdorf überstellt wo aus ihm ein Nationalsozialist gemacht werden sollte. Das war eine Art Schule und zugleich ein Ausbildungszentrum für die Hitlerjugend. Hier wurden wir sehr hart behandelt. Wir mussten Übungen machen im Schnee robben und mit der notdürftigen Kleidung im Schnee marschieren. Wir waren nicht gut ausgerüstet, da gab es Waffenübungen wo man uns die Funktionen der Waffen beigebracht hat. Es gab nur einen Schlafsaal . Für mich war das damals sehr schlimm wenn wir jeden Morgen in den Hof hinaus mussten um den Hitlergruß zu machen. Egal ob es stürmte oder schneite erst danach durften wir in das Schulgebäude. Mit 13 Jahren wurde er nach Frankreich in einer Hitlerjugenduniform zurückgeschickt berichtet Roland Zavarani.
1967
am 19 April besuchten Einsteigdiebe das Kinderheim Wimmersdorf. In der Nacht zum 10. April steigen zwei Zöglinge eines Wiener Lehrlingsheimes, Karl M. und Johann K. in die Kellerräume des Kinderheimes M.Stellbogen in Wimmersdorfd ein. Sie entwendeten dort Kleidungsstücke und Esswaren im Wert von etwa 2000 Schilling, die sie in einem Koffer in ihren Versteck, eine Scheune in Wimmersdorf, fortschleppten.
Noch an Ort und Stelle hatten sich die Täter ihrer abgenützten und verschmutzten Kleidung entledigt und die gut erhaltenen Sachen verschiedener Heiminsassen angezogen.
Die Beamten des Gendarmerieposten Neulengbach konnten nach Bekanntwerden des Diebstahls vorerst nur den Tatort besichtigen, die fehlenden Gegenstände registrieren und den Einstieg- und Fluchtweg rekonstruieren. Bald jedoch ging es durch Hinweise aus der Bevölkerung um einen Schritt weiter.
Verwahrloste Burschen waren schon einige Tage verschiedenen Ortsbewohnern aufgefallen. Als die Strolche nun am Montag neuerlich sichtbar wurden, dauerte es nur Minuten, und sie liefen der Gendarmerie in die Hände. Sie des Diebstahls zu überführen war dann nur mehr Routine, da sie auch die gestohlenen Kleidungsstücke anhatten.
Ohne zu zögern gaben die Diebe sofort die Tat zu. Es stellte sich heraus, dass sie vor etwa acht Tagen vom Lehrlingsheim Leopoldstadt davongelaufen und nach kurzen Aufenthalt in Wien bis Wimmersdorf marschiert waren. Sie gestanden dann noch, in Wien Döbling zwei Einbrüche verübt und sechs Autos aufgeknackt zu haben.
Die Burschen schienen nach ihren Geständnisssen erleichtert zu sein. Erschütternd nur das diese Taten im Hinblick auf ihre Jugend. Noch dazu sind beide bereits einschlägig vorbestraft.
1981
wird der Vertrag durch die Stadt Wien gekündigt und das Heim aufgelöst
1982
(NÖN)Kinderheim Wimmersdorf, wurden Zöglinge misshandelt?
Meine Mandantinnen empfinden die Vorwürfe als Frechheit und bestreiten aufs heftigste, dass jemals derartiges vorgefallen sei. So der St.Pöltner Rechtsanwalt Dr.Erwin Dillinger über seine Klientinnen Margarete Stellbogen(78) und deren Töchter Erika Hebar (38) und Helga Lepsinger (52). Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, dass sie im Kinderheim Wimmersdorf Zöglinge körperliche und seelische Qualen zugefügz hätten.
Im Strafantrag ist von Schlägen bis hin zur Bildung von Blutergüssen und Striemen, von stundenlangem strafweisen Stehen in der prallen Sonne und zwang zur Durchführung bis zu 100 Kniebeugen die Rede. Geschehen in der Zeit zw. 1971 und 1980. Doch erst im Jahre 1980 wurde die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen-aufgrund einer ORF-Sendung. Ein Fernsehteam der Sendung „Teleobjektiv“ unter Klaus Gatterer erschien im Kinderheim Wimmersdorf und äußerte den Wunsch, dort eine Reportage drehen zu dürfen. Die Leiterin des Kinderheims, Margarete Stellbogen, akzeptierte dies nicht und wies den ORF-Leuten die Tür.
Am 16.September 1980 sendete „Teleobjektiv“ dennoch einen Bericht über das Kinderheim und brachte darin auch Interviews mit ehemaligen Zöglingen. Allerdings ohne deren Indentität preizugeben. In diesen Schatteninterviews stellten die Ex-Heiminsassen die erwähnten Behauptungen über Züchtigungen auf.
Am 25.6.1982 kam es zu einer ersten Verhandlung gegen M. Stellbogen , der Richter hatte jedoch keine Zeugen geladen, daher wurde die Verhandlung vertagt. Doch wurde wenigstens die Identität der ehemaligen Zöglinge gelüftet. Es handelt sich um Helmut Nigg (22) Alfred Stachetsberger (24) ernst Bergmann, Horst Stangl (21) , Johann (20) und Heinz Hanyka(19) sowie Andreas Arnoth (16), durchwegs aus Wiener Familien.
Am 4.8. dieses Jahres wurde Helga Lepsinger vor den Kadi gerufen. Als Zeugen erschienen aber nur Helmut Nigg und Andreas Arnoth. Ihre Ausagen waren (so Dillinger) etwas verwirrend, denn sie verwechselten des öfteren die Namen der Beschuldigten. Auch hier wurde noch kein Urteil verkündet.
Am 3.9. nun sollte Erika Hebar vors Gericht zitiert werden, doch die Verhandlung wurde wegen Krankheit der Beschuldigten abgesetzt.
Neuerliche Termine wurden noch nicht festgesetzt, da Dillinger seine Mandantin Stellbogen als nicht verhandlungsfähig attestieren ließ.
Verständlicher haben die Anschuldigungen die alte Dame schwer mitgenommen, immerhin führte sie das Kinderheim Wimmersdorf schon cirka 50 Jahre. Und immer zur Zufriedenheit, wie sie beteuert. Oft kamen Eltern und dankten ihr, es gab nie zuvor Beschwerden von Kindern an ihre Eltern oder auch dritte Personen, regelmäßig kamen Vertreter der Gemeinde Wien (das privat geführte Heim hat einen Vertrag mit den Wienern), und der praktische Arzt Dr. Ferdinand Rieger aus Asperhofen zu Kontrollen. Auch Stellboges Tochter, die als Erzieherin im Kinderheim tätig gewesene Diplomfürsorgerim Erika Hebar sowie Helga Lepsinger, die das Büro führte, dementieren alle Vorwürfe und Anschuldigungen vehement.
29.8.1976 – Juli 1979
Der Grund, warum ich in das Heim musste:
Ich fragte meine Mutter, warum sie mich nach Wimmersdorf geschickt und
ihre Antwort verwunderte mich: „Stephan, die Schule hat die Fürsorge
verständigt, dass du immer nachmittags, wenn ich Dienst habe, allein bist und
dadurch die Aufsichtspflicht nicht gegeben ist. Entweder ich gebe dich ins Heim
oder ich kündige meine Arbeit, da es nicht angehe, dass eine alleinerziehende
Mutter ihr Kind ordentlich versorgt. Die zweite Alternative wäre, dass ich
heirate.“
Meine Mutter hat mir auch manchmal ein paar Ohrfeigen gegeben, aber die
Misshandlungen wie in Wimmersdorf hat es zu Hause nie gegeben.
(Das waren also die „flippig-freien“ 1970-er Jahre, wie sie uns in
“Wickie, Slime und Paiper“ vorgegaukelt werden! Heutzutage ist es fast schon
die Norm, dass ein Elternteil ein oder mehr Kinder allein erzieht. Auch in der
Nachkriegszeit waren alleinerziehende Mütter, deren Männer in Gefangenschaft
oder gefallen waren, eher die Regel als die Ausnahme. Wenn „der Staat“ glaubt,
eingreifen zu müssen, greift er meist in funktionierende Strukturen ein
(Kommentar des Text Controllers, war selbst nie in einem Heim).
29.8.1976
An diesem mir ewig in Erinnerung bleibendem Datum begann mein Martyrium
in der Kindervernichtungsanstalt Wimmersdorf. Meine Großmutter und meine Mutter
brachten mich mit dem Auto nach Wimmersdorf. Es war ein Sonntag und wir wurden
von einer liebenswürdigen, alten Dame durch das Haus geführt. Auf die Frage
meiner Oma, wo denn alle anderen Kinder seien, sagte die Dame, sie wären
auf dem Sportplatz und spielten Fußball. Meine Mutter und meine Oma
stellten noch einige Fragen und die uns begleitende Dame meinte, ich
solle mich einstweilen auf den im Gang stehenden Sessel setzen, da sie mit
meiner Mutter etwas zu besprechen hätte. So begann mein erster Tag im Heim
Wimmersdorf…
Kurz darauf sollte ich erfahren, dass diese liebenswürdige Frau ein
Inquisitor, Folterknecht und KZ-Wärter in Personalunion war.
Für ungeduldige LeserInnen, die Namen wissen wollen, greife ich etwas
vor, und setze dann mit dem ersten Tag im Heim fort:
Die Personen des Lehrkörpers
Über die Eichinger Gertrude kann ich nicht viel sagen, sie hat
zwar nicht geprügelt (soweit ich mich erinnern kann) aber sie hat geschwiegen,
was ich ihr zum Vorwurf mache. Sie unterrichtete das Fach Werkerziehung.
Als nächste Frau Baumgartner Ingrid, eine sehr junge Lehrerin,
die die Angewohnheit hatte, hysterisch zu schreien und mit Schlüssel und
Linealen zu werfen sowie die Bestrafung auf die Herren Soukup -
den sie später ehelichte - und Kotter abzuwälzen. Einmal traf der
Schlüsselbund einen Schüler mitten ins Gesicht, sodass er blutete. Sie
unterrichtete Geographie und Deutsch, manchmal auch Englisch. Heute ist diese
Person Direktorin an einer Wiener Schule - ob der Elternverein weiss, was sie
für eine Lehrerin ist? Ich glaube es nicht, aber das kann man schnell ändern!
Diese nette Dame ist nicht einmal imstande, zu ihrer Vergangenheit
Stellung zu beziehen, sie ist einfach nur peinlich feige wie alle TäterInnen.
Es gab auch noch den Lehrer Karl Hauer, er war ein sehr
intelligenter Mensch, nur leider ohne Charakter. Er warnte die Schüler
wenigstens, wenn er schlechte Laune hatte, denn da flogen schon mal Schlüssel
oder Kreiden. Er behauptete auch immer von sich, dass er kein Antisemit sei,
aber er erzählte immer die grausamsten Judenwitze. Ich erinnere mich noch an
einige davon, doch ich will sie nicht wiedergeben. Er unterrichtete Geschichte,
Deutsch und Geographie.
Er hatte auch noch folgenden „coolen“ Ausspruch drauf: „Wenn’s deppert
seid`s, hau ich euch durch die zug‘machte Tür …“
Natürlich streitet er heute alles ab (siehe Mailverkehr mit diesem
Subjekt).
Ein weiterer intelligenter Satz von ihm lautete: „Erwachsen werdet‘s
erst, wenn’s die Kronenzeitung nicht mehr beim Sport zu lesen beginnts,
sondern bei der Politik“.
Dann gab es noch den Lehrer Soukup, der unterrichtete Sport und
war laut meines Wissens der Interimsdirektor der Schule.
Er hatte eine besondere Art der Schülerdemütigung:
Er ließ uns mit Medizinbällen (!) Völkerball spielen und natürlich
hatten die Kinder, die nicht so stark waren, das Nachsehen. Die Kräftigen
gingen immer gegen die Schwächsten vor, was zu Lachanfällen des Lehrers führte
und zu der Aussage „in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“; jedoch sein
Geist war krank sein Körper gesund.
Der Pfarrer
Matthias Hofbauer von Johannesberg war unser Religionslehrer. Er war
eigentlich ein recht umgänglicher Mensch, bis ich ihn fragte, was der Islam
sei. Darauf prügelte er mich in die Kanzlei zur Specki und meinte, ich wolle
von Gott abfallen und zum Islam wechseln.
Die darauf folgende Prügelorgie und Schreierei dauerte über eine Stunde
und ich musste Strafe schreiben: 100 x die 10 Gebote und 100 x das
Glaubensbekenntnis.
Wir mussten auch einmal im Monat bei diesem Pfarrer beichten und danach
gab es ein Heiligenbild. Nach der Beichte mussten wir zu Tante Mimi in den 1.
Stock gehen, uns dort zu einem Bett knien und mindestens 3 Vaterunser beten.
Dauerte das Gebet in den Augen von Tante Mimi zu kurz, konnte das schon zu
einem längeren „Strafknien“ auf dem Schotter vor dem Haus oder zum Knien auf
Holzscheiten führen.
Ergänzung
Sehr
geehrter Herr Dechant Johann Zarl
Beim lesen
ihres Briefes an Helmut Nigg musste ich mit bedauern feststellen das es eine
Diskrepanz zwischen Realität und Wirklichkeit gibt. Die Beichte im Kinderheim
Wimmersdorf war keineswegs freiwillig
sondern wurde unter zwang vollzogen die
Direktorin und ihre Untergebenen überwachten akribisch das jedes Kind zur
beichte ging diese wurde unter dem Beisein dritter entweder im Klassenraum oder
in der Kanzlei abgehalten wodurch das Beichtgeheimnis in keinster weise
eingehalten wurde auch die Fragestellungen des Herrn Hofbauer waren etwas
seltsam wenn es im Kinderheim besondere
Vorkommnisse gab Zum Beispiel Ausbrüche Essens Diebstähle aus der Küche wurde
die Fragestellung dahingeführt das Herr Hofbauer gezielt nach diesen
Ereignissen fragte und diese auch an die Heim Leitung weiterberichtete auch interessant fand ich die fragen ob man
onaniert hätte diese Wort kante ich zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht
beantwortete man diese frage mit nein gab es Ohrfeigen von diesem Herrn Nach der Beichte mussten wir zu Tante
Mimi in den 1. Stock gehen, uns dort zu einem Bett knien und mindestens 3
Vaterunser beten. Dauerte das Gebet in den Augen von Tante Mimi zu kurz, konnte
das schon zu einem längeren „Strafknien“ auf dem Schotter vor dem Haus oder zum
Knien auf Holzscheiten führen. Ich musste auch stundenlang das Vaterunser in
Lateinischer Sprache beten ich kann es noch immer auswendig
Pater noster, qui es in caelis:
sanctificetur nomen tuum.
Adveniat regnum tuum.
Fiat voluntas tua,
sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum supersubstantialem
(cotidianum) da nobis hodie.
Et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus
nostris.
Et ne nos inducas in tentationem,
sed libera nos a malo.
Amen.
Da ich des
lateinischen nicht mächtig bin habe ich den Text aus dem Internet kopiert.
Können sie sich vorstellen wie es ist als Kind auf einem Holzscheit zu knien
und dieses gebet 100-mal aufzusagen nur weil man nicht zugegeben hat das man
onaniert hat. Für mich gibt es keinen Gott denn wenn es Gott gäbe hätt er nicht
zugelassen das man so mit Kindern umgeht und das in seinem Namen.
Als ich ihn
einmal fragte was der Islam sei zerrte er mich in die Kanzlei und meinte das
ich vom glauben abfalle. Die darauf folgende Prügelorgie und Schreierei dauerte
über eine Stunde und ich musste Strafe schreiben: 100 x die 10 Gebote und 100 x
das Glaubensbekenntnis.
Bemerkenswert
war auch der Ministranten Dienst in der Kirche da durfte man den Herrn im Namen
des Herrn oral befriedigen und sich in den Mund spritzen lassen eine weitere
seiner Spezialitäten war mir seinen
Finger in den Anus zu stecken und danach musste ich in ablecken. Damals verlor
ich mein vertrauen in Gott und in die Menschheit.
In meinem Blog werden sie über Herrn
Hofbauer folgendes lesen
„Der Pfarrer
Matthias Hofbauer von Johannesberg
war unser Religionslehrer. Er war eigentlich ein recht umgänglicher Mensch, bis
ich ihn fragte, was der Islam sei. Darauf prügelte er mich in die Kanzlei zur
Specki und meinte, ich wolle von Gott abfallen und zum Islam wechseln“
Das habe ich
nur aus Selbstschutz geschrieben ich kann bis heute nicht über das grauen das
mir dieser Herr angetan hat sprechen erst als meine Mitzöglinge über diese
Thema sprachen und ich erfuhr das ich kein Einzelfall der Pädophilen sexuellen
Perversion eines Priesters der römisch katholischen war hab ich mich
entschlossen das jetzt an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Kirche verlangt
das man Buse tut wo ist das Bekenntnis der Kirche wo ist die Buse der Kirche
die Kirche ist nicht einmal im Stande ihre verbrecherischen Priester angemessen
zu bestrafen und aus dem verkehr zu ziehen.
Bei einem
kürzlichen besuch in der Gemeinde Johennesberg kam ich mit einem Bewohner der
Ortschaft ins Gespräch der mir erzählte das es schon in den 70 Jahren vorwürfe
gegen den Herrn Hofbauer gegeben hat und der Bischof in Sankt Pölten über die
Pädophile Neigung des Herrn Hofbauer bescheid wusste aber dieser nette Mensch
musste ja die Kirche schützen und die Opfer als Lügner hinstellen.
Aus den
Aussagen anderer Heimzöglinge geht eindeutig hervor dass die Heimleitung von
der Pädophilen Neigung des Herrn Hofbauer gewusst hat und nichts dagegen
unternommen hat. Im Jahre 1982 kam es zu Prozess einige Zöglinge klagten die
Betreiber und einige Erzieher des Kinderheim Wimmersdorf dieser Prozess ist bis
heute nicht abgeschlossen aber ein Brief das wir alle nicht die Wahrheit sagen
und das es im Heim immer alles in Ordnung war liegt bei den Gerichtsakten in
Sankt Pölten geschrieben im Namen der Kirche von Herrn Hofbauer
Die Kirche
soll zu ihrer Verantwortung stehen und die Opfer ordnungsgemäß entschädigen und
die Therapiekosten zur Gänze übernehmen
„Es gibt die
Sünde nicht
Es sind die
Kirchen die sie erfunden haben die verdammte Sünde
Mit der
einen Hand verteilt die Kirche die Sünde mit der anderen im nächsten Augenblick die Vergebung aber das ist alles nur lüge und
betrug und das ist nur dazu da die macht und Kontrolle auszuüben.“
Frei nach
Kay Polack
Die Erzieherinnen
Magarete Stellbogen: sie war eine harte, brutale Schlägerin ohne Gnade
und ohne Verständnis für Kinder. Sie hatte immer nur die Kosten im Sinn und nie
ein nettes Wort.
Erika Hebar: Sie war die Tochter von Frau Stellbogen und das
Ebenbild ihrer Mutter, pervers und sadistisch
Helga Lepsinger: Sie war die Tochter von Frau Stellbogen und
das Ebenbild ihrer Mutter, pervers und sadistisch
Josef Lepsinger: Er war ein versoffener, brutaler Schläger und
hatte dienstlich nichts mit dem Heim zu tun, außer zu prügeln und die
Außenarbeiten (Garten, Schneeräumung etc…) mit dem Gewehr zu sichern. Beruflich
war er Vizebürgermeister von Asperhofen, zeitweise Pharmavertreter und
Schriftsteller.
Waltraut Metznig: Sie war Lehrerin und hat oft zugeschlagen, ich
hatte sie aber weder als Lehrerin noch Erzieherin. Auch sie war eine Tochter
der Stellbogen
Tante Mimi: direkte Nachfahrin Adolf Hitlers; brutal,
sadistisch und unbeschreiblich grausam, um es in sehr knappen Worten
auszudrücken.
Tante Maria: sie war wie ein Schleifer der Waffen-SS, gab kurze
Befehle, die sofort umzusetzen waren.
Barbara Kreutzer: ein sadistisches, brutales Weib
Brigitte Haid: hätte die Schwester von der Barbara Kreutzer sein
können
Clarissa Naar: der einzige Mensch dort; sie hat nach einem
Jahr gekündigt, da sie dem Druck der Heimleitung, die Zöglinge zu quälen, nicht
nachgekommen ist.
Erzieherin X (ich kann mich an ihren Namen nicht erinnern): sie
war nur 14 Tage im Heim tätig, und hat gekündigt mit der Begründung, dass sie
keine KZ-Wärterin sei.
Zu dieser Dame möchte ich anmerken, dass sie in die Kanzlei gegangen ist
und die Specki angeschrien hat: „Das ist kein Kinderheim, sondern ein Kinder-KZ
und ich bin keine KZ-Wärterin!“ Dann hat sie türknallend die Kanzlei verlassen.
Ich weiss das deswegen, weil ich wieder einmal vor der Kanzlei Strafe stehen
musste und dass dies das einzige Mal war, dass ich die Specki sprachlos
erlebte.
Der erste Tag im Heim
Einige Zeit später kamen meine Oma und meine Mutter wieder, um sich zu
verabschieden. Sie sagten, dass ich hier bleiben müsse und dass ich in
spätestens einem Monat Ausgang hätte und dann übers Wochenende nach Wien kommen
könne. Meine Mutter und Oma verließen das Gebäude und ich stand mit meinem
Koffer allein in diesem Gang. Nach wenigen Minuten ging die Tür der Kanzlei auf
und die Direktorin Margarete Stellbogen stand in ihrer gesamten Leibesfülle vor
mir. Ihre ersten Worte an mich lauteten: „Deine Nummer ist 64, die hast du dir
zu merken. Wenn ich pfeife, ist alles stehen und liegen zu lassen und sofort
der Mund zu halten, und du gehst jetzt in den ersten Stock in die Gruppe 2 und
wartest auf die Erzieherin. Zuerst räumst du deinen Kasten ein, der sich hier
befindet.“
Ich begann, meine Sachen in ein kleines weißes Kästchen einzuräumen und
dabei bemerkte Frau Stellbogen, dass ich einige Bücher bei mir hatte. Sie
sagte: „Zeig die Bücher her und die Naschereien kannst auch gleich abgeben, die
werden von mir verteilt, wenn du brav bist.“
Als ich ihr antwortete, dass mir meine Oma die Süßigkeiten gegeben
hatte, schlug sie mir mit der Hand einige Male kräftig ins Gesicht und schrie
hysterisch, dass sie keine Widerworte akzeptiere und dass ich alles sofort
abzuliefern hätte. Weinend übergab ich ihr die Naschereien und die Bücher, die
sofort in ihrer Kanzlei verschwanden. Dann sollte ich die Hosentaschen leeren
und dabei kamen noch 50 Schilling zum Vorschein, die sie auch an sich nahm, mit
der Bemerkung, dass diese auf ein Sparbuch kämen. Zu diesem Zeitpunkt kam eine
größere Gruppe Kinder in Zweierreihe und mit den Fingern auf ihren
Mündern auf den Gang und ging schweigend die Treppe hinauf. Die Erzieherin
bemerkte mich und fragte die Direktorin, ob ich der Neue sei. Die Direktorin
bejahte und bemerkte, ich solle einstweilen mit Tante Mimi mitgehen, bis meinen
zuständige Erzieherin da sei. Ich ging mit Tante Mimi mit, um Bettwäsche und
Schlapfen auszufassen. Sie schaute mich an, wurde rot und schrie mich
sofort an, wieso ich mich nicht in die Zweierreihe mit dem Finger auf den Mund
anschloss. Ich folgte der Anweisung und dachte, wo bin ich hier gelandet, was
sind das für Menschen. Schweigend landete ich dann in der Gruppe 1. Tante Mimi
betrat die Gruppe und sagte zu einem Zögling, an dessen Namen ich mich leider
nicht mehr erinnern kann, dass er mit mir zum Schwartz in die Wäschekammer
gehen sollte, um mein Zeug zu holen. Schweigend verließen wir die Gruppe
und ich ging hinter dem Kind her. Er sagte leise, dass die Schreierei und die
Schläge normal seien und dass ich mich vor der Specki1 und der Irxen2
in acht nehmen solle. Ich fragte nach, wer diese Personen seien und er erklärte
mir, Specki sei die Direktorin und Irxen ihre Tochter. Ich fragte ihn
nach dem Tagesablauf und er erzählte mir in kurzen Worten:
7.00 Uhr aufstehen, Zähne putzen, Betten machen, Frühstück,
Schule, Mittagessen, Lernstunde, usw. Angelangt bei Herrn Schwartz, wurden mir
ein Paar Holzschlapfen und blaue Leinenturnschuhe ausgehändigt und mir meine
eigenen Schuhe abgenommen. Diese wurden dann in einem separaten Schrank im
Keller aufbewahrt. Danach bekam ich in der Wäschekammer Bettzeug, Decke
und Polster.
Zurück in Gruppe 1, zeigte mir Tante Mimi den Schlafsaal der Gruppe 2
und zeigte mir mein Bett, das ich sofort machen solle. Ich wusste nicht, wie
das ging, da meine Mutter bis jetzt immer mein Bett bezogen hatte.
Das werden wir gleich üben, sagte sie, und ich stand zwei Stunden da und
überzog mein Bett wieder und wieder, doch nie zur Zufriedenheit der Erzieherin.
Es wurde ein Kind der Gruppe 4 dazu abkommandiert, mich zu
beaufsichtigen. Jedes Mal, wenn es nicht gepaßt hat, hat mir der Aufpasser eine
ins Kreuz gedonnert und dabei hämisch gelacht. Auf einmal schrie eine Frau
durchs ganze Haus: „Pitorelli zu mir in die Kanzlei!“
Da das nicht mein Name ist, habe ich nicht reagiert, denn mein Name
lautet anders. Keuchend kam die Specki bei der Schlafsaaltüre herein und
schrie, ob ich nicht hören könne und wieder schlug sie kräftig zu.
Ich begann zu weinen, was sie anspornte, noch kräftiger zuzuschlagen.
Sie zog mich an den Haaren in die Kanzlei, wo sich eine weitere Person, die
mich auch gleich anbrüllte, befand. Ob ich nicht gehört habe, wie ihre Mutter
mich gerufen habe. Ich antwortete darauf, dass ich nicht Pitorelli
sondern P. heisse, was mir noch ein paar saftige Ohrfeigen einbrachte.
Ich mußte mich auf einen Stuhl setzen und mir wurde gesagt, dass eine Inventarliste
meiner Gegenstände angefertigt werden musste. Alles wurde in einer Liste
vermerkt, nur meine Bücher nicht. Danach musste ich noch einige Fragen
beantworten, wie religiöses Bekenntnis und Geburtsdatum, dann holte mich die
Erzieherin der Gruppe 2 ab und brachte mich in den Speisesaal zum Abendessen.
Dort mußte ich mich schweigend auf eine Bank setzen, es gab Wurstbrot mit
Gurkerl und Tee aus einem Blechnapf. Nach dem Essen stellte mich Tante Barbara
der gesammelten Mannschaft vor und dann mussten wir die Tische abwischen
und den Boden aufkehren.
Danach ging es wieder im Sprechschluss3 hinauf in die Gruppe,
wo einige Tische standen, an die wir uns setzen mussten. Ich begann mich mit
meinem Tischnachbarn zu unterhalten, was mir mein erstes „Stricherl“ 4 von
vielen einbrachte, da Sprechen und Spielen noch nicht erlaubt war,
sondern nur stille Beschäftigung.
Das war für mich einen interessante Erfahrung: Bücher werden
weggenommen, Spiele gibt es nicht, reden darf man nicht, also was tun?
Heute weiß ich es: still sitzen und hoffen, dass sich die Gewalt nicht
an einem entlädt.
So gegen 19.30 Uhr gingen wir in den Waschraum, um uns die Zähne zu
putzen und zu waschen, um 20.00 Uhr waren alle im Bett und ich weinte mich in
den Schlaf - nicht zum letzten Mal.
Am nächsten Morgen wurden wir so gegen 8.00 geweckt, da ja noch keine
Schule stattfand (es war August).
Es wurde mit freundlichen Worten dreimal ins Pfeiferl5
geblasen und rumgebrüllt: „Aufstehen ihr faules Gesindel, geht‘s euch
waschen, ihr Schweine“. Wir mussten in einer Reihe vor den Waschbecken
antreten, die Zahnbürste in der rechten Hand, um dann von der jeweiligen
Erzieherin ein Patzerl Zahnpasta auf die Zahnbürste zu bekommen; 3 Minuten
Zähneputzen, danach den Oberkörper und die Hände waschen, anziehen und
Bettenbauen. Dies wurde streng kontrolliert, eine Münze mußte auf dem Leintuch
springen.
Diese Kenntnisse haben mir später beim Bundesheer sehr genützt. Einer
der damaligen Ausbilder fragte mich, wo ich das gelernt hätte! Als ich das KH
Wimmersdorf erwähnte, wurde er still und sagte nur, dass ihm
dies Leid täte.
Danach ging es zum Frühstück - natürlich wieder im Sprechschluss - in
den Speisesaal, wo wir Brot mit Marmelade und wieder Tee aus dem
Blechnapf bekamen. Danach wieder Tische abwischen und den
Speisesaal kehren…
Danach hieß es, dass wir einen Spaziergang machen und dazu die blauen
Leinenschuhe anziehen müssen.
Dann im Hof antreten, wieder kam das Pfeiferl zum Einsatz. Finger auf
den Mund und ab durchs Dorf !
Auf dem Weg durchs Dorf durfte kein Wort fallen, da sonst die
Strafmaschinerie mit voller Härte zugeschlagen hätte. So etwa 500 Meter nach
dem Dorfende bog ein Feldweg nach rechts ab. Dort durften wir den Finger vom
Mund nehmen und uns unterhalten und aus der Reihe gehen. Ein Kind hob einen
Stock auf, darauf ertönte das Pfeiferl und wir mussten wieder in Zweierreihe
gehen. Der Junge, der den Stock aufhob, durfte zur Belustigung der Erzieherin
den Finger auf den Mund legen und mit der Hand ab der Hosennaht neben ihr
gehen.
Als wir nach einer Stunde am Waldrand ankamen, durften wir uns etwas
freier bewegen, aber die Maxime lautete „nicht zu laut, ansonsten wieder
Zweierreihe.“ Derjenige, welche den Stock aufgehoben hatte, musste neben
der Erzieherin in Habtachtstellung in der prallen Sonne stehen. Nach rund einer
Stunde machten wir uns auf den Rückweg, dasselbe Prozedere wie immer: ab
Dorfanfang wieder Zweierreihe und Sprechschluss.
Nach Eintreffen im Heim wie immer Händewaschen, Holzschlapfen anziehen
und ab in den Speisesaal; wieder still sitzen, vor dem Essen beten und für die
Gaben danken und den Fraß hinunterwürgen.
Wieder zusammenkehren und Tische abwischen, danach durften wir auf den
Sportplatz gehen.
Die Erzieherin nahm das obligatorische Stricherlheft in die Hand und las
die Namen und die dazugehörigen Stricherl vor. Jedes Stricherl bedeutete,
dass man 30 Minuten stramm stehen musste, mit den Händen an der Hosennaht.
Durch mein Vergehen vom Vortag durfte ich mein erstes Stricherl von vielen
abstehen. Nach der Sportstunde am Fußballplatz gab es wieder stille
Beschäftigung in der Gruppe, danach Abendessen und den ganzen Trott von vorne.
Etwas Abwechslung kam dann, als die Schule anfing. Ich kam in die
Klasse 1d neben der Kanzlei, mein Klassenvorstand hatte den Namen Eduard
Kotter. Er war – für uns - ein Riese, 180 cm groß und so um die 130 Kilo
Gewicht, mit Händen so groß wie Klodeckel. Er unterrichtete die Fächer
Mathematik, Physik, Englisch, Chemie und Musik. Er hatte die Angewohnheit,
Schüler mit sogenannten Kopfnüssen zu bestrafen und ich hatte öfter die Ehre,
solche von ihm zu bekommen. Die Begründungen für diese Bestrafungen waren
meistens unverständlich, z.B. Fragen zu stellen oder etwas nicht verstehen oder
aufs WC zu müssen. Im Unterricht zu sprechen bedeutete meistens, 10 x 40 Zeilen
zu schreiben. Wurden diese am nächsten Tag nicht abgegeben, wurde die Strafe
verdoppelt, also 20 x 40 Zeilen. Des weiteren gab es auch noch 10
Zapfenrechnungen6, natürlich dreistellig. Die meisten von uns
schrieben die Strafen vor, um nicht in den Genuß der Verdopplungen zu kommen.
An einen Vorfall mit dem Fachlehrer Kotter kann ich mich noch sehr gut
erinnern. Er fragte einen kleinen zierlichen Schüler - das weiß ich noch
ganz genau – nach dem Pythagoreischen Lehrsatz.
Er stotterte und auf einmal wurde der Schüler von hinten am Hemdkragen
hochgehoben und etwa 3 Minuten so gehalten. Danach gab es eine gewaltige
Kopfnuß und der Schüler war ungefähr 10 Minuten bewusstlos. Ich sagte dem Herrn
Fachlehrer Kotter, dass er ein feiges Arschloch sei und trat ihm den
Sessel in die Kniekehlen, dass er strauchelte. Als Folgen dieser Tat schleifte
er mich in die Kanzlei, wo er mir die Nase blutig schlug und ich dann die volle
Wucht des Besenstiels von der Direktorin abbekommen habe, bis er brach und ich
einige Tage nicht mehr sitzen konnte.
Das waren die schlimmsten Prügel, die ich in dieser Institution jemals
bekommen habe und wochenlanges Strafeschreiben, dass ich die Autorität der
Lehrer und Erzieher nicht zu untergraben habe. Meine Mutter wurde von diesem
Vorfall telephonisch in Kenntnis gesetzt, es gab drei Monate Ausgangsverbot.
Zum Glück bin ich nach meiner Entlassung diesem Lehrer nie mehr begegnet, da
ich nicht weiss, wie ich reagiert hätte.
Weitere Strafmaßnahmen waren das Stehen in der Halbhocke, bis zum
Umfallen:
Wenn das nicht reichte, gab es auch noch Bücher auf die ausgestreckten
Hände, dies dauerte auch meistens bis zum Umfallen. Zeitweise konnte diese
Bestrafung über die gesamte Länge einer Unterrichtseinheit ausgedehnt werden.
Einige Anekdoten aus der Schule
Beim Musikunterricht kam der Fachlehrer Kotter manchmal mit seiner
Hammond-Orgel in die Klasse und wir durften Lieder singen. Wenn jemand falsch
sang oder den Text nicht konnte, artete das immer in eine Straf- und
Prügelorgie aus. In der 2. und 3. Klasse waren einige im Stimmbruch, die hatten
natürlich furchtbar darunter zu leiden.
Im Physikunterricht nahmen wir den absoluten Nullpunkt durch und ich
wagte es, den Herrn Fachlehrer zu fragen, ob es auch nach oben eine
Temperaturgrenze gäbe. Die Antwort war sehr aufschlußreich: „des brauchst ned
wissen, du wirst eh nur Hilfshackler, du Trottel!“
Heute frage ich mich, ob er die Antwort gewußt hätte, aber ich denke
nicht. Dazu hat es ihm an Intellekt gefehlt, er war einfach nur ein brutaler,
dummer Schläger.
Es gab noch einige andere dieser superintelligenten Sprüche dieses
Lehrers, z.B.
„eines rat‘ ich dir, bade nie in H2SO4“ -
nur leider hat er es nicht geschafft, die Formel von Schwefelsäure abzuleiten,
das musste ihm ein Schüler erklären. Ob er das jemals verstanden hat?
Auch lustig war es, wann er einem zum Geburtstag gratulierte. Herr
Fachlehrer Kotter hatte einen Händedruck, dass man in die Knie ging und
meistens zu weinen begann, weil man glaubte, die Hand sei in einem Schraubstock.
Da ich immer Bücher gelesen habe, um mich aus der Welt zurückzuziehen,
in die ich da geraten war. Ich las Herman Hesses „Narziß und Goldmund“, doch
dieses Werk wurde bei mir im Unterricht gefunden und sofort beschlagnahmt. Die
Direktorin zerriß dieses Buch und ließ es mich in den Küchenofen werfen. Es war
leider nicht das einzige Werk, das diesen traurigen Weg antreten musste, da
Bücher verpönt waren.
Mir kam damals der Gedanke „ich übergebe Herman Hesse dem Feuer“ - heute
weiss ich, dass diese Praktiken, die in dieser Schule gelehrt und praktiziert
wurden, noch aus dieser dunklen Zeit stammten.
„Was ist NaCl“, schrie der Lehrer durch die Klasse, die Antwort kam
nicht schnell genug und schon hatte ein Schüler in der ersten Reihe die
Schweinsledertasche im Gesicht. Diese Frage war an keinen bestimmten Schüler
gerichtet, sondern diente nur zum Frustabbau des Lehrers.
Heftkontrolle war auch ein probates Mittel, um die karge Freizeit noch
ärger zu beschneiden.
Der Klassenvorstand überprüfte die Hefte aller Fächer, und wenn sie ihm
nicht gefielen, wurden sie einfach zerrissen und waren bis zum nächsten Tag
nachzuschreiben. Diese Arbeiten konnten manchmal bis in die Morgenstunden
andauern und wurden akribisch von der Specki überwacht.
Geometrisches Zeichnen bestand zu 80 % aus Normschriftblättern der Größe
A3.
Dieses Fach unterrichtete natürlich auch unser Fachlehrer Kotter, sowie
das Fach Schönschrift (Kurrentschrift). Seltsamerweise tauchte dieses Fach nie
im Zeugnis auf, dasselbe galt für die Kurzschrift (Stenographie).
Dann gab es noch die ominösen Freigegenstände Englisch und Chor, für die
ich mich nie gemeldet habe, aber trotzendem daran teilnehmen musste.
Lernstunde
Da wir auch Aufgaben von den diversen Lehrern bekommen haben, mussten
wir nach dem Mittagessen wieder in die Klassen gehen, um diese zu erledigen.
Diese Arbeiten wurden von den Erzieherinnen überwacht, doch dabei kam es oft zu
schweren Übergriffen seitens der Erzieherinnen. Wer beim Tratschen oder
Abschreiben erwischt wurde, musste seitenweise Gedichte auswendig lernen und
andere sinnentleerte Tätigkeiten ausüben. Zum Beispiel das Geographie- oder
Geschichtsbuch seitenweise auswendig lernen. Hatte man eine Frage zu einer
Aufgabe, gab es meist die Antwort, man hätte im Unterreicht aufpassen sollen.
Wieder gab es Prügel ohne Ende, besonders brutal wurde es, wenn sich die Frau
Direktor in ihrer Mittagsruhe gestört fühlte. Dann ist sie in ihrer ganzen
Leibesfülle in die Klasse gekommen und hat die Aufsicht selbst übernommen.
Dabei ist sie durch die Reihen gegangen und wenn man einen Fehler im
Heft hatte, musste man aufstehen, die Hände vorstrecken und bekam mit dem
aufgestellten Lineal auf die Finger geschlagen. Wenn man wegzuckte, musste
diese Prozedur wiederholt werden, ich selbst trage heute noch Narben auf meiner
Hand von diesen Praktiken. Wenn man auf die Toilette musste, musste man
aufzeigen und fragen, ob man austreten dürfte. Wenn man Glück hatte, hieß es,
in einer Minute bist du wieder da. Diese Zeit sollte man besser nicht überschreiten,
denn das bedeutete „Lineal“ oder Strafe schreiben. Zum Ende der Lernstunde
wurden einzelne Schultaschen kontrolliert.
Dies bedeutete, alles auszuleeren und die anwesende Erzieherin hat alles
durchgesehen.
Haben ihr Hefte nicht gefallen, wurden sie in der Mitte durchgerissen
und Neuschreiben in der Kanzlei war wieder einmal angesagt. Ein Buch, das nicht
in die Tasche oder ins Bankfach gehörte, wurde eingezogen. Noch schlimmer waren
Comics, Bravo oder Rennbahnexpress, die waren natürlich auch verboten. Wer mit
einer solchen Zeitung erwischt wurde, musste diese in den Keller oder in die
Küche zum Verbrennen bringen, bekam Prügel von der Erzieherin und meist auch
noch von dem Zögling, dem sie gehörten, da diese Zeitschriften natürlich die
Runde machten.
Manchmal wurden Comics toleriert, manchmal nicht, es kam ganz auf die
Laune des Erziehungspersonals an.
Unsere karge „Freizeit“, wenn man diese so nennen darf
Spazierengehen durchs Dorf, Sprechschluss, und wenn es gut lief, auf den
Feldwegen ein bisschen frei laufen und sprechen. Wenn es schlecht lief,
Zweierreihe und Finger auf den Mund. Diese Märsche dauerten im Schnitt zwischen
einer bis fünf Stunden, bei praller Sonne oder aber klirrender Kälte. Getränke
im Sommer bei der Hitze gab es nicht, und wer austreten musste, musste warten,
bis man wieder im Heim war. Es war natürlich verboten, in die Wiese bzw. an
einem Baum zu urinieren. Manchmal blieb die Gruppe in Zweierreihe vor dem
Gasthaus stehen und zwei Zöglinge durften für uns alle etwas kaufen, das kam aber
sehr selten vor.
Kirchgang
Der Kirchgang war etwas Besonderes. Zuerst musste man das Sonntagsgewand
aus dem Keller holen, das fürchterlich nach Naphthalin stank. Am Vorabend des
Kirchgangs mussten wir unsere Sonntagsschuhe putzen. Zuerst wurden mit der Kotbürste
die Schuhe von Dreck befreit, danach wurden sie mit Schuhpaste eingecremt. Nach
10 Minuten wurde mit der Bürste poliert, dann wieder warten, dann mit dem Tuch
nachpoliert und die Schuhe zur Kontrolle hergezeigt.
Hat es nicht gepaßt, flog der Schuh ins Gesicht und das Ganze wurde von
vorne durchgeführt.
Übrigens musste man nüchtern in die Kirche gehen! Ob es geregnet oder
geschneit oder die Sonne gebrannt hat, jeden Sonntag waren so um die 4
Kilometer in die Kirche zu gehen.
Da so viele Kinder unterwegs waren, war Sprechschluss an der
Tagesordnung und Eiltempo angesagt. In der Kirche angelangt, mussten wir uns
still auf die Bänke setzen und der Andacht lauschen und natürlich mitsingen.
Wer nicht genug gesungen hat, konnte sich auf einen gewaltige Strafpredigt im
Heim von der Specki und der Tante Mimi anhören. In der Kirche wurde akribisch
von den Erzieherinnen das Stricherlheft geführt, denn die Sonntagsstricherln
zählten doppelt.
Sie mussten noch am selben Tag abgestanden werden!
Nach dem Kirchgang ging es im Eiltempo wieder zurück ins Heim, wo das
Frühstück auf uns wartete, meistens Kakao und eine Semmel. Wenn man Glück
hatte, gab es Marmelade- oder Buttersemmeln, was auch sehr selten vorkam.
An einem dieser Kirchgänge fuhr fast ein PKW in die letzte Gruppe der
Zöglinge. Die Konsequenz des Beinahe- Unfalls war, dass wir bestraft wurden,
weil wir den armen KFZ-Lenker behindert hätten.
Beschäftigung in der Gruppe
Im Gruppenraum durfte nur leise gesprochen, werden da man ja sonst die
Ruhe der Erzieherinnen störte. Das führte zu massiven Strafen wie Schreiben,
Eckestehen oder der berühmt berüchtigten „Lippenwatschen“7.
Auch gab es ein paar Spiele, wie Dame, Quartett oder
Mensch-ärgere-dich-nicht, die aber zum Teil unvollständig waren.
Die Sportplätze
Es gab einen großen und einen kleinen Sportplatz.
Auf dem kleinen durften wir manchmal auch ohne Aufsicht Fußball oder
Völkerball spielen.
Seine Größe betrug ungefähr ein Viertel eines richtigen Fußballplatzes
und war mit einem hohen Bretterzaun umgeben. Er grenzte an das
Nachtbargrundstück, das der Tochter von der Specki gehörte. Wenn ein Ball über
den Zaun flog, hatte das immer dasselbe Nachspiel: man musste ein Bittgesuch
einreichen, um den Ball zu holen. Flog er in ein Blumenbeet der Anlage, war es
gelaufen, der Ball wurde eingezogen und man musste das Blumenbeet wieder
herrichten. Auf dem kleinen Sportplatz waren manchmal auch Zigaretten
versteckt, um heimlich eine zu rauchen.
Eines Tages wurde der Sohn von der Tante Helga mit einigen anderen
Zöglingen beim Rauchen erwischt. Darauf verständigte sie ihren Mann und alle
Zöglinge mussten sich im Hof versammeln und sich im Kreis aufstellen. Herr
Lepsinger verdrosch daraufhin seinen Sohn und die Zöglinge vor aller Augen, was
er mit sadistischer Freude und Brutalität tat. Dieser Herr wurde auch immer
geholt, wenn die Erzieherinnen des Schlagens müde waren oder der Situation
nicht Herr wurden. Eine Geschichte zu diesem Herrn gibt es noch: die stärksten
Schüler wurden auch manchmal zu Bauarbeiten herangezogen, ich gehörte einmal so
einem Kommando. Ich weiss noch, dass wir ein Fundament ausschachteten und
besagter Herr mit einem Gewehr auf dem Vordach stand und sagte: „Wenn jemand
davonläuft, erschieße ich ihn!“
Damals dachte ich mir, davonlaufen, ein Schuss, und das Grauen hat ein
Ende! Erlösung von diesem Grauen, ich dachte des öfteren über Suizid in dieser
Anstalt nach, um Frieden zu finden.
Der große Sportplatz
Dieser Sportplatz war ein großer Fußballplatz, gesäumt von Pappeln, und
in der näheren Umgebung gab es einige Bänke und große Bäume. Beim Sportplatz
mussten wir in Einserreihe antreten und das Stricherlheft kam zum Einsatz. Für
jedes Stricherl gab es 30 Minuten stehen und ich habe mehrere Zöglinge im
Sommer ohnmächtig zusammenbrechen sehen. Wenn ich nicht Strafe stehen musste,
zog ich mich auf eine Astgabel zurück, um auf dem Baum zu lesen. Manchmal
gefiel dieser Anblick den Erzieherinnen nicht und sie zwangen mich, Fußball zu
spielen, was mich zu keiner Zeit interessierte. Da mich die Mannschaften nicht
wollten (ich war nicht besonders sportlich), bekam ich meistens den Posten im
Tor, wo ich dann mit voller Wucht abgeschossen wurde. Wenn ich den Ball ins Tor
einließ, bekam ich nachher Prügel von den Lieblingen der Specki - den
Sportlern…
Im Winter durften wir manchmal neben dem Sportplatz den Hügel
hinunterrodeln oder wer Ski hatte, auch mit diesen hinunterrutschen. Da ich
sehr gut rodeln konnte, wurde ich immer dazu abkommandiert, mit den kleinen
Schülern aus der Gruppe 1 zu rodeln und aufzupassen, dass kein Unfall
passierte. Leider ist einmal einer dieser Kinder in einen Baum gefahren und
hatte sich an der Nase verletzt und ich musste dann wieder einmal die ganze
Nacht in der Toilette neben der Kanzlei Strafe stehen, da ich nicht aufgepasst
habe. Am nächsten Tag war natürlich wieder Schule …
Der Hof
Der Hof bestand aus vier Kiesfeldern, die von Betonwegen umschlossen
waren. Diese mussten penibel saubergehalten werden. Wenn es dem Personal
gefiel, setzten sie sich auf die im Hof stehenden Bänke und ließen uns im Kreis
laufen. Da gab es drei Versionen:
- die einen mit den Händen an der Hosennaht
- die zweite mit den Händen auf dem Rücken
- die dritte mit dem Finger auf dem Mund.
Strafverschärfend gab es noch die Möglichkeit, die Strecke im Kniegang
zu bewältigen. Weiters wurde dieser Platz auch als „Morgenturnplatz“ verwendet.
Stundenlang mussten wir den Hampelmann spielen und bis zu 300 Kniebeugen und
Liegestütze machen. Manchmal mussten alle Schüler im Hof antreten, die Specki
baute sich in der Mitte mit ihrer Ziehharmonika auf und wir mussten stundenlang
in der prallen Sonne Lieder singen. Meistens bekamen wir dann auch die
gutgemeinten Ratschläge zu hören, etwa so „wo gesungen wird da lass dich
nieder, böse Menschen haben keine Lieder“. In dieser Einrichtung habe ich
gelernt, dass dies nicht stimmt…
„Mit geputzten Schuhen kommt man durchs ganze Land“, und noch etliche
solcher dummen Sprüche. Dieser Hof wurde auch als Sommerbad genutzt, es gab
dort zwei Betonringe, die aus dem Brunnenbau stammten. Diese wurden mit Wasser
gefüllt und man durfte sich reinstellen und einmal untertauchen, doch danach
musste man auf den Wegen laufen, bis man trocken war.
Die Waldschule
Die Walschule war ein Ort voll harziger Pritschen, gesäumt von
Nadelbäumen, und dort mussten wir manchmal die Mittagsruhe halten, mit totalem
Sprechverbot. Dieser Ort wurde meistens dazu benutzt, wenn das Personal
unterzählig war, um einige Gruppen ruhig zu stellen. Meistens hatte Tante Mimi
dort die Aufsicht, und wer aus der Reihe tanzte, kam in den Genuss, stundenlang
zu stehen, zu knien oder zu beten.
Der Baderaum
Einmal in der Woche durften wir uns im Keller im Duschraum waschen. Das
spielte sich so ab, dass zuerst ein Waschbecken mit warmem Wasser eingelassen
wurde. Dann durfte man sich für ein paar Sekunden unter die Dusche stellen, den
Kopf nass machen und danach zur Aufsichtsperson, um Haarshampoo abzuholen, dann
den Kopf einschäumen, danach zum Waschbecken, um sich den Körper mit dem
Waschlappen zu säubern. Danach den Kopf ins Waschbecken tauchen, um den Schaum
abzuwaschen. Hinterher ging es zur Aufsichtsperson, welche die Reinlichkeit
überprüfte.
Dies war das am meisten erniedrigende Ritual dieses Gefängnisses. Zuerst
wurden die Hände, der Hals und die Ohren kontrolliert, doch danach musste man
sich die Vorhaut zurückziehen und die Erzieherin schaute ganz genau hin. Wenn
das Glied sich regte, konnte es passieren, dass die Erzieherin mit dem Lineal
oder dem Kochlöffel mehrmals auf das Glied schlug und dabei hämisch lachte oder
anzügliche Bemerkungen machte. Eine besonders ekelhafte Erzieherin war die
Irxen, die sich während der Schwanzbeschau mit dem Lineal selbst befriedigte.
Nach dieser Erniedrigung wurde unser Kopf in das erste Waschbecken getaucht,
das mit Essigwasser gefüllt war.
Den Grund für den Essigzusatz kenne ich bis heute nicht. Wenn einer der
Zöglinge nach der „Fleischbeschau“ - so nannte Tante Barbara das Duschen- nicht
sauber genug war, schlug sie mit dem nassen Handtuch auf das Glied und auf das
Gesäß. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass einige Zöglinge gestürzt
sind während dieser Prügelorgien und sich verletzten (Platzwunden,
aufgeschlagene Knie und andere Verletzungen).
Der Schlafsaal
Im Schlafsaal standen mehrere Stockbetten und bei jedem Bett gab es zwei
kleine Kästchen, in welchen wir unsere persönlichen Dinge und unser Waschzeug
aufzubewahren hatten. Leider konnten wir die Kästchen nicht absperren, daher
kam es immer zu Diebstählen von Süßigkeiten, Zahnpasta (wenn man privat eine
solche besaß), auch Bücher und anderer Dinge.
Wenn man sich bei der Erzieherin oder der Specki über das Abhandenkommen
von Eigentum beschwerte, wurde immer gesagt, dass man besser aufpassen solle
und nicht geizig sein dürfe. Deshalb trugen die meisten ihre Habseligkeiten
immer in einer Tasche mit sich herum.
Der Bettenbau war auch sehr aufschlußreich: zuerst das Bett aufdecken,
das sogenannte Lüftungsbett(!), danach raus in den Waschraum, zum Zähneputzen,
Gesicht- und Händewaschen. Kontrolle durch die Erzieherin, danach Bettenbau,
Kontrolle desselbigen, und wenn es nicht gepasst hat, wurden die Betten
zerlegt. Sprich: die Matratze auf den Boden geschmissen und neu machen, bis es
paßt! Frühstück versäumt, hungrig in der Schule - das Saubermachen wurde
so eingeteilt, dass immer ein Zögling Schlafsaaldienst hatte, was bedeutete:
Aufkehren und mit einem Tuch den Boden polieren – und natürlich - wieder
Kontrolle.
Einmal im Monat musste der Boden mit einer Politur poliert werden, wozu
ein schwerer, mit Filz bespannter Eisenklotz in den Raum verfrachtet wurde.
Dieser mußte von einem Zögling bedient werden, bis man sich auf dem Boden
spiegeln konnte. Der Boden war danach so glatt, dass man nicht darauf
gehen konnte, ohne zu auszurutschen. Es gab öfter Sturzverletzungen am Abend, wenn
wir in die Schlafsäle geschickt wurden.
Selbstverständlich musste absolute Ruhe herrschen, diese wurde von
sogenannten „Aufbleibern“ überwacht. Dies war eine Sondertätigkeit, die
besonders an Zöglinge vergeben wurde, die in der Gunst der Erzieherinnen und
der Specki standen. Dieser Dienst dauerte bis 22.00 Uhr, und wenn jemand beim
Tratschen, Lesen oder Radiohören erwischt wurde, musste derjenige auf dem
kalten Steinboden ohne Schlapfen stehen – meistens solange, bis die Specki
schlafenging.
Das konnte auch schon bedeuten, bis 3.00 Uhr morgens. Natürlich war auch
der Toilettengang in der Nacht verboten, denn das hatte man vorher zu
erledigen. In einem separaten Schlafsaal waren die Bettnässer untergebracht,
diese wurden in der Nacht von der diensttuenden Erzieherin geweckt, um ein
Medikament zu nehmen und die WC-Anlage aufzusuchen. Wenn am Morgen das Bett
trotzdem nass, war droschen die Erzieherinnen mit nassen Leintüchern auf die
Zöglinge ein, was natürlich auch zur Belustigung der anderen Zöglinge diente.
In diesem Falle
würde mich interessieren wer die Medikamente verschrieben hat und vor allem,
WAS das für Medikamente waren. Oder waren diese armen Geschöpfe etwa
Versuchskaninchen?
Einer unserer Mitzöglinge hieß Marschall und war schwerer Epileptiker,
der manchmal Anfälle hatte. Die Erzieherinnen kamen meistens zu dritt und
prügelten die arme Seele in die Kanzlei. Da meine Mutter diplomierte
Krankenschwester ist und im AKH Wien auf der Psychiatrie arbeitete, konnte ich
das Anfallsleiden einordnen, weil ich solche Menschen im AKH gesehen hatte. Das
schlimmste daran war, dass die anderen Mitzöglinge diese arme Seele gepiesackt
und gequält haben. Die Direktorin hat ihm übrigens einen eigenen Namen gegeben:
Positrino
In meinem Schlafsaal gab es auch ein Zögling mit dem Namen Dantinger,
der mit Marschall befreundet und sehr adipös war. Diesem wurde das Essen
rationiert und er musste extra Sportübungen durchführen. Mehrmals brach er
während dieser Übungen zusammen, und als er wieder einmal am Boden lag, drosch
eine der Erzieherinnen mit einem Stock auf ihn ein. Dabei platzten die Haut und
der Muskel am Unterschenkel auf, sodass er fürchterlich zu bluten begann. Die
Erzieherin hörte nicht auf, auf ihn einzudreschen, bis sich eine grosse
Blutlache um ihn gebildet hatte. Als sie merkte, dass die Verletzungen ernst
waren, nahm sie ein Handtuch und band den Fuß ab. Die Rettung wurde verständigt
und er kam ins Spital, doch wir haben ihn nie wieder gesehen. Auf Nachfragen
wurde mir gesagt, dass er in ein anderes Heim verlegt wurde, doch ob das
stimmt, kann ich nicht sagen.
Die Speisesäle
Es gab den großen und den kleinen Speisesaal, der große Speisesaal wurde
auch als Turnsaal und Kinovorführraum verwendet. In diesem befanden sich eine
Sprossenwand und eine Leinwand, wobei die Reinigung derselben von den
Zöglingen durchgeführt wurde. Im Speisesaal wurden das Mittag- und Abendessen
eingenommen, auch da gab strikte Regeln. Bei einem dreiteiligen Essen, also
z.B. Reis, Salat und Fleisch, musste so gegessen werden, dass immer alle drei
Komponenten bis zum letzten Bissen vorhanden waren. Wer das Fleisch vor dem
Reis gegessen hat, musste Strafe stehen! Der durchschnittliche Speiseplan
bestand aus Erdäpfeln mit Grammeln, Nudeln in Milch gekocht, Grieskoch, Milchreis,
Leber, fettem Schweinefleisch mit Borsten darauf, verbranntem Leberkäse und
paniertem Fisch, der meistens ranzig war. Ich habe zum Beispiel Kartoffelpüree,
Mohnnudeln und Bröselnudeln nicht vertragen. Wenn ich nicht aufessen konnte,
wurde mir das Essen am Abend und am folgenden Morgen zum Frühstück wieder
serviert, da ich ja dankbar sein sollte, dass ich überhaupt etwas zu essen
bekomme, da „in Biafra die Kinder verhungern“. Das Essen war bis auf einige
Ausnahmen ungenießbar, doch Buchteln mit Vanillesauce waren eine Ausnahme.
Manchmal bezahlte ich Zöglinge, um meine Portion des verhassten Essens zu
essen, um nicht Strafe stehen zu müssen.
(Anm. des Text Controllers: krank, einfach krank so etwas!)
Bei einem Besuch im Jahre 2011in Asperhofen waren
wir auch beim dorfansässigen Bäckermeister, der bereit war, über die
Brotlieferungen an das Kinderheim Wimmersdorf zu berichten: „Mein Vater durfte
damals nur altes Brot dort abliefern, da es billiger war als das frische. Was
ich sonst noch weiss, wenn wir kein altes Brot hatten, wurden die anderen
Bäcker in der Umgebung ersucht, altes Brot zu liefern. Ich war zu diesem
Zeitpunkt noch Kind und mir haben die Kinder leid getan, die dort waren.“
Während meines gesamten Heimaufenthaltes wurden zwei Filme im Speisesaal
gezeigt:
„Hathari“ (mit John Wayne) und ein Laurel und Hardy-Film, an den ich
mich nicht mehr erinnern kann, da ich und einige andere Zöglinge mit dem Rücken
zur Leinwand Strafe stehen mussten. Während des Nachspanns durften wir uns
gnadenhalber wieder umdrehen.
Der kleine Speisesaal
Der kleine Speisesaal wurde genutzt, wenn die meisten Zöglinge auf
Ausgang waren und es zuviel Arbeit machte, den großen Speisesaal aufzusperren.
In diesem Raum befanden sich auch ein altes TV-Gerät (schwarz-weiß!) und ein
Tischtennistisch. Dieser durfte von besonderen Zöglingen manchmal benutzt
werden, um sich manchmal eine Sportübertragung anzusehen.
Die weitere Nutzung dieses Raumes war Strafeschreiben, wenn die Anzahl
der strafeschreibenden Zöglinge zu gross wurde.
Die Kanzlei (= Direktionszimmer)
Die Kanzlei bestand aus zwei Räumen - einem Privatraum und einem
Arbeitsraum. In diesem befanden sich ein riesiger Schreibtisch sowie ein
Aktenschrank, in welchem die Akten und die den Zöglingen abgenommenen
Gegenstände verwahrt wurden, so sie nicht vernichtet wurden. Im hinteren Teil
stand noch ein kleiner runder Tisch, an welchem wir die Hefte nachschreiben
mussten und auch andere diverse Strafarbeiten bis weit nach Mitternacht
absolvierten.
Eine besondere Ehre war der Kanzleidienst, da durfte man bis 12.00 Uhr
aufbleiben und musste die „Aufbleiber“ nach Vorkommnissen befragen. Eine der
Aufgaben des Kanzleidienstes war es auch noch, die Specki zu bedienen (Tee
holen, etc…) und sich ihre Lebensweisheiten anzuhören. Manchmal sprach sie auch
von ihrem verstorbenen Mann, und bevor man aus diesem Ehrendienst entlassen
wurde, durfte man sich eine Praline nehmen. Danach durfte man die Specki ins
Bett bringen, das sich im ersten Stock befand. Dabei musste man das
Schlüsselkörbchen wie eine Trophäe vor sich hertragen.
In dieser Kanzlei haben sich Tragödien abgespielt. Ich kann mich noch
erinnern, als Rudi P. zu spät vom Ausgang zurückgekommen war. Es begann eine
Prügelorgie und das Grausame daran war das Blut, das vom Kasten heruntergeronnen
ist. Nicht einmal das konnte diese Damen stoppen!
Ernst P. kam vom Ausgang zurück und hatte ein Flinserl im Ohr, das die
Specki bemerkte.
Sie schrie nur: „Gib des aus dem Ohrwaschel oder I reiss da des mit dem
Zangel ausse!“
Meistens waren aus der Kanzlei nur Gebrüll und das Klatschen des Lineals
auf die Finger der armen Zöglinge zu hören.
Die Küche
Die Küche bestand aus zwei Räumen. In einem war der grosse Holzofen, die
Abwasch und einige Arbeitsflächen, im anderen Raum waren Vorräte und ein großer
Arbeitstisch. Es gab auch den Küchenordnerdienst, doch darüber kann ich nichts
sagen, da ich ihn nie gemacht habe.
Es gab eine Köchin und zwei Küchenhilfen.
Das Krankenzimmer
Das Krankenzimmer befand sich im letzten Stock, ganz hinten links. Ich
hatte einmal die Ehre, drei Wochen dort zu verbringen, da ich an Windpocken
erkrankt war.
Wir waren zu viert in diesem Zimmer und in der Früh kam meistens eine
Tante und brachte uns das Frühstück und die Salbe, mit der wir uns eincremen
mussten. Wenn Tante Mimi kam, mussten wir eine Stunde vor dem Bett knien und
Gott bitten, dass wir wieder gesund werden. Danach durften wir unser Bett
machen und uns wieder niederlegen.
Danach kam der Satz: “Wenn ich ein Wort höre, komm ich mit dem
Kochlöffel!“ Nicht einmal, wenn man krank war, durfte man sprechen.
Gegen 10.00 Uhr vormittags kam die Specki mit Übungen für die Schule,
die wir auf einen Block schreiben mussten. Besuch durften wir nicht empfangen
und während dieser drei Wochen haben wir niemals einen Arzt gesehen. Aus
heutiger Sicht würde ich gerne wissen, wer die Medikamente verordnet hat, da
Windpocken ansteckend sind. Es hätte wohl das Gesundheitsamt informiert werden müssen,
dies passierte aber nicht. Gegen Mittag brachte eine Erzieherin das
Mittagessen, dazu durften wir aufstehen und am Tisch essen. Als die Teller
geholt wurden, wurde auch der Schreibbock mitgenommen und der Block vom Vortag
wurde zur Verbesserung ausgetauscht. Jedes falsche Wort musste zehnmal
geschrieben werden, natürlich wieder Rechnungen und sonstige Sachen. Am Abend
wurde das Abendessen gebracht und so gegen 22.00 Uhr zog einen Erzieherin in
die Kammer neben dem Krankenzimmer ein – wehe, sie hörte etwas, dann hieß es
aufstehen und am kalten Steinboden Strafe stehen.
Zum Thema Arzt möchte ich noch folgendes anmerken
ich habe in der gesamten heim Zeit keinen Arzt gesehen außer einmal im Jahr den
Schularzt zum Impfen, weiteres wirft sich für mich die Frage auf wer die
Medikamente verschrieben hat die wir bekommen haben und welche es waren und wer
die Verantwortung dafür hatte.
Die WC-Anlagen
Es gab in jedem Stockwerk, außer dem Keller, eine doppelte WC-Anlage.
Tagsüber waren diese geöffnet, und im Erdgeschoß befand sich das WC der
Direktorin, das nur von ihr verwendet wurde und versperrt war. Die Hygiene der
Anlagen war katastrophal, meistens waren sie verstopft und mit Urin und
Fäkalien neben der Muschel „verziert“. Wenn das Erziehungspersonal draufgekommen
ist, dass jemand das WC verunreinigt hat, musste dieses ohne Handschuhe
gereinigt werden.
Manchmal musste man auch in diesem Gebräu stundenlang Strafe stehen.
Da die WC-Anlagen oft verschmutzt waren, wurden diese während der
Nachtstunden abgesperrt und ein Blechkübel auf dem Gang aufgestellt. Dieser war
natürlich schnell voll und ist oft übergeronnen, sodass der Gang voll Fäkalien
war.
Der Strafkatalog
Die meisten Strafen wurden kollektiv verhängt mit der Begründung „einer
für alle, alle für einen“. Strafexerzieren, Leibesübungen, „Halbhockestehen“8,
kollektives Auswendiglernen, Gewaltmärsche und Bücherabschreiben. Sehr beliebt
war stundenlanges Beten von Rosenkranz und Vaterunser, manchmal sogar in
Latein, das Ganze kniend im Speisesaal oder auf dem Schotter im Hof:
Pater noster, qui es in caelis:
sanctificetur nomen tuum.
Adveniat regnum tuum.
Fiat voluntas tua,
sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie.
Et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.
Et ne nos inducas in tentationem,
sed libera nos a malo.
Amen.
Ich kann den Schrott immer noch auswendig.
Einzelstrafen waren Prügel mit dem Lineal, Rohrstaberl, Kochlöffel und
manchmal mit der Hundeleine. Stehen in Halbhocke mit Büchern auf den Händen und
wie immer Schreiben und stures Auswendiglernen, sowie Demütigungen vor den
gesamten Zöglingen.
Ein Mitzögling hat einmal im Streit einen anderen Zögling gebissen,
daraufhin musste er wochenlang mit einer „Achtung-bissig-Tafel“ um den Hals
herumlaufen. Es war auch sehr beliebt, die „Goldunterhosen“9 im
Speisesaal herzuzeigen.
Die Zöglinge
Hier werde ich keine Namen nennen, da diese Täter von diesem Heim dazu
gemacht worden sind. Einige der größeren Zöglinge zwang die Kleinen der Gruppe
1 zu sexuellen Handlungen, wie Oralverkehr, Masturbation und Analverkehr.
Andere Zöglinge hoben Schutzgeld ein, man zahlte, um nicht verdroschen zu
werden. Dinge, die mir selbst passiert sind, da ich nicht zur Sportlerriege
gehörte und mich eher zurückzog. Ich musste öfter an gewisse Zöglinge meine
Naschsachen abliefern, um nicht auch noch die Gewalt der Zöglinge zu
spüren. Unter den Zöglingen herrschte das Recht des Stärkeren, oder man
erkaufte sich den Schutz. Beliebt war auch das Schachern untereinander, um zu
gewissen Gegenständen, wie Batterien oder Heftchen/Zeitschriften zu kommen.
Erwischt durfte man nicht werden, das wurde natürlich streng bestraft.
Geld
Ich habe mir manchmal von zu Hause Geld mitgenommen, doch wenn das im
Heim entdeckt wurde, musste ich es abgeben und bekam dafür sogenannte
Sparmarken, die in ein kleines Heft eingeklebt wurden. Mir wurde gesagt, dass
das Geld auf ein Sparbuch gelegt werde und ich es bekomme, wenn ich aus dem
Heim austrete. Als ich diese Anstalt verliess, bekam ich weder die Bücher,
welche ausnahmsweise nicht vernichtet worden waren, noch das vermeintlich
angelegte Sparbuch ausgehändigt.
Ich hatte knapp 1000 Schilling in dieser Zeit angespart, einmal pro
Monat gab es Taschengeld im Heim, zehn Schilling für die Volksschüler und
zwanzig für die Hauptschüler.
Post und Pakete
Einmal im Monat mussten wir Briefe nach Hause schreiben. Als ich in
meinem ersten Brief meiner Mutter von den Vorkommnissen im Heim erzählte,
klebte ich den Brief zu, wie ich es von ihr gelernt hatte und brachte diesen
nach vorne zum Lehrertisch, wo die Specki thronte.
„Wieso ist der Brief zugepickt“ schrie sie und ihre Wurstfinger rissen
ihn auf. Als sie ihn las, wurde ihr Gesicht knallrot (hatte die Dame etwa
Hypertonie?) und ich bekam eine mit dem Lineal übers Gesicht gezogen. Sie
brüllte, wieso ich solche Lügen schreibe, dann zerfetzte sie den Brief und
sagte: „Setz dich hin und schreib *Liebe Mutter, mir geht es gut, im Heim ist
es schön und das Wetter auch*, lauter solches blabla.
Am Abend musste ich dann in der Kanzlei 300 Mal schreiben „Ich darf keine
Lügen über das Heim erzählen, ich darf keine Lügen über das Heim schreiben“ und
natürlich war wieder einmal Ausgangsverbot angesagt für drei Monate. Wenn
Briefe von zu Hause gekommen sind, wurden sie geöffnet und gelesen und wenn der
Specki nicht gefallen, hat was drinnen steht, wurden sie einfach nicht
weitergeleitet – basta! Pakete wurden natürlich auch geöffnet und der Inhalt,
meistens Naschsachen, Comichefte und Geld, wurde sofort eingezogen. Für das
Geld wurden natürlich Sparmarken ausgegeben. Danach musste man in die Kanzlei
kommen und einen Dankesbrief für das Paket schreiben (obwohl einem die Sachen
gestohlen wurden).
Zwangsarbeit
Manchmal wurden wir auch zu Arbeiten herangezogen, wie z.B. Pferdestall
ausmisten, Wohnung putzen, Grabstein polieren, Heim putzen und Bauarbeiten.
Diese Arbeiten wurden meistens in den Häusern der Töchter von der Specki
durchgeführt. Wenn die Arbeit nicht zur Zufriedenheit ausgeführt wurde, gab es
Schläge und Schreierei. Ich habe einige Male nach Johannisberg auf den Friedhof
gehen müssen, um die Grabstelle ihres Mannes zu säubern und zu polieren. Die
Begründung, warum ich das tun musste, war simpel: ich interessiere mich für
Mineralien…
Wenn es geschneit hat, durften wir die Parkplätze für die Lehrer und
Erzieherinnen ausschaufeln und natürlich auch die Gehwege vor den Häusern der
Töchter. Im Winter hatten auch die Wege im Hof eis- und schneefrei zu sein. Wir
mussten diese Arbeiten machen und dazu wurden einige Zöglinge, auch ich, um
5.30 Uhr geweckt, damit das Lehr- und Erziehungspersonal nicht mit Schnee an
den Füssen in die Anstalt kommen musste.
Ausgang/Besuch
Manchmal durften wir die Tristesse des Heims verlassen und nach Hause
fahren, das war die schönste Zeit. Endlich raus aus der Prügelanstalt, ordentliches
Essen und Ruhe - doch das konnte sich schnell ändern! Nicht einmal hat meine
Mutter umsonst auf dem Bahnhof Hütteldorf auf mich gewartet…
Schuhe nicht geputzt - Ausgang gestrichen; Hemd nicht in der Hose -
Ausgang gestrichen; zu spät vom Ausgang heimkommen bedeutete Prügel, Prügel und
nochmals Prügel.
Einmal wurde ich während eines Ausgangs krank und meine Mutter rief im
Heim an und sagte, dass ich erkrankt sei. Ich blieb eine Woche zu Hause und
meine Mutter brachte mich mit dem Auto zurück ins Heim. Specki begrüsste uns
freundlich wie immer und erzählte meiner Mutter, wie brav ich nicht sei. Kaum
war meine Mutter weg, begann die „liebliche Stimme“ der Specki durch das ganze
Haus zu brüllen: „P. in die Kanzlei!“
Ich begab mich auf schnellstem Wege in selbige, dann hiess es: „Streck
die Hände aus“ und schon knallte der Kochlöffel auf meine Finger, dabei
splitterte der Kochlöffel und ich blutete an der Hand. Diese Narben sind heute
noch sichtbar: „Du hast nicht krank zu werden, wenn du Schule hast, jetzt schreibst
einen Aufsatz, wiesost‘ nicht krank werden darfst!“
Manchmal besuchte mich meine Mutter oder Tante in dieser Anstalt,
meistens sonntags. Es kam auf das Ermessen der Specki an, ob wir das
Heimgelände verlassen durften oder ob wir spazierengehen konnten. Meistens
durfte ich das Heim nicht verlassen.
Davongelaufen
Einige der Zöglinge sind während der Spaziergänge davongelaufen,
woraufhin die Schuhe eingezogen wurden und wir nur mehr in Holzschlapfen
rausdurften. Damit kann man nicht so leicht abhauen, meinte die Specki. Einigen
Zöglingen gelang die Flucht durch die Schlafsäle, sie haben sich mit Bettlaken
abgeseilt, meistens aus dem zweiten Stock. Alle wurden wieder erwischt und
zurückgebracht, mit der Folge, dass alle aus dem Schlafsaal der „Ausbrecher“
Strafe schreiben und stundenlang strafexerzieren mussten. Wir hätten ja alle
davon gewusst haben müssen, doch wir haben das maximal vermutet. Wenn wir sie
verraten hätten, hätte uns das Pluspunkte eingebracht. Meist waren die
Flüchtigen eingeschworene Cliquen.
Ich selbst habe auch einmal eine Flucht gewagt, bin über das Dach
abgestiegen und davongelaufen. Ich bin bis Sieghartskirchen gekommen, wo mich
die Gendarmerie erwischt hat.
„AH, HOMMA WIEDA AMOI AN VON DIE VABRECHA AUS WIMMERSDURF DAWISCHT“ Ich
wurde in den VW-Bus verfrachtet und auf die Wachstube gebracht, wo ich Anzeige
wegen Kindesmisshandlung erstattete und meine Geschichte erzählte.
„DU VERLOGANA BONGAT, DIR WERMAS ZAG’N, ÜBER DIE STELLBOGEN SOLCHE
LIAG’N VERBREITEN, DURT GEHT‘S EICH EH VÜÜ Z‘GUAT“ und der alte Gendarm drosch
mich mit einem Telephonbuch bewusstlos. Als ich wieder aufwachte, brüllten die
beiden Gendarmen: „WENNST NO AMOI SO AN BLEDSINN DAZÖHST, DANN WIRST UNS
KENNALERNAN, DES WOR NO GORNIX!“
Der Alte riss das Papier aus der Schreibmaschine und zerriss meine
Anzeige. Danach wurde ich in den Bus gesetzt und zurück nach Wimmersdorf
gebracht, wo ich von der Specki, Irxen und Herrn Lepsinger schon erwartet
wurde. „DO HOBT’S DEN BONGAT WIEDA UND PASST’S BESSER AUF, DASS DER
NET WIEDA OPOSCHT UND WISST’S EH, DER HOT DAZÖHT DASS A G’HAUT WIRD, DES
VALOGANE G’SINDL. AN SCHEEN ABEND NO.“
Wir betraten das Heim durch die Garage, wo Herr Lepsinger einen
Teppichklopfer aus dem Hosenbund zog und mich nach Strich und Faden
verdrosch. Das Geschrei der beiden Furien habe ich bis heute nicht aus meinem
Kopf bekommen. Danach ging’s ins Erdgeschoss, wo schon der gesamte Schlafsaal
am Gang in Halbhocke stand. Specki brüllte, dass sie jetzt ins Bett gehen
könnten.
In ihrer Kanzlei musste ich in der Ecke auf einem runden
Holzscheit knien bis um 7.00 Uhr in der Früh. Danach ab in den Waschraum, wo
mir die Erzieherin ein paar Ohrfeigen zur Begrüssung gab und die „freudige
Nachricht“ überbrachte, dass ich mich schon auf was gefasst machen könnte, wenn
ich in die Gruppe komme. Frühstück gab es natürlich keines, und dann ab in die
Klasse. Nach dem Unterricht wieder in die Kanzlei zum Aufsatzschreiben (15
Seiten, warum ich diese „schöne“ Einrichtung nicht zu verlassen habe) und
wieder mit dem Rohrstaberl 10 auf jede Hand. Als die Strafaktion beendet war,
musste ich in die Gruppe, wo mich die nächsten Prügel erwarteten. „P. nimm die
Brille runter“ und die Faust traf mich schon wieder mehrmals ins Gesicht.
Danach durfte ich in der Ecke stehen bis zum Schlafengehen, doch ich konnte
fast eine Woche nicht schlafen wegen der Schmerzen, die ich hatte.
Einige Erlebnisse
Im Heim gab es einen Hund namens „Tommy“, eine lieben Collie. Wenn er im
Hof sein Geschäft verrichtet hat, durften die Zöglinge, die am Kothaufen
vorbeigingen und diesen nicht sofort wegräumten, wieder zurückgehen, und die
Exkremente mit der Hand aufheben und zum Komposthaufen bringen - natürlich ohne
Handschuhe zu bekommen. Danach wurden sie als „Schwein“ beschimpft, weil die
Hände schmutzig waren. Ich durfte manchmal den Hund füttern, was mich nie
gestört hat. Er bekam meistens gekochtes Rindfleisch mit Reis und Karotten, das
immer frisch in der Küche zubereitet wurde. Sein Fleisch war immer schöner und
besser als der Abfall, der uns vorgesetzt wurde.
Einmal habe ich mitbekommen, dass ein älterer Zögling (Gruppe 4) einen
anderen Zögling aus der Gruppe 1 vergewaltigt hat. Ich ging mit dieser
Information zur nächsten Erzieherin, es war die Frau Barbara Kreutzer. Diese
bekam einen Wutanfall und schrie mich an: „P., was erzählst schon wieder!“ Sie
riss mich an den Haaren aus der Gruppe heraus und drosch mich über die Stiegen
bis in den Keller. Dort kam auch gleich die Specki an und beide droschen wie
blöd auf mich ein mit den Worten: „So etwas gibt es nicht in diesem Heim, Punkt
und aus.“ Ich musste in der Kanzlei folgenden Satz 300 Mal schreiben: „Ich soll
keine Geschichten erfinden und nicht lügen.“
Während ich diese Strafarbeit schrieb, wurde der Zögling der Gruppe 1
befragt, doch der sagte, dass nichts vorgefallen sei. Als ich ihn ein paar Tage
später dazu befragte, weinte er und sagte: „Stephan, es tut mir leid, aber der
xxx hat gesagt, wenn ich ihn verrate, bringt er mich um. Bitte schlag mich
nicht…“
Ich kann mich nur an eine positive Sache in diesem Heim erinnern.
Mein Cousin hat in Rumänien geheiratet und ich war auf dieser Hochzeit
als Gast dabei.
Dort habe ich mich unsterblich verliebt und ich schrieb ihr Briefe,
welche Tante Clarissa heimlich hinausschmuggelte, vorbei an der Zensur. Ich bin
ihr heute noch dankbar dafür! Diese Frau hat uns auch mit Musikkassetten
versorgt. Man musste ihr nur sagen, was man gerne hätte und sie kam ein paar
Tage später mit selbst aufgenommenen Kassetten, die wir uns behalten durften.
Draußen beim großen Eisentor stand ein Gerüst mit zwei Schaukeln und
Turnringen. Wer brav war, durfte dort schaukeln. Ich hatte das Privileg, mich
dort an einem Sonntag aufhalten zu dürfen, da die meisten Kinder auf Ausgang
waren. Als ich wieder zurück ins Heim ging, ritt Frau Metznig mit einem mir
unbekannten Mann im vollen Galopp vom großen Sportplatz herunter. Da ich mich
auf dem Weg befand, konnte ich dem Pferd nicht mehr ausweichen und es stieg mir
auf den Fuss. Die Metznig brüllte, ob ich nicht aufpassen könne und schlug
einmal mit der Reitgerte in meine Richtung. Sie traf mich am Rücken und ritt
weiter, aber ich konnte drei Wochen nicht gehen (Arzt gab es ja keinen).
Im Winter fiel die Heizung öfter aus, an den Fenstern hing dickes Eis
und im oberen Waschraum waren die Leitungen eingefroren. Es war so kalt, dass
die Bettwäsche gefroren war. Wir mussten mit nackten Oberkörpern in den
Waschraum. Da kein Wasser aus der Leitung kam, mussten wir mit Kübeln Wasser
aus der Küche holen und uns waschen. Das war zur Abhärtung - und hämisches
Grinsen seitens der Erzieherinnen, wenn wir vor Kälte schlotterten …
Zum Muttertag mussten wir alle eine Karte mit Blumen malen und der
Specki übereichen, weil sie sich ja als unsere Heimmutter bezeichnete. Einige
hatten dann auch noch die Ehre, ein Gedicht aufzusagen, welches mit einem
Lächeln belohnt wurde. „Seht’s, alle Kinder haben mich ja so lieb.“
In der Umgebung von Wimmersdorf gab es einen Bach, der von einer Brücke
überspannt war. Dort durften wir manchmal im Sommer planschen. Wir trugen
Holzschlapfen und kurze Hosen. Tante Barbara brüllte: „Wenn jemand die Hose
nass macht, der kann was erleben!“ Wie so oft, musste ich wieder Strafe stehen,
da ich einige Stricherln hatte. Nach 30 Minuten durfte ich runter zum Bach,
doch ich rutschte aus und fiel ins Wasser. Natürlich wurde meine Hose dabei
nass. Barbara riss einen Zweig von einem Strauch und begann, wie wild auf mich
einzuprügeln. Dabei rutschte sie selber aus und schlug sich das Knie auf. Sie
brüllte: „Alle rauf zum Weg, in Zweierreihe aufstellen, Finger auf den Mund und
wenn einer lacht, dann schlag ich euch alle windelweich!“ Alle Kinder liefen
schweigend hinauf und stellten sich auf. Drei Stunden später traten wir den
Heimweg an, natürlich schweigend. Nach drei Stunden in der prallen Sonne hatten
natürlich einige Zöglinge Sonnenbrand. Tante Barbara meinte sarkastisch:
„Hättet‘s euch besser benommen, bedankt‘s euch beim P., dann wäre das nicht
passiert.“ An diesem Abend wurde ich von den Zöglingen im Schlafsaal
verprügelt, da sie mir an diesem verpatzten Nachmittag die Schuld gaben.
Zur Weihnachtszeit mussten wir ein Krippenspiel einstudieren. Die Irxen
kam in die Klasse, als wir Aufgabe machten und sagte, dass sie Freiwillige
brauche, die beim Krippenspiel mitmachten. Einige meldeten sich, da es aber zu
wenige waren, rief sie Namen jener auf, die noch mitspielen mussten.
Wir probten am Abend im kleinen Speisesaal unter der Aufsicht von der
Specki. Sie schrie immer nur herum, wenn jemand Textfehler oder die Einsätze zu
spät oder zu früh kamen. Einen Satz habe ich noch immer im Ohr: „Pitorelli, du
spielst ja eh nur den Ochsen, für was anderes bist eh net zu gebrauchen.“ Kurz
vor Weihnachten durften wir das Stück vor fremden Leuten aufführen, um vor der
Dorfbevölkerung gut dazustehen.
Eines schönen Tages stürzte die Specki im Stiegenhaus und schlug mit
ihrer gesamten Masse auf den Boden. Tante Erika stürzte aus der Kanzlei und
brüllte zwei Zöglinge an, ihre Mutter aufzuheben. Diese taten das unbeholfen,
da sie Specki so schwer war. Ich lachte über die Tolpatschigkeit, und dass sie
nicht einmal mehr selber aufstehen konnte. Als sie stand, ging sie wortlos in
die Kanzlei, holte einen Teppichklopfer und begann, wie wild auf mich
einzudreschen, weil ich sie ausgelacht habe. Nach der Prügelorgie durfte ich
wieder einmal stundenlang sinnlose Texte abschreiben.
Heimkontrollen durch das Jugendamt
Es gab auch Kontrollen von der Stadt Wien in diesem Heim, die einen sehr
interessanten Ablauf hatten. Im Speisesaal wurde uns mittags verkündet, dass am
nächsten Tag gegen 12.00 Uhr jemand vorbeikommt, um das Heim zu
besichtigen. „Wenn jemand aus der Reihe tanzt oder mit den Leuten spricht,
werdet‘s mich erst richtig kennenlernen. Wenn‘s was gefragt werdet’s, dann
sagt’s, dass es euch gut geht und das alles in Ordnung ist. Wenn jemand was
anderes sagt, dürft‘s drei Wochen nicht nach Hause fahren und ihr kommt‘s nach
Eggenburg oder Kaiserebersdorf und dort werdet‘s erst erleben, was Heim heisst.
Dort werden‘s euch die Wadeln schon fiererichten! Am Abend werden die
Betten neu gemacht und frisches Gewand ausgefasst. Und jetzt proben wir noch
ein Lied.“
Am folgenden Tag wurde der Unterricht stark gekürzt, und das Heim wurde
von oben bis unten geputzt - natürlich von uns Zöglingen! Das Essen was
ausnahmsweise gut, weil die Gäste ja auch vom Heimfraß probieren sollten. Die
Gäste trafen ein, die Specki betrat den Speisesaal und alle sprangen auf
und sagten: „Mahlzeit, Frau Direktor!“ Die Gäste stellten sich vor, Herr Dr.
Sowieso, Gemeinde Wien, Frau Mag. Sowieso, Jugendamt. Die zweite Dame hatte die
Funktion der Protokollführung. Die Kommission nahm Platz, das Essen wurde
gereicht und natürlich für gut befunden. Nach dem Essen mussten wir alle im
Hof, in Gruppen getrennt, in Zweierreihe antreten und wurden leise nochmals
gewarnt, ja keinen Blödsinn zu machen. Danach schritt die Kommission die Reihen
ab und stellte vereinzelt Fragen. „Wie geht‘s euch, wie gefällt es euch hier,
werdet ihr eh gut behandelt?“ Die Specki und die gesamte Erzieherschaft folgten
der Kommission auf Schritt und Tritt. Die Antworten der Zöglinge waren
natürlich alle positiv. Danach wurde der Rest des Heims besichtigt, wir durften
unser Lied singen und dann gab es Gugelhupf mit Kakao. Die Kommission meinte,
dies sei ein vorbildliches Heim und verschwand. Specki sagte: „Gut gemacht,
seid‘s froh, dass die nix gefunden haben, sonst kommat‘s alle nach Eggenburg
oder Kaiserebersdorf.“ Am nächsten Tag gab es Milchnudeln und altes Brot, denn
man musste ja die Kosten vom Vortag wieder einbringen.
Der WC-Pümpel10 (Hektor)
Einmal, as ich das WC verliess, kontrollierte die Specki das WC und
schrie nach mir, das WC wäre verschmutzt. Als ich sagte, dass ich es nicht
verschmutzt habe, nahm sie den Pümpel und schlug kräftig einige Male zu, und
danach musste ich die gesamte WC-Anlage säubern.
Als ich meiner Mutter vom Heim erzählte
Ich habe meiner Mutter mehrmals von den Übergriffen im Heim erzählt. Am
Anfang hat sie mir nicht geglaubt, aber als ich einmal einen Freund (Ernst) mit
nach Hause genommen hab, hat er bestätigt, dass es im Heim nur Prügel gab.
Meine Mutter brachte mich mit dem Auto nach Wimmersdorf, um die Specki mit den
Vorwürfen zu konfrontieren. Specki stritt natürlich alles ab und meinte, das
wäre jugendliche Phantasie, da ich viel lese.
Meine Mutter glaubte ihr, da sie sehr liebevoll und verständnisvoll über
mich sprach. Natürlich hielt mich Mutter danach für einen Lügner und machte
sich auf den Heimweg nach Wien.
Die Folge meines Handelns waren wieder einmal Prügel und Strafe
schreiben.
Erst als 1982 ein Artikel im Nachrichtenmagazin „profil“ erschien, den
ich meiner Mutter zum Lesen gab, ist es ihr wie Schuppen von den Augen
gefallen.
Schäden aus dem Heim und Auswirkungen auf mein gesamtes Leben
In diesem Heim wurde mir das gesamte Vertrauen zu anderen Menschen
zerstört. Ich konnte früher sehr gut mit Menschen umgehen und es störte mich
auch nicht, wenn Menschen um mich herum waren. Heute kann ich es nicht
ertragen, wenn in Einkaufszentren oder auf der Straße mir Menschen näher als
zwei Meter kommen. Ich habe mich in mich zurückgezogen, hatte schwere
Depressionen und bin ein Einzelgänger geworden. Ich zucke heute noch zusammen,
wenn mir jemand ins Gesicht greift, auch bei Menschen, die mir nahe stehen.
Durch die mangelhafte Bildung konnte ich auch nicht den Beruf ergreifen, den
ich wollte. Ich hätte gerne Technik oder etwas Naturwissenschaftliches
studiert. Der Aufenthalt in der Kindervernichtungsanstalt hat auch sehr
negative Auswirkungen auf mein Körpergewicht.
Ich spreche und schreibe erst über meine traumatischen Erlebnisse, seit
ich einige Exzöglinge wiedergetroffen habe, die mich zu diesem Schritt ermutigt
haben.
Versuche, das Erlebte öffentlich zu machen
Im Jahre 1982 (Erscheinung des „profil“-Artikels) habe ich mich an die
Behörden in Sieghartskirchen gewandt, um meine rechtlichen Möglichkeiten
abzuklären. Die Gendarmerie gab mir damals zur Antwort, dass ich sowieso nichts
machen könne, da die Familie Stellbogen sicher nichts mit den Quälereien zu tun
hätte. Die Verleumdungsklage des Heimes würde ich mir nicht leisten
können, und dass die Personen, die den „profil“-Artikel veröffentlicht
haben, sowieso nur Verbrecher wären und schon ein Haftbefehl gegen diese liefe.
Es wäre also besser für mich zu schweigen, was ich dann auch tat.
Ich fragte dann bei der Kinderfürsorge im 12. Bezirk nach, wo ich die
Auskunft bekam, dass dieses Heim oft überprüft worden war und es nie Vorwürfe
gegeben habe. Es sei also besser, den Mund zu halten, da ich die Kosten eines
Prozesses sowieso nicht bezahlen könne.
Heute braucht mir niemand erzählen, dass alles verjährt sei! Man hat uns
nie zugehört und wenn man zu reden versucht hat, wurde nur abgewunken mit der
Begründung, dass es nie was gegeben hätte und alles Lügen sind. Wie sollte man
damals zu seinem Recht kommen - weder die Gendarmerie noch die Fürsorge haben
etwas getan, sondern mich zum Schweigen verurteilt.
Warum niemand behaupten kann, nichts gewusst zu
haben
Einer unserer Mitzöglinge hat sich einer schweren
Straftat schuldig gemacht. Während der Verhandlung wurde ein Gutachten erstellt
indem die Erziehungsmethoden im KHW als Auslöser genannt und beschrieben
wurden. Damit waren der Staatsanwalt und der Richter über die Zustände in
dieser Anstalt informiert. Die Missbrauchs- und Misshandlungsfälle im KHW sind
somit zu einem Offizialdelikt geworden, welches von der Staatanwaltschaft hätte
verfolgt werden müssen.
Genauso gab es einen Prozess in Neulengbach, bei
dem vergessen wurde, Zeugen zu laden, sowie
einen Zeitungsartikel in der Kronenzeitung und einen
Artikel im Profil.
Besuch einige Jahre danach
1986 bin ich zufällig nach Wimmersdorf gefahren, um etwas bei einer
Firma abzuliefern. Ich sah das Heim und eine Dunkelheit durchzog meinen Geist,
Kälte stieg in meine Glieder und ich fühlte mich wieder wie ein Kind. Auf dem
Rückweg ging ich in das Gasthaus dieser Ortschaft und sprach dort mit den
Dorfbewohnern. Auf die Frage, warum sie nie etwas gegen das Heim unternommen
haben, da sie ja von den Misshandlungen wussten, kam eine höchst interessante
Antwort:
Die Specki hat im Ort verbreitet, dass alle Zöglinge schwerstkriminelle
Jugendliche aus Wien seien. Danach fuhr ich zum Heim, wo inzwischen eine
Hundezuchtanstalt untergebracht war. Die Besitzer informierten mich, dass Frau
Stellbogen jetzt im Nebenhaus wohne.
Als ich dort anläutete, öffnete Tante Erika das Fenster im 1. Stock. Ich
begrüßte sie und fragte sie nach ihrer Mutter. Sie drehte sich um und die
Specki kam mit ihrer ganzen Leibesfülle ans Fenster und ich fragte nach ihrem
Befinden. Sie erzählte mir, dass sie sich so kränke, weil das Heim geschlossen
wurde und dass solche Lügen über das Heim verbreitet wurden.
Ich sagte ihr, dass dies keine Lügen seien und dass die Kinder dort sehr
wohl misshandelt wurden. „P. erzähl keine Lügengeschichten, ihr habt‘s es immer
gut gehabt bei mir“ - ich antwortete darauf nicht und ging wortlos davon.
Was aus mir wurde
Nach dem Heim begann ich eine Lehre als Hafner, welche ich aufgrund
einer Allergie gegen Zement abbrechen musste. Danach begann ich eine Lehre als
Elektriker, die ich abschloss. Ich arbeitete einige Jahre als
Kühlmaschinentechniker, bis die Firma in Konkurs ging. Ein Jahr arbeitete ich
im Safaripark Gänserndorf und machte Weiterbildung in EDV-Technik. Durch meine
mangelnde Kommunikationsbereitschaft wechselte ich oft die Firmen, machte den
LKW-Führerschein und fuhr durch Europa. Endlich fühlte ich mich nicht mehr
eingeengt.
Beziehungen zu Frauen hatte ich nur wenige, die meisten zerbrachen nach
kurzer Zeit wegen meiner Unfähigkeit, Gefühle und Liebe auszudrücken.
Durch die Erziehung in dieser Anstalt habe ich auch jegliches Mitgefühl
gegenüber meiner Umwelt verloren. Jetzt, mit 47 Jahren, beginne ich, das Ganze
aufzuarbeiten. Durch den zufälligen Kontakt zu anderen Leidensgenossen aus
dieser Anstalt sah ich mich gezwungen, mich mit dieser Zeit
auseinanderzusetzen. Leider muss ich feststellen, dass wir noch immer als
Lügner und „Wadlbeisser“ hingestellt werden.
Ein Beispiel dazu: Der Bürgermeister von Asperhofen im Jahr 2011
Wir, Ernst, Rudi und ich sind am 12.12.2011 um 17.00 Uhr beim
Bürgermeister von Asperhofen vorstellig geworden, um einige Dinge über das
Kinderheim Wimmersdorf zu erfragen. Wir wurden von der Sekretärin ins
Besprechungszimmer geleitet.
Rudi fragte den Bürgermeister, ob er Informationen zum Heim hätte und ob er uns diese überlassen würde, da wir ein Buch über das Heim Wimmersdorf schreiben und unsere Vergangenheit aufarbeiten wollen.
Antwort des Bürgermeisters: „Was wollt‘s wissen?“
Rudi fragte den Bürgermeister, ob er Informationen zum Heim hätte und ob er uns diese überlassen würde, da wir ein Buch über das Heim Wimmersdorf schreiben und unsere Vergangenheit aufarbeiten wollen.
Antwort des Bürgermeisters: „Was wollt‘s wissen?“
Ich antwortete darauf, dass wir Namen von Erzieherinnen
und anderem Personal haben wollten und ob er sich an die Zustände in diesem
Heim erinnere, und ob es noch Akten gäbe.
Bürgermeister: „Wissen’s, die Gemeinden wurden interimsmässig zusammengelegt und mir ist im Keller nichts untergekommen. Wendet euch an die Opferschutzkommission in Wien, nehmt‘s euer Geld und seid‘s ruhig.“
Dieser Satz hat uns sehr getroffen und ich antwortete darauf, dass wir unser Geld schon bekommen hätten und dass wir Gerechtigkeit fordern (ich hatte mein Geld noch nicht, aber dafür schon eingereicht).
Er meinte, dass wir Ruhe geben sollten, denn diese Leute haben ja schließlich Kinder und sind alt; und ob wir Vergeltung wollten und warum wir diese Leute nicht direkt selbst befragten.
Bürgermeister: „Wissen’s, die Gemeinden wurden interimsmässig zusammengelegt und mir ist im Keller nichts untergekommen. Wendet euch an die Opferschutzkommission in Wien, nehmt‘s euer Geld und seid‘s ruhig.“
Dieser Satz hat uns sehr getroffen und ich antwortete darauf, dass wir unser Geld schon bekommen hätten und dass wir Gerechtigkeit fordern (ich hatte mein Geld noch nicht, aber dafür schon eingereicht).
Er meinte, dass wir Ruhe geben sollten, denn diese Leute haben ja schließlich Kinder und sind alt; und ob wir Vergeltung wollten und warum wir diese Leute nicht direkt selbst befragten.
Ich antwortete darauf, dass das keine gute Idee
sei, da sie ja die Täter wären.
Rudi erzählte dem Bürgermeister die Geschichte vom Fred Lepsinger, als er beim Rauchen erwischt wurde und vor allen Zöglingen des KHW geschlagen wurde und dass Herr L als Verstärkung geholt wurde, wenn es die Erzieherinnen mit den Schlägen nicht mehr geschafft haben.
Ich erzählte auch noch von der NS-Vergangenheit des KHW.
Rudi erzählte dem Bürgermeister die Geschichte vom Fred Lepsinger, als er beim Rauchen erwischt wurde und vor allen Zöglingen des KHW geschlagen wurde und dass Herr L als Verstärkung geholt wurde, wenn es die Erzieherinnen mit den Schlägen nicht mehr geschafft haben.
Ich erzählte auch noch von der NS-Vergangenheit des KHW.
Antwort Bürgermeister: „Das kann ich mir nicht vorstellen, da ich mit
einigen Zöglingen in die Schule gegangen bin und diese niemals von Übergriffen
berichtet haben.“
Weiters nahm er die Täter des KHW in Schutz mit den Worten: „… und außerdem, wir leben im 21. Jahrhundert, Mord kann nicht mit Mord vergolten werden, und Gewalt kann nicht mit Gewalt vergolten werden (meinte er damit, dass wir Gewalt gegen die ehemaligen Peiniger ausüben wollten?)
Darauf erwiderte Rudi, dass wir die Opfer seien und nicht die Täter und was das Alter mit den Anschuldigungen zu tun haben sollte.
Weiters nahm er die Täter des KHW in Schutz mit den Worten: „… und außerdem, wir leben im 21. Jahrhundert, Mord kann nicht mit Mord vergolten werden, und Gewalt kann nicht mit Gewalt vergolten werden (meinte er damit, dass wir Gewalt gegen die ehemaligen Peiniger ausüben wollten?)
Darauf erwiderte Rudi, dass wir die Opfer seien und nicht die Täter und was das Alter mit den Anschuldigungen zu tun haben sollte.
Antwort Bürgermeister: „Das ist lange her, wendet euch nach Wien an die
Opferschutzkommission“, und das in einem Ton, der mir wieder einmal bestätigte:
Heimkind ist gleich Verbrecher und Lügner.
Medizinische Aussagen
Mein Onkel war Direktor einer Volksschule in Niederösterreich und er
meinte zu meiner Mutter, dass ich verhaltensauffällig und altklug sei. Er
überredete sie, mich im AKH testen zu lassen. Den Test führte Professor
Asperger, der bekannte Kinder- und Jugendpsychiater („Asperger-Syndrom“) durch:
Es kam heraus, dass ich hochbegabt in naturwissenschaftlichen, mathematischen
und technischen Fächern sei. Zu meinem Deutsch-Defizit, das ich bis heute habe,
meinte er, ich würde sicher ein guter Wissenschaftler werden und dass man als
solcher Sekretärinnen für die Schreibarbeiten hätte. Mein IQ war 160, da
stünden mir alle Wege offen.
Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen
beteiligten Personen des Heims Wimmersdorf sowie dem Jugendamt für die
Zerstörung meines Lebens und meiner Zukunft!
Gegenwart
Ich habe im Februar um Entschädigung beim „Weißen Ring“ angesucht,
dieser verwies mich an die MA11, um meinen Akt zu bekommen. Die MA11 schickte
mir ein Schreiben, das ich ausfüllte und zurücksendete. Drei Tage später kam
ein Anruf der MA11, und man teilte mir mit, dass sie meinen Akt nicht finden
würden, aber dass sie weitersuchen würden. Eine Woche später rief mich die MA11
an, dass besagter Akt verschwunden sei und die Suche eingestellt wird.
Erster Termin beim „Weißen Ring“
Ich wurde von einer Dame empfangen, die mich in ein Besprechungszimmer
führte. Dort wurde ich über den Heimaufenthalt befragt und ich sagte
bereitwillig aus. Immer mehr Erinnerungen kamen zurück und nach ungefähr einer
halben Stunde brach ich in Tränen aus. Ich glaubte immer, dass dieses dunkle
Kapitel meines Lebens abgeschlossen wäre, aber es stimmt nicht!
Seit ich darüber zu sprechen und zu schreiben begonnen habe, kommen die
Albträume wieder, meine Aggression steigt an und die Depressionen werden wieder
stärker. Meine Blutdruckprobleme verschlimmern sich ebenfalls.
Nach ungefähr zwei Stunden war das Gespräch beendet und die Dame meinte,
es wäre viel zu tun. Im November rief ich beim „Weißen Ring“ an, um
nachzufragen, wie lange es noch dauert. Eine Dame am Telephon meinte, dass der
Brief schon zu mir unterwegs sei und ich ihn unterschrieben zurücksenden solle.
Nach einer Woche war noch immer kein Schreiben da und ich rief wieder dort an.
Frau Gammer teilte mir mit, dass sich die Dame am Telephon geirrt habe und ich
noch warten müsse, da es keinen Beweis gibt, dass ich in dieser Einrichtung
war. Ich besorgte mir die Abschrift der Schülerevidenzkarte von der Schule
Hadersdorf-Weidlingau, an welche die Schule Wimmersdorf angegliedert war. Diese
Karte schickte ich Frau Gammer, und diese meinte, dass es jetzt schnell gehen
werde und ich bald mit einer Auszahlung (Wiedergutmachung) rechnen könne. Der
Dezember verging ich rief wieder Anfang Jänner an. Wieder vertröstet.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich mit der Ungleichbehandlung der Opfer
nicht einverstanden bin. Wonach richten sich die auszuzahlenden Beträge?
Heute werden wir bedroht, angefeindet und als
Lügner beschimpft. „Warum wendet‘s euch nicht an die Täter,
sondern an die Stadt Wien, na, so schlimm kann‘s ja nicht gewesen sein, wen
interessiert das, es sind 30 Jahre vergangen…“ und vieles mehr. Ein Drohmail
möchte ich gerne in dieses Schriftstück einfügen.
Dieses Mail bezieht sich auf unsere Webseiten:
Herr xxxxxxxx
Der Titel Herr ist sicher aufgrund Ihrer kriminellen Charakterzüge nicht
für Sie zutreffend.
Ich bin nicht kriminell
Was Sie nicht wissen ist offensichtlich, daß es seit vielen Jahren
Schülertreffen ehemaliger Wimmersdorfer gibt. Quer durch alle Generationen.
Interessant dabei: Wir wissen alle 76 ehemalige Zöglinge nichts von solchen
Vorgängen in Wimmersdorf und im Julius Tandler Heim. Gab es die beiden
Kinderheime vielleicht doppelt?
Ich bin nie zu einem Schülertreffen eingeladen
worden
Wimmersorf war ein offenes Internat, wo jeden Sonntag die Eltern zu
Besuch kommen konnten und einmal im Monat durften alle über das Wochenende nach
Hause.
Je nach Jahrgang waren 5 bis 20% der Zöglinge Privatzöglinge. Selbst
Hochadel gab seine Sprösslinge nach Wimmersdorf.
Auch daran kann ich beim besten Willen nicht
erinnern, Besuche hingen vom Gutdünken der Specki ab.
Privatzöglinge hat es gegeben, ich war bis vor ein
paar Jahren sogar noch mit einem in Kontakt.
Wer wirklich lernen wollte hatte jede Möglichkeit dazu. Talente wurden
dafür extra täglich nach Sieghartskirchen gebracht, um auf dortige Schulen zu
gehen.
Das stimmt bedingt, es gab die Möglichkeit in den
A-Zug zu kommen, wurde aber auch von der Specki bestimmt.
Wenn es in Wimmersdorf jemals wirkliche Rotznasen nach dem Muster von
Max und Moritz gab, dann war das der Mayer und ich. Noch heute erzählt man über
unsere Streiche. Meines Wissens gab es vor und nach uns beiden keine so üble
Brut wie uns beide. Nur wir wurden nie Misshandelt!?
Leider kennen ich beide Namen nicht. Meines Wissens
gab es niemand in dieser Einrichtung, der nicht in irgendeiner Art
misshandelt wurde.
Daher erlaube ich mir Sie und den zehnköpfigen Rattenschwanz den sie
hinten noch nachschleppen, als krimmenelle und Lügner zu bezeichnen.
Der „Rattenschwanz“ sind alles Opfer dieser
Einrichtung, nicht kriminell und auch keine Lügner.
Ich fordere Sie hiermit auf die Gelder welche Sie mit Ihren Lügen
ergaunert haben unverzüglich zurück zu zahlen. Weiters informieren Sie alle
Medien wie Standart, Profil, etc. welchen Sie Ihre Ammenmärchen aufgetischt
haben, daß Sie eiskalt gelogen haben um Wiedergutmachungsgelder zu kassieren.
Auch werden Sie die SPÖ betreffs Ihrer dreckigen Lügen über Karl Hauer
informieren und sich bei ihm entschuldigen.
Wieso soll ich mich als Opfer bei einem Täter
entschuldigen, er kann mich ja gerichtlich belangen, wenn er will. Ich weiss
mich zu wehren.
Wir werden Ihre Tätigkeit dabei genauest verfolgen. Sollten Sie Probleme
mit Eingeständnissen haben, so werden wir Ihnen zu gegebener Zeit ein wenig
nachhelfen. Das wird dann aber Ihr persönliches Waterloo! Sollten Sie meinen
Sie seien der Größte und Beste, dann sei Ihnen verraten: Jeder findet einmal
seinen Herrn!
Ich habe kein Problem, weiterhin die Wahrheit über
diese Einrichtung zu veröffentlichen. Ich werde akribisch die Drohungen
weiterverfolgen und zur Anzeige bringen. Ich bin auch sehr neugierig, wie ich
das „Nachhelfen“ zu verstehen habe. Ich habe so viele Prügel in dieser
Einrichtung bezogen, dass ich hoffe, diese auch zu überstehen. Zu guter Letzt
ich habe meinen „Meister“ noch nicht gefunden, denn dieses Mail bestärkt mich
nur noch mehr, diesen Sumpf auszutrocknen.
In diesem Sinne
Wolfgang Exxxxxx
Meine Antwort auf diese Mail:
Herr Exxxx, ich hoffe sie finden den Mut sich bei
mir zu melden. Ich werde am Montag meinen Anwalt beauftragen, eine Klage gegen
sie einzubringen wegen des §297 StGB, 111 StGB. Sie sollten sich sehr schnell
bei uns entschuldigen und des weiteren, Sie sind sicher nicht mein Meister.
Mit freundlichen Grüßen P
Natürlich werde ich die Gruppe bitten, gesammelt
Anzeige zu erstatten, da ich nicht einsehe, dass solche
Menschen ungeschoren davonkommen.
(Beim Drohmail wurden keine orthographischen Korrekturen vorgenommen)
Diese Antwort habe ich bekommen
Wohl schlecht gefrühstückt am Wochenende? Ich habe hier kein
Diskusionsforum eröffnet und bin auch nicht bereit zu diskutieren.
Viel mehr habe ich eindeutig festgehalten, was ich von Euch Abzockern zu
Ungunsten der Steuerzahler erwarte. Und daran wird sich nichts ändern.
Ich habe Euch die Wahl gelassen, aufrecht und erhobenen Hauptes in Euren
Untergan zu gehen, oder mit Schimpf und Schande.
Mit Anwaltsdrohungen etc. schießt Ihr bei mir in die Unendlichkeit des
Nirwana. Weiters verstecke ich mich nirgens, sondern lebe am Hof meiner
Großmutter auf Sizilien. Dazwischen bin ich geschäftlich auch in St. Petersburg
und Dubai anzutreffen.
Also setzt Euch in Bewegung und stellt den Bock wieder auf, den Ihr
geschossen habt. Spätestens in einer Woche kann ich Euch dann nachhelfen, falls
Ihr durch Startschwirigkeiten gehemmt seid.
In diesem Sinne
Wxxxxx Exxxx
Gruppe
Wir sind heute eine Gruppe von einigen Leuten, die sich öfter treffen,
um unsere Heimgeschichten aufzuarbeiten. Diese Menschen helfen mir sehr, das
Erlebte zu verarbeiten, da sie dasselbe erlebt haben. Wir sind schon einige
Male nach Wimmersdorf gefahren und haben Fotos gemacht und wir sind auch in
Kontakt mit einigen Leuten aus der näheren Umgebung. Viele dieser Menschen
haben Mitleid mit uns und beginnen, Geschichten aus der Vergangenheit zu
erzählen. Es zeichnet sich ein grausiges Bild des Kinderheims Wimmersdorf ab!
Wir haben eine eigene Webseite, Verein (befindet sich in Gründung) und einen
Blog ins Leben gerufen, um den Opfern dieser Zeit zu helfen.
Erklärung der Fussnoten
Specki1 = Direktorin Margarete Stellbogen (wegen ihrer
ausgeprägten Leibesfülle)
Irxen2 = Erika Hebar (wegen ihrer ausgeprägten X-Beine)
Sprechschluss3
Sprechschluss bedeutete, dass man sofort still sein musste, und wer
sprach, wurde bestraft
Stricherlheft4
Ist ein kleines Heft (oder ein Zettel), in welchem alle Namen
aufgeschrieben waren und Stricherl gemacht wurden für die Strafaufgaben.
Pfeiferl5 = Trillerpfeife
1x Pfeifen: jeder bleibt stehen wo er ist und vollkommene Ruhe
2x Pfeifen: in Einserreihe antreten vor der Erzieherin
3x Pfeifen: in Einserreihe antreten mit dem Finger auf dem Mund
Zapfenrechnung6
Gemeint ist eine x-beliebige mehrstellige Zahlenangabe, die dann mit 2,
das Produkt wiederum mit 3, dann weiterhin (immer schön untereinander) mit 4,
5, 6, 7, 8, und 9 multipliziert und dann das Ganze in weiterer Folge mit 2
beginnend bis 9 wieder dividiert wird. Am Ende kommt wieder die Eingabezahl
heraus, falls alles richtig gerechnet wurde. Optisch ergibt diese Rechnerei
eine Zapfenform.
Lippenwatschen7
Das Opfer unter die Achsel spannen und mit schnellen Schlägen auf die
Lippen schlagen
Halbhocke8
Schranzhocke, strafverschärfend mit Büchern auf den ausgestreckten
Händen
Goldunterhosen9
Unterhosen die nicht ganz sauber waren
Pümpel10 (Hektor) =WC-Saugglocke
Conclusio
- Systematische Misshandlung aller Zöglinge mit Einzel- und Kollektivstrafen
- Systematische Zerstörung des eigenen Willens
- Allgemeine Zensur
- Aufhebung der bürgerlichen Rechte durch die Anstalt
- Zwangsarbeit
- Auslöschung der Persönlichkeit
- Schwere Menschenrechtsverletzungen
- Sexueller Missbrauch unter den Zöglingen und durch die Erzieherinnen (Genitalkontrolle, Schläge aufs Glied )
Durch die Isolation von den Zöglingen wurde uns die Möglichkeit
genommen, uns in irgendeiner Weise zu wehren oder unser Schicksal an die
Öffentlichkeit zu bringen.
Möge der geneigte Leser selbst beurteilen, ob die
Menschenrechte eingehalten wurden und sich selbst ein Bild machen. Meiner
Meinung nach wurden sie nicht eingehalten und dadurch ist keine dieser Taten
verjährt sei und die Täter zu ihrer Verantwortung stehen sollten.
(Anm. des Text Controllers: dieser ganze Bericht wurde nur sehr „sanft“
korrigiert, um dessen Authentizität nicht zu zerstören. Es wurde nichts
hinzugefügt oder weggelassen.)
Deklaration der Menschenrechte
Alle Menschen verfügen von Geburt an über die gleichen, unveräußerlichen
Rechte und Grundfreiheiten.
Die Vereinten Nationen bekennen sich zur Gewährleistung und zum Schutz
der Menschenrechte jedes einzelnen. Dieses Bekenntnis erwächst aus der Charta
der Vereinten Nationen, die den Glauben der Völker an die Grundrechte des
Menschen und an die Würde und den Wert der menschlichen Persönlichkeit
bekräftigt.
In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte haben die Vereinten
Nationen in klaren und einfachen Worten jene Grundrechte verkündet, auf die
jedermann gleichermaßen Anspruch hat.
Auch Sie haben Anspruch auf diese Grundrechte. Es sind auch ihre Rechte.
Machen Sie sich mit ihnen vertraut. Helfen Sie mit, diese Grundrechte
für sich selbst und für Ihren Nächsten zu fördern und zu verteidigen.
PRÄAMBEL
Da die Anerkennung der angeborenen Würde und dergleichen und
unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die
Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,
da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der
Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen,
und da verkündet worden ist, daß einer Welt, in der die Menschen Rede- und
Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste Streben
des Menschen gilt,
da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes
zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum
Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen,
da es notwendig ist, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen
zwischen den Nationen zu fördern,
da die Völker der Vereinten Nationen in der Charta ihren Glauben an die
grundlegenden Menschenrechte, an die Würde und den Wert der menschlichen Person
und an die Gleichberechtigung von Mann und Frau erneut bekräftigt und
beschlossen haben, den sozialen Fortschritt und bessere Lebensbedingungen in
größerer Freiheit zu fördern,
da die Mitgliedstaaten sich verpflichtet haben, in Zusammenarbeit mit den
Vereinten Nationen auf die allgemeine Achtung und Einhaltung der Menschenrechte
und Grundfreiheiten hinzuwirken,
da ein gemeinsames Verständnis dieser Rechte und Freiheiten von größter
Wichtigkeit für die volle Erfüllung dieser Verpflichtung ist,
verkündet
die Generalversammlung
die Generalversammlung
diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal,
damit jeder einzelne und alle Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung
stets gegenwärtig halten und sich bemühen, durch Unterricht und Erziehung die
Achtung vor diesen Rechten und Freiheiten zu fördern und durch fortschreitende
nationale und internationale Maßnahmen ihre allgemeine und tatsächliche
Anerkennung und Einhaltung durch die Bevölkerung der Mitgliedstaaten selbst wie
auch durch die Bevölkerung der ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Gebiete zu
gewährleisten.
Artikel 1
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie
sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der
Brüderlichkeit begegnen.
Artikel 2
Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und
Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe,
Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung,
nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.
Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der
politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder
Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist,
unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner
Souveränität eingeschränkt ist.
Artikel 3
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.
Artikel 4
Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden;
Sklaverei und Sklavenhandel in allen ihren Formen sind verboten.
Artikel 5
Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder
erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.
Artikel 6
Jeder hat das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt zu werden.
Artikel 7
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Unterschied
Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen
Schutz gegen jede Diskriminierung, die gegen diese Erklärung verstößt, und
gegen jede Aufhetzung zu einer derartigen Diskriminierung.
Artikel 8
Jeder hat Anspruch auf einen wirksamen Rechtsbehelf bei den zuständigen
innerstaatlichen Gerichten gegen Handlungen, durch die seine ihm nach der
Verfassung oder nach dem Gesetz zustehenden Grundrechte verletzt werden.
Artikel 9
Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes
verwiesen werden.
Artikel 10
Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und Pflichten sowie bei
einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit
Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen
und unparteiischen Gericht.
Artikel 11
(1) Jeder, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das
Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld nicht in einem
öffentlichen Verfahren, in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen
Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.
(2) Niemand darf wegen einer Handlung oder Unterlassung verurteilt
werden, die zur Zeit ihrer Begehung nach innerstaatlichem oder internationalem
Recht nicht strafbar war. Ebenso darf keine schwerere Strafe als die zum
Zeitpunkt der Begehung der strafbaren Handlung angedrohte Strafe verhängt
werden.
Artikel 12
Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine
Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner
Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen
Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.
Artikel 13
(1) Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen
und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen.
(2) Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu
verlassen und in sein Land zurückzukehren.
Artikel 14
(1) Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu
suchen und zu genießen.
(2) Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer
Strafverfolgung, die tatsächlich auf Grund von Verbrechen nichtpolitischer Art
oder auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der
Vereinten Nationen verstoßen.
Artikel 15
(1) Jeder hat das Recht auf eine Staatsangehörigkeit.
(2) Niemandem darf seine Staatsangehörigkeit willkürlich entzogen noch
das Recht versagt werden, seine Staatsangehörigkeit zu wechseln.
Artikel 16
(1) Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf
Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu
heiraten und eine Familie zu gründen. Sie haben bei der Eheschließung, während
der Ehe und bei deren Auflösung gleiche Rechte.
(2) Eine Ehe darf nur bei freier und uneingeschränkter Willenseinigung
der künftigen Ehegatten geschlossen werden.
(3) Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat
Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.
Artikel 17
(1) Jeder hat das Recht, sowohl allein als auch in Gemeinschaft mit
anderen Eigentum innezuhaben.
(2) Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden.
Artikel 18
Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit;
dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine
Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine
Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat
durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.
Artikel 19
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung;
dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie
über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und
Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.
Artikel 20
(1) Alle Menschen haben das Recht, sich friedlich zu versammeln und zu
Vereinigungen zusammenzuschließen.
(2) Niemand darf gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören.
Artikel 21
(1) Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen
Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter
mitzuwirken.
(2) Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern in
seinem Lande.
(3) Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der
öffentlichen Gewalt; dieser Wille muß durch regelmäßige, unverfälschte,
allgemeine und gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder einem gleichwertigen
freien Wahlverfahren zum Ausdruck kommen.
Artikel 22
Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit
und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale
Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel
jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen
Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner
Persönlichkeit unentbehrlich sind.
Artikel 23
(1) Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte
und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
(2) Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche
Arbeit.
(3) Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende
Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde
entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale
Schutzmaßnahmen.
(4) Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu
bilden und solchen beizutreten.
Artikel 24
Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine
vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.
Artikel 25
(1) Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner
Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung,
Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das
Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder
Verwitwung, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel
durch unverschuldete Umstände.
(2) Mutter und Kind haben Anspruch auf besondere Fürsorge und
Unterstützung. Alle Kinder, eheliche wie außereheliche, genießen den gleichen
sozialen Schutz.
Artikel 26
(1) Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum
mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der
Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen
allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muß allen
gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.
(2) Die Bildung muß auf die volle Entfaltung der menschlichen
Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und
Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muß zu Verständnis, Toleranz und
Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen
Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des
Friedens förderlich sein.
(3) Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu
wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll.
Artikel 27
(1) Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei
teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen
Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.
(2) Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen
Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder
Kunst erwachsen.
Artikel 28
Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der
die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten voll verwirklicht
werden können.
Artikel 29
(1) Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die
freie und volle Entwicklung seiner Persönlichkeit möglich ist.
(2) Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den
Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck
vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu
sichern und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und
des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen.
(3) Diese Rechte und Freiheiten dürfen in keinem Fall im Widerspruch zu
den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen ausgeübt werden.
Artikel 30
Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, daß sie
für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht begründet, eine
Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung vorzunehmen, welche die Beseitigung der
in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat.
Presse und Bücher
"profil" Nr. 11/10 vom 15.03.2010 Seite: 28,29,30,31,32
Ressort: Österreich
Edith Meinhart (Text)
Die Gezeichneten
Jugend. Missbrauch, Schläge und Demütigungen gab es nicht nur in
katholischen Internaten. Auch in vielen staatlichen Heimen wurden Zöglinge
systematisch gebrochen. Jetzt brechen sie erstmals ihr Schweigen.
Sie will weglaufen. Doch ihre Füße scheinen am Boden festzukleben. Die
Fürsorgerin und die Polizei sind hinter ihr her. Aber auch sie kommen nicht vom
Fleck. Ihre Verfolger erwischen sie nicht. An dieser Stelle wacht Elisabeth
Gruber, 66, meistens auf. Als ihr Mann noch lebte, erzählte sie ihm so oft vom
Heim, dass er nichts mehr davon hören wollte. „Hör auf mit dem Blödsinn“, bat
er. Doch ihre Albträume ließen sich nicht abstellen.
Elisabeth Gruber sitzt am Wohnzimmertisch, vor sich die Notizen, die sie
gemacht hat, um nichts Wichtiges zu vergessen. Sie lebt in Purkersdorf bei
Wien, in demselben Einfamilienhaus, aus dem Gendarmen sie am Silvestermorgen
1958 abholten und in eine Erziehungsanstalt steckten, weil sie ein „schlimmes
Mädchen“ war. Sie durfte nichts einpacken, nur noch ihren himmelblauen
Wintermantel über das Nachthemd ziehen. Mehrmals steht sie auf, lässt den Hund
hinaus, kocht Kaffee, holt Krapfen aus der Küche, weil die Erinnerungen sie
„noch sehr aufwühlen“.
Jahrzehntelang interessierten sich weder die Justiz noch die
Öffentlichkeit dafür, was Heimkinder erlebt haben. Die meisten Einrichtungen
wurden in den siebziger und achtziger Jahren aufgelöst oder in
sozialpädagogische Zentren umgewandelt. Protokolle und Mündelakten verschwanden
im Keller. Ehemalige Zöglinge schwiegen aus Scham. Viele scheiterten als
Erwachsene, wurden drogensüchtig oder kriminell. Oder sie brachen zusammen,
weil eine Trennung, ein Film, eine ärztliche Untersuchung ihre Wunden wieder
aufgerissen hatten.
Jetzt, da sie zwischen 50 und 70 sind, wollen sie den Terror ihrer
frühen Jahre publik machen. Viele von ihnen wurden in katholischen Heimen drangsaliert,
gedemütigt, sexuell missbraucht. In Deutschland schlossen sich Betroffene zu
einem Verein zusammen, in Irland erschütterte der Bericht einer staatlichen
Kommission die Öffentlichkeit (siehe Kasten). Auch in Österreich wird die Mauer
des Schweigens brüchig. Vergangene Woche gestand Bruno Becker, Erzabt von St.
Peter in Salzburg, vor 40 Jahren einen zwölfjährigen Zögling missbraucht zu
haben. Er bot seinen Rücktritt an.
Doch die Übergriffe, die nun zutage treten, sind nicht einmal die Spitze
des Eisbergs, sagt Zeithistoriker Horst Schreiber: „In katholischen Internaten
wurden Zöglinge der Mittelschicht zugerichtet. Die wirklich brutalen
Geschichten passierten aber in den geschlossenen Heimen, betrieben von Bund und
Ländern. Dort wurden Unterschichtkinder, nach denen niemand gefragt hat, auf
eine Art und Weise systematisch gebrochen, die an Terrorregime erinnert.“
Vorvergangenen Freitag präsentierte Jenö A. Molnár im Parlament sein
Buch „Wir waren doch nur Kinder“. 16 Jahre lang war Molnár in Kinderheimen
untergebracht gewesen. „Es kann sich niemand vorstellen, was das für mich
bedeutet“, erklärte der Autor, sichtlich gerührt, seine furchtbaren
Erinnerungen im Hohen Haus vorstellen zu können.
*
Jenö A. Molnár kam am 5. August 1946 in Oberösterreich zur Welt, als
Kind einer geflüchteten Ungarin und eines US-Besatzungssoldaten. 1947 wurde
seine Mutter kurz verhaftet. Als sie zurückkam, war ihr zehn Monate altes Baby
nicht mehr da. „Man hat mich ihr gestohlen“, sagt Molnár. Es kostete ihn sein
halbes Leben, das herauszufinden.
Den Großteil seiner Kindheit verbrachte „Jöri“ im steirischen Schloss
Leonstein. Lieblosigkeit, Gewalt und Sadismus prägten sein Aufwachsen. Eine
acht Zentimeter große Narbe erinnert ihn noch heute an eine prügelnde Nonne.
Mit 19 stand er auf der Straße, ohne Geld, ohne Papiere. Österreich erkannte
ihn weder als Flüchtling noch als Staatsbürger an. Ende der sechziger Jahre
ließ er sich schließlich in Deutschland nieder und fristete dort als
Staatenloser eine Existenz am Rand des sozialen Abgrunds.
Seine Mutter war ein Name auf seiner Geburtsurkunde, dem einzigen
Dokument, das er besaß. Vom Vater fehlte jede Spur. In Stadl-Paura,
Oberösterreich, fand Jenö A. Molnár Nachbarn, die sich an den kleinen Sohn der
ungarischen Lehrerin erinnern konnten, der in einem Jeep weggebracht worden
war.
1986 fand er seine Mutter in einem Vorort von Salzburg. Sie schien nicht
überrascht, ihrem 40-jährigen Sohn gegenüberzustehen. Sie gab ihm ein Foto:
sein Vater und seine Mutter vor einem Bahnhof, sie war schon schwanger. Auf der
Rückseite stand geschrieben: „Auf dem Weg und guter Hoffnung“. Sie erzählte
ihm, Soldaten hätten sie 1947 ins Spital gebracht und sie dort festgehalten.
Als man sie nach Hause ließ, sei er verschwunden, ihr Mann nach Amerika
abkommandiert, ihre Schwester abgängig gewesen.
Bevor Jenö A. Molnár nach Deutschland zurückfuhr, gab sie ihm Geschenke,
die die Großeltern in Ungarn dem verlorenen Enkelkind gemacht hatten. Als er
neun war, hatte seine Oma in das Tagebuch, das sie für ihn angelegt hatte,
geschrieben: „Mein lieber Alpö, ich weiß, dass du diese Zeilen eines Tages
lesen wirst.“ Er war nicht vergessen worden, das machte ihn ein wenig ruhiger.
1991 hielt er den ersten Pass seines Lebens in Händen, einen ungarischen. Die Frau
auf der Botschaft sah ihn an: „Herr Molnár, wie fühlen Sie sich?“ Sie hatte
seine Akte vor sich liegen, zehn Zentimeter hoch. Er hätte sie ihr gerne
entrissen.
17 Jahre später, wieder eine Zäsur: Jenö A. Molnár sah „Napola“, einen
Kinofilm über die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten der NS-Zeit. Er bebte
vor Wut, weil sich der Hauptdarsteller, statt zu kämpfen, am Ende ertränkt. Da
begann das ehemalige Heimkind zu schreiben: „Es ist wie Wasser aus mir
herausgeronnen. In vier Wochen war mein Buch fertig.“
*
Oft beginnen die Geschichten ehemaliger Zöglinge damit, dass das Leben
sie in verwahrloste, gewalttätige Verhältnisse warf und die Fürsorge sie in
Besserungs- und Züchtigungsanstalten verwahrte. Dort setzten Erzieher,
Ordensmänner und geistliche Schwestern alles daran, ihren Willen zu brechen.
Wie viele in geschlossenen Heimen gequält, bis zur Besinnungslosigkeit
geprügelt, in Korrekturzellen gesperrt, sexuell missbraucht, gedemütigt, ihrer
Persönlichkeit beraubt und für ihr Leben gezeichnet wurden, weiß niemand: In
Deutschland ist von 800.000 die Rede. „Bei uns waren es sicherlich
Zehntausende“, sagt Schreiber.
*
Als Alois M. eineinhalb Jahre alt war, zog seine Mutter zu einem neuen
Mann, und die Fürsorge brachte Alois ins Wiener Kinderheim „Am Himmel“. Ein
halbes Jahr später kam sein Bruder nach. Die neue Frau des Vaters hatte ihm die
Oberarme gebrochen und fast den Schädel zertrümmert.
Vage Bilder vom Schlafsaal, Angst vor den Klosterschwestern, viel mehr
blieb Alois M. aus den frühen Jahren nicht im Gedächtnis. Mit sechs Jahren kam
er in eine evangelische Anstalt bei Hainfeld. Ein Ort, den er für immer mit
Stosuppen verbinden wird, in die er erbrochen hat und die er bis zur Neige
auslöffeln musste. Im niederösterreichischen Caritasheim in Retz fiel er einer
Erzieherin in die Hände, die es liebte, Kinder aufeinanderzuhetzen. Alois M.
rangierte ganz unten, man diffamierte ihn als Bettnässer. Eines Nachts wachte
er auf, weil ein anderer Bub auf ihn urinierte.
Mit acht holte ihn der Vater nach Hause, doch bald drosch die
Stiefmutter wieder mit allem auf ihn ein, was ihr unter die Finger kam. Der
Schularzt entdeckte die frischen Wunden am Körper des Buben. Der Bub musste ins
Kinderheim in Wimmersdorf. Es war sein viertes, und verglichen mit diesem,
waren alle bisherigen nur die Vorhölle gewesen.
„Wie hast du dir die Zähne geputzt?“, fragte die Direktorin am ersten
Abend. Der Zehnjährige hatte noch keine Zahnbürste bekommen und sagte: „Mit dem
Finger.“ Schon habe sie ausgeholt und ihm ins Gesicht geschlagen. Die
Freizeitgestaltung beschränkte sich auf gespenstisch stumme Ausgänge im Hof:
zwei Stunden im Kreis, eine Hand am Rücken, ein Finger der anderen Hand auf dem
Mund. „Meine größte Sorge war, nicht aufs Klo zu müssen“, sagt Alois. Außerhalb
der geregelten Zeiten war das verboten. Manchmal pickten die Erzieherinnen
Kinder heraus und machten sie zu Aufpassern: „Die haben alle aufgeschrieben,
die beim Essen geredet haben oder nach halb acht Uhr abends aufs Klo gegangen
sind.“
Schläge mussten hingenommen werden. Wer sich mit den Armen schützte oder
die Decke über den Kopf zog, sei an den Ohren gezogen worden, bis er blutete.
Die Erzieherinnen hätten ihnen büschelweise Haare ausgerissen: „Ich habe auch
noch ein paar kahle Stellen von damals am Kopf.“ Wussten sie nicht mehr weiter,
sei der kräftige Gatte einer Kollegin ins Heim gekommen und habe die Buben mit
Handkantenschlägen und Fußtritten traktiert.
Jede Kleinigkeit trug den Zöglingen ein Stricherl ein, das bedeutete
eine halbe Stunde Strafestehen. Wer einen Teller schon vergammelter Erdäpfel
hinunterwürgte, konnte sich eine halbe Stunde ersparen, sagt Alois M.: „Ich
habe das manchmal gemacht, weil meine Liste immer voll war.“
Einmal stand er zwei Stunden lang frierend mit angeschnallten Skiern am
Hügel hinter dem Haus und sah den anderen zu, wie sie die Piste
hinunterwedelten: „Als sie fertig waren, musste ich meine Skier abnehmen. Ich
durfte nicht fahren.“
In all den Jahren habe sich eine einzige Erzieherin aufgelehnt. Sie war
jung, blond, rauchte heimlich und wurde nach drei Wochen entlassen: „Sie hat
gesagt, das gehört verboten, was hier passiert. Wir haben sie dafür geliebt.“
Die Bewohner von Wimmersdorf schauten weg, wenn die Buben – „alle mit dem
gleichen Nazi-Haarschnitt, den Nacken geschert, die Deckhaare zum
Seitenscheitel gelegt“ – in Reih und Glied durch den Ort marschierten.
Neuankömmlinge wurden von den Älteren ins „Schmaucheln“ eingeführt: Sie
wurden oral stimuliert, anschließend sollten sie das bei anderen praktizieren.
Als Alois M. 14 war, musste er zum Vater zurück. An einem bitterkalten
Jännertag rannte er wieder von dort davon. Er übernachtete in Telefonzellen und
lief der Polizei in die Hände: „An diesem Tag hat mich die Stiefmutter so
verdroschen, dass ich grün und blau war und nicht in die Schule gehen konnte.“
Ein neues Heim, eine neue Hackordnung: Eggenburg. „Es war das beste Heim
von allen, doch die ersten vier Wochen waren auch hier die Hölle.“ Heute ist
Alois M. knapp 50 und arbeitet in einer Beratungseinrichtung, wo ihm manchmal
Zöglinge über den Weg laufen. Erkennt ihn jemand, sagt er: „Sie müssen mich
verwechseln.“ Fragt ihn jemand nach seiner Kindheit, wehrt er ab: „Es war
nichts Besonderes.“ Als sich vor einigen Jahren seine Freundin von ihm trennte,
fiel er in ein schwarzes Loch: „Es war, als müsste ich wieder in ein neues
Heim. Das habe ich nicht mehr ausgehalten.“ Dreimal versuchte Alois M., sich
das Leben zu nehmen. Dann begann er eine Therapie.
*
Anfang der achtziger Jahre erzählte ein Zögling aus Wimmersdorf einem
Reporter der „Kronen Zeitung“, wie es dort zugegangen war. Im Juli 1981 wurde
das Heim aufgelöst. Wie viele andere davor und danach. Doch nicht einmal dazu
gibt es Zahlen. In seltenen Fällen versuchten ehemalige Insassen, noch an ihre
Akten zu kommen, kaum jemals gelang es ihnen. Ihre brennendste Frage blieb oft
unbeantwortet: „Warum war ich im Heim? Was hat mit mir nicht gestimmt?“
*
Roland K.s Vater war ein Trinker. Die Pflegemutter schlug ihn mit dem
Liguster. „Ich höre heute noch das Pfeifen der Zweige in meinen Ohren.“ Das
Schlimmste aber war der unbedingte Gehorsam, den sie verlangte, und dass er
nicht im Haus aufs Klo gehen durfte. „Ich musste auf den Misthaufen im Garten.“
Mit zehn stand er auf der Wiese vor dem Haus und schrie: „Ich halte es hier
nicht mehr aus!“ So kam auch er nach Wimmersdorf. Er war dort einer der
„Braven“, durfte als „Dienstmädchen“ im Privathaushalt der Erzieherinnen
arbeiten und bekam ab und zu ein Schnitzel. Die Buben seien oft hungrig
gewesen, erzählt er: „Manchmal sind wir in die Küche eingestiegen und haben
etwas zum Essen gestohlen.“ Nach seiner Entlassung 1974 begann K. eine Lehre
zum Industriekaufmann. Er schaute nach vorn, wenn ihn Erinnerungen quälten,
verscheuchte er sie mit einem Schulterzucken: „War halt so.“ Einmal traf er in
Wien zufällig eine seiner alten Erzieherinnen. „Wie geht’s dir?“, fragte sie.
Er habe nicht den Mut gehabt, ihr auf den Kopf zuzusagen, wie schlimm es im
Kinderheim war.
*
Vor vier Jahren beauftragte der oberösterreichische SPÖ-Soziallandesrat
Josef Ackerl den Linzer Sozialforscher Michael John, die Heimerziehung nach
1945 nachzuzeichnen. John sprach mit Insassen der ehemaligen
„Korrektionsbaracke“ Linz-Wegscheid, studierte Akten und gestaltete aus dem
Material die Ausstellung „Wannst net brav bist, kommst ins Heim …“. Sofort
drohten ihm ehemalige Erzieher eine Klage wegen „kollektiver übler Nachrede“
an. Zwar kam es nie zu einem Prozess, sie erreichten trotzdem, was sie wollten:
Die Ausstellung verstaubt nun in einem Keller.
*
Franz Josef Stangl fand lange keine Worte für die Schrecken: Mit fünf
Jahren kam er zu einer Pflegemutter, die ihn prügelte, dann zu einer neuen, die
ihn auf Scheitln knien ließ. Mit elf landete er im Erziehungsheim Rosenhof in
Graz. „Das bist du“, sagte die Fürsorgerin und deutete auf seine Aktenzahl:
Ju.II./57/170752. Essen, einseifen, Licht abdrehen, aufstehen – alles
funktionierte auf Kommando. Zweierreihe, Marsch zu den Spinden, in den
Waschraum, auf den Sportplatz. Als dem kleinen Franzi die Luft ausging, riss er
aus. Er wurde bald wieder eingefangen. Zurück im Heim, verprügelte er einen
Zögling, der ihn verhöhnt hatte. Zur Strafe schob man ihn in die
Erziehungsanstalt Steyr-Gleink ab. Damit hatte man den Buben immer gedroht:
„Wenn du nicht folgst, kommst du nach Gleink.“ Dort herrschte hinter dicken
Klostermauern ein ehemaliger Kampfflieger, der Priester geworden war. Unter
seinem Regime zählte der Einzelne nichts. Franzi bekam die Wäschenummer 71.
Als Stangl mit 18 als „unerziehbar“ entlassen wurde, war er körperlich
und seelisch zerstört. Er betäubte sich mit Alkohol, ging einbrechen, kam ins
Gefängnis. 1983 machte er einen Entzug. Danach suchten ihn Panikattacken heim.
Von den Medikamenten, die seine Dämonen in Schach hielten, wurde er wieder abhängig.
In dieser finsteren Phase seines Lebens beschloss er, seiner Geschichte auf den
Grund zu gehen. Im Herbst 2008 erschien sein Buch „Der Bastard“, ein
authentischer, literarischer Bericht über die ersten elf Jahre seines Lebens.
Franz Josef Stangl sagt, er habe nur die Augen schließen müssen, schon
spulte sich seine Kindheit wie ein Kinofilm vor ihm ab. In wenigen Monaten
kommt sein zweites Buch auf den Markt. Es handelt von den Jahren in
Steyr-Gleink. Auf dem Buchcover wird das einzige Foto sein, das er von sich
besitzt. Stangl hat es aus einem Gruppenbild von seiner Erstkommunion
herausgeschnitten. Ein Bild von ihm allein hätte zehn Schilling gekostet. „Die
bist du nicht wert“, sagten seine Pflegeeltern damals.
*
Die eigene Geschichte bleibt ein Fragment, wenn sie nicht historisch
eingebettet und politisch aufgegriffen wird, sagt Stangl. Er hofft auf eine
Plattform ehemaliger Heimkinder auch in Österreich, für die derzeit Sponsoren
gesucht werden. „Der Staat darf die Menschen, die unter seiner Obhut zum
Krüppel geprügelt wurden, im Alter nicht wieder hängen lassen. Wir wollen
Aufklärung, Psychotherapie, Entgegenkommen bei den Sozialversicherungsjahren.“
Stangl ist heute 60, seine Knochen sind brüchig, einige Wirbel
eingebrochen, er kann weder lange stehen noch sitzen. Der Amtsarzt attestierte
ihm, chronisch krank zu sein. In Pension gehen darf er nicht: „Jetzt macht mich
der Staat wieder zur Sau“, sagt Stangl. Viele ehemalige Zöglinge mussten hinter
den Anstaltsmauern stupide Zwangsarbeit leisten, ohne einen Schilling Lohn. Bei
der Sozialversicherung hatten sie die Heime nicht angemeldet.
*
Als Elisabeth Gruber 13 war, trieb sie sich mit Buben herum. Die
Fürsorge steckte das „schlimme Mädchen“ zur Strafe ins Kloster zum Guten Hirten
in Obersiebenbrunn. Dort musste sie sechsmal am Tag beten. Eines Tages fiel sie
in der Kirche um. Was sie damals nicht wusste: Sie war schwanger.
Im Mütterheim in Graz gab es strikte Arbeitszeiten: 7.30 bis 12 Uhr und
13.30 bis 18 Uhr. Wochenlang strickte sie mit Noppenwolle Pullover. Wenn sie
sich beeilte, ging sich einer am Tag aus. Eine Strickwarenfirma ließ die
frische Ware abholen. Elisabeth Gruber arbeitete bis zur Entbindung, putzte
Kohlrabi, schälte Erdäpfel, wusch Salat. Gleich nach der Geburt arbeitete sie
weiter. Eine alte Schwester passte auf ihren Buben auf, während sie bügelte,
die immer gleiche Naht einer Schürze mit der Maschine steppte oder
Taschentücher mit der Hand säumte. Mit 17 wechselte Elisabeth ins Kloster zum
Guten Hirten in Wiener Neudorf. Die Gruppen dort trugen niedliche Namen:
„Mohnblumen“, „Leuchtsterne“, „Gänseblümchen“. Doch auch hier verliefen die
Tage mit monotonen Tätigkeiten und schwerer, körperlicher Arbeit.
Die Klosterschwestern hätten sie zwar nicht geschlagen, aber sie hätten
genau gewusst, „wie sie uns kränken können“. Der geringste Verstoß reichte, um
„in die Korrektur“ gesperrt zu werden. Stundenlang, manchmal Tage musste man
allein in einem Zimmer sitzen und über die eigenen Fehler nachsinnen. Am Abend
wurden Matratzen hinein-, am nächsten Morgen wieder hinausgeschleppt. Dreimal
am Tag brachte eine Frau Essen. Es war verboten, mit ihr zu reden. Eines der
schlimmsten Verbrechen, das man im Kloster begehen konnte, war eine „Wärmelei“,
sexueller Kontakt zu einem anderen Mädchen: „Das kam gleich nach Mord.“
*
Erwachsen geworden, fragten sich die Heimkinder, warum niemand den
Terror damals stoppte. Es gab „Einschauen“, vor denen alles auf Hochglanz
poliert wurde. Delegationen stolzierten durch die Gänge, schauten in die
Zimmer, fragten: „Na, gefällt es euch hier?“ „Wie sind die Erzieher?“ „Schmeckt
das Essen?“ Die Zöglinge, die an solchen Tagen ihr schönstes Gewand anlegten
und gutes Essen bekamen, wussten, was sie zu sagen hatten. Elisabeth Gruber:
„Dann gab es drei Tage lang grindiges Essen, um das gute Esssen wettzumachen.
Und danach war alles wie immer.“
Buchtipps
Jenö Alpár Molnár: Wir waren doch nur Kinder … Geschichte einer
geraubten Kindheit. August von Goethe Literaturverlag, 2008. 302 Seiten, 18
Euro.
Franz Josef Stangl: Der Bastard. Der Fürsorgezögling. Roman. Bibliothek
der Provinz, 2008. 244 Seiten.
Bild: Elisabeth Gruber, 66 Die Fürsorge steckte sie ins Klosterheim,
weil sie ein „schlimmes Mädchen“ war. Dort wurde sie jahrelang als Arbeitskraft
ausgebeutet.
Bild: Jenö A. Molnár, 63 15 Jahre verbrachte er in Säuglings- und
Kinderheimen. Eine acht Zentimeter große Narbe erinnert noch an die Prügel
einer Nonne.
Bild: Roland S., 51 Wer zu den „Braven“ gehörte, durfte als
„Dienstmädchen“ im Haushalt der Erzieherinnen arbeiten und bekam ab und zu ein
Schnitzel.
"profil" Nr. 11/10 vom 15.03.2010 Seite: 31
Ressort: Österreich
Schockwellen
Aufarbeitung. Immer lauter fordern ehemalige Heimkinder Wiedergutmachung
für erlittenes Unrecht.
Es waren schonungslose Nachforschungen. Neun Jahre lang ging eine von
der irischen Regierung eingesetzte Kommission der Frage nach, was sich in den
katholischen Erziehungsheimen des Landes zugetragen hatte. Über tausend Zeugen
wurden befragt. 2009 hielt der so genannte Ryan Report fest: In den Erziehungs-
und Besserungsanstalten der Nachkriegszeit wurden Zöglinge als billige
Arbeitskräfte ausgebeutet, gefügig gemacht und systematisch misshandelt:
körperlich, seelisch und sexuell. Sogar von Kindern, die nach Gewaltexzessen
spurlos verschwanden, war zu lesen. Ein irischer Priester gestand mehr als
hundert sexuelle Übergriffe. Der Staat Irland, der die kirchlichen Anstalten
zumeist finanzierte, hat inzwischen über zehn Millionen Euro Schmerzensgeld an
Übergriffsopfer ausbezahlt.
In Deutschland schlossen sich ehemalige Heiminsassen vor vier Jahren zu
einem Verein zusammen
( www.vehev.org). Sie fordern ebenfalls Wiedergutmachung für erlittenes
Unrecht. 2006 half ihnen das Buch des „Spiegel“-Reporters Peter Wensierski
(„Schläge im Namen des Herrn“), die Öffentlichkeit aufzurütteln. Inzwischen
widmet sich auch eine Bundestagskommission dem Thema.
In Österreich steht die Debatte noch am Beginn. Vergangene Woche bekam
die Mauer des Schweigens deutliche Risse. Bruno Becker, Erzabt von St. Peter in
Salzburg, gestand, vor 40 Jahren einen zwölfjährigen Zögling missbraucht zu
haben. Bisher musste die katholische Kirche in Österreich keine Klagen
ehemaliger Heimkinder befürchten. Einige der berüchtigtsten Erziehungsanstalten
– etwa Kaiserebersdorf in Wien – waren staatlich. Albert Steinhauser,
Justizsprecher der Grünen, fordert nun das Parlament und die Landtage auf, mit
der Aufarbeitung der Heimvergangenheit zu beginnen. Für Entschädigungen ist es
oft zu spät, weil die Delikte bereits verjährt sind. Steinhauser: „Wir brauchen
den politischen Willen und gesetzliche Grundlagen, damit den Opfern heute
geholfen werden kann.“
Bild: Wiener Kinderheim „Am Himmel“ Für Entschädigungen ist es oft zu
spät, viele Delikte sind verjährt.
In Wiener Heimen wurden Kinder mit Nazi-Methoden gequält. Ehemalige NS-Pädagogen machten auch nach 1945 in der Jugendwohlfahrt Karriere.
1980 dreht der ORF Teile für den Film "PROBLEMKINDER"
Erziehungslagerdenken
- Wiener Heimskandal: Ehemalige NS-Pädagogen machten nach 1945 in der Jugendwohlfahrt Karriere


In Wiener Heimen wurden Kinder mit Nazi-Methoden gequält. Ehemalige NS-Pädagogen machten auch nach 1945 in der Jugendwohlfahrt Karriere.
Von Christa Zöchling
Die
Berichte ehemaliger Heimkinder gleichen sich so sehr, dass man von einem
allgemein akzeptierten Ungeist in der Jugendwohlfahrt, selbst im Roten Wien,
ausgehen muss: Lagermentalität, körperliche Gewalt, Kollektivstrafen,
Kapo-System, Demütigungsrituale und sadistischer Sexualmissbrauch. Immer wieder
hört der Zeithistoriker Reinhard Sieder, der im Auftrag der Stadt Wien das
Geschehen in Wiener Erziehungsheimen wissenschaftlich dokumentiert, von
Erziehern, die in militärischer Adjustierung und Kommandosprache die Kinder
quälten, von Erzieherinnen, die sich barbarische Gemeinheiten einfielen ließen,
von psychologischen Gutachtern, die sich der NS-Erbtheorie und der Sprache des
so genannten Dritten Reichs bedienten. Nicht in allen Wiener Heimen gab es
Anklänge an das NS-Regime, doch in den großen Anstalten für schwer Erziehbare
oder "Verwahrloste“, wie es im Amtsjargon hieß, in denen ein Gutteil der
Erzieher nur in einem Schnellkurs ausgebildet worden war, herrschte offenbar
dieser Geist. Ehemalige Heiminsassen am Wilhelminenberg erinnern sich, dass man
ihnen drohte, wenn sie nicht gehorchten, kämen sie auf den "Spiegelgrund“.
Das Erziehungsheim und die Euthanasiestation für behinderte und "asoziale“ Kinder "Am Spiegelgrund“, in der 772 Kinder ermordet wurden, war 1945 geschlossen worden. Doch der ehemalige Leiter der Jugendfürsorgeanstalt "Am Spiegelgrund“, Hans Krenek, setzte seine Karriere fort: als Pädagoge der Stadt Wien.
1942 hatte Heimleiter Krenek die Selektionsfunktion seiner Anstalt so definiert, dass "alle psychisch auffallenden Kinder und Jugendlichen“ zu begutachten, entsprechend einzuweisen und die Fälle wissenschaftlich auszuwerten seien. Seine Erziehungsmethoden beschrieb er als "Zucht, strenge Disziplin, lückenlose Beschäftigungstherapie und ganz besonders Pflege des Gemeinschaftssinnes“.
Krenek wechselte umstandslos in die neuen Zeiten. Schon im Frühjahr 1946 veröffentlichte er einen Erziehungsratgeber ("Unser Kind“). Eltern "nervöser“ Kinder wird darin eine harte Hand empfohlen. Die Jugend sieht er gefährdet durch "Arbeitsunlust und sexuelle Verwirrungen“.
Der Autor sei "nicht nur als Fachmann berufen“, er schöpfe "ganz und gar aus dem Leben“; er sei "ein österreichischer Mensch im besten Sinn des Wortes, ein echter Wiener“, wird Krenek in der Einleitung gehuldigt. Verfasst hatte es ein Kinderarzt namens Alfred Refs, der im NS-Regime selbst an einer Schlüsselstelle für die Selektion von Säuglingen tätig gewesen war.
In den zwanziger Jahren war Krenek Sozialdemokrat, in den Dreißigern Mitglied der katholischen "Vaterländischen Front“, dann Nationalsozialist und nach 1945 Mitglied des Bundes Sozialistischer Akademiker und der SPÖ. Von der Ermordung der Kinder habe er nichts gewusst, sagte Krenek als Zeuge im "Spiegelgrund“-Prozess im Jahr 1946. In seinem Innersten sei er immer ein Sozialist geblieben.
In den ersten Nachkriegsjahren fand Krenek als Buchhalter in Diensten der Stadt Wien Verwendung. Im April 1954 wurde er mit der Leitung der Referats der Wiener Jugendfürsorgeanstalten betraut, 1961 war er Direktor der städtischen Lehrlingsheime, 1966 wurde er mit dem "Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“ ausgezeichnet. Er starb kurz vor der Verleihung.
Krenek ist nur ein Beispiel für NS-Kontinuitäten im Erziehungssystem. Ärzte, Erzieher und Fürsorger wurden blitzschnell wieder zu kreuzbraven und angepassten Rädchen im System, unterstützt von jüngeren Erziehern, die an NS-Anstalten ausgebildet worden waren, und einer erschreckend großen Anzahl an Personal, das - die Regelung galt bis 1962 - nur einen Sechswochenkurs absolviert hatte. Aus einer Befragung von Heimerziehern Anfang der siebziger Jahre geht hervor, dass ein Gutteil der Erzieher vorher in ihren Schulkarrieren und angelernten Berufen gescheitert war und sich in die Sicherheit einer beamteten Anstellung geflüchtet hatte. "Man kann annehmen, dass der Heimerzieherberuf zum Zeitpunkt persönlicher Krisen begonnen wird und dass es sich um eine psychisch und gesellschaftlich verunsicherte Personengruppe handelt“, schreiben die Autoren der Studie.
Die maßgebliche Stimme bei der Einweisung in ein Erziehungsheim war die Fürsorgerin. Aus Personalnot wurden Ende 1945 auch NS-belastete Fürsorgerinnen wieder ins Amt geholt, der Personalstand verdreifachte sich innerhalb weniger Monate. In kirchlichen und privaten Heimen kontrollierten Fürsorgerinnen weiterhin die eingewiesenen Kinder, in öffentlichen Heimen durften sie das nicht.
In den psychologischen Gutachten dieser Jahre herrschte der Geist der NS-Zeit und das Konzept der "endogenen Assozialität“ ungebrochen. "Man vermutete Vererbungsfaktoren, die für die Schwierigkeiten der Kinder verantwortlich waren“, sagt der Historiker Reinhard Sieder, der die Erzählungen der Heimopfer mit den Akten der Jugendwohlfahrt vergleicht.
Sexuelle Übergriffe, Prügelstrafen werden in diesen Akten nie erwähnt. Auch keine Anzeigen. Verletzungen der Kinder werden meist mit Unfällen bei Sport und Spiel oder beim "Entweichen“ des Zöglings, so der Fluchtversuch im Amtsdeutsch, begründet.
Nach einem guten Dutzend ausgewerteter Berichte ehemaliger Heiminsassen, hinter denen Hunderte andere, ähnlich gelagerte Fälle stehen, die sich bei der Opferorganisation "Weißer Ring“ oder beim FPÖ-nahen Anwalt Johannes Öhlböck gemeldet haben, tut sich ein Kosmos des Grauens auf. In Heimen, die den Ruf hatten, dass es dort hart zugehe, gehörten körperliche Gewalt, Demütigung, Verhöhnung und kollektive Strafaktionen, die den Zusammenhalt der Kinder brechen sollten und rituelle Selbstbestrafungsaktionen beförderten, zur Normalität. Sexueller Missbrauch, oft verbunden mit sadistischem Lustgewinn, häufte sich in den fünfziger und sechziger Jahren.
Bei männlichen Erziehern sind Erfahrungen in einer Sondereinheit zu vermuten. Es wird von einem Erzieher in einem Bubenheim berichtet, der in schwarzen Stiefeln mit Reitgerte auftrat und die Zöglinge beim Duschen für angebliches Onanieren mit Schlägen auf den Penis bestrafte. Unter dem Titel "Hasenjagd“ soll er die Kinder im Park vor sich hergetrieben und ihre nackten Waden gepeitscht haben. In kirchlichen Heimen führte das Tabu der Sexualität zu grotesken bis grausamen Vorfällen. Nach Akten des Jugendamts durften Buben auf Anweisung der Schwester Oberin nur in Unterhose in die Badewanne steigen, weil sie sonst zur Onanie angestiftet werden könnten. Ebenfalls in einem kirchlichen Heim soll ein Mädchen von einer Schwester mit einem Besenstil penetriert worden sein.
Berichte von sexuellem Missbrauch in städtischen Heimen sind so häufig und in manchen Details so übereinstimmend, dass man sie ernst nehmen muss.
Es gab Kinder, die Stärke daraus bezogen, die Misshandlungen stoisch zu ertragen, keine Regung zu zeigen, keine Tränen. Andere flüchteten aus den Heimen, glitten in die Kleinkriminalität ab und kamen in immer "schärfere“ Anstalten.
Die Kommission, die Sieder leitet, hat nicht den Auftrag, Täterforschung zu betreiben, sondern den Leidensweg der Opfer zu dokumentieren. Dennoch erhebt sich die Frage, warum dies im Einflussbereich der Gemeinde Wien möglich war? "Wer immer davon wusste oder nichts wissen wollte - nach vorläufigem Wissensstand gibt es eine institutionelle Schuld. Das System hat keine Kontrolle organisiert“, sagt Sieder.
Anzeigen gegen ehemalige Erzieher wurden wegen Verjährung zurückgelegt.
Das Erziehungsheim und die Euthanasiestation für behinderte und "asoziale“ Kinder "Am Spiegelgrund“, in der 772 Kinder ermordet wurden, war 1945 geschlossen worden. Doch der ehemalige Leiter der Jugendfürsorgeanstalt "Am Spiegelgrund“, Hans Krenek, setzte seine Karriere fort: als Pädagoge der Stadt Wien.
1942 hatte Heimleiter Krenek die Selektionsfunktion seiner Anstalt so definiert, dass "alle psychisch auffallenden Kinder und Jugendlichen“ zu begutachten, entsprechend einzuweisen und die Fälle wissenschaftlich auszuwerten seien. Seine Erziehungsmethoden beschrieb er als "Zucht, strenge Disziplin, lückenlose Beschäftigungstherapie und ganz besonders Pflege des Gemeinschaftssinnes“.
Krenek wechselte umstandslos in die neuen Zeiten. Schon im Frühjahr 1946 veröffentlichte er einen Erziehungsratgeber ("Unser Kind“). Eltern "nervöser“ Kinder wird darin eine harte Hand empfohlen. Die Jugend sieht er gefährdet durch "Arbeitsunlust und sexuelle Verwirrungen“.
Der Autor sei "nicht nur als Fachmann berufen“, er schöpfe "ganz und gar aus dem Leben“; er sei "ein österreichischer Mensch im besten Sinn des Wortes, ein echter Wiener“, wird Krenek in der Einleitung gehuldigt. Verfasst hatte es ein Kinderarzt namens Alfred Refs, der im NS-Regime selbst an einer Schlüsselstelle für die Selektion von Säuglingen tätig gewesen war.
In den zwanziger Jahren war Krenek Sozialdemokrat, in den Dreißigern Mitglied der katholischen "Vaterländischen Front“, dann Nationalsozialist und nach 1945 Mitglied des Bundes Sozialistischer Akademiker und der SPÖ. Von der Ermordung der Kinder habe er nichts gewusst, sagte Krenek als Zeuge im "Spiegelgrund“-Prozess im Jahr 1946. In seinem Innersten sei er immer ein Sozialist geblieben.
In den ersten Nachkriegsjahren fand Krenek als Buchhalter in Diensten der Stadt Wien Verwendung. Im April 1954 wurde er mit der Leitung der Referats der Wiener Jugendfürsorgeanstalten betraut, 1961 war er Direktor der städtischen Lehrlingsheime, 1966 wurde er mit dem "Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“ ausgezeichnet. Er starb kurz vor der Verleihung.
Krenek ist nur ein Beispiel für NS-Kontinuitäten im Erziehungssystem. Ärzte, Erzieher und Fürsorger wurden blitzschnell wieder zu kreuzbraven und angepassten Rädchen im System, unterstützt von jüngeren Erziehern, die an NS-Anstalten ausgebildet worden waren, und einer erschreckend großen Anzahl an Personal, das - die Regelung galt bis 1962 - nur einen Sechswochenkurs absolviert hatte. Aus einer Befragung von Heimerziehern Anfang der siebziger Jahre geht hervor, dass ein Gutteil der Erzieher vorher in ihren Schulkarrieren und angelernten Berufen gescheitert war und sich in die Sicherheit einer beamteten Anstellung geflüchtet hatte. "Man kann annehmen, dass der Heimerzieherberuf zum Zeitpunkt persönlicher Krisen begonnen wird und dass es sich um eine psychisch und gesellschaftlich verunsicherte Personengruppe handelt“, schreiben die Autoren der Studie.
Die maßgebliche Stimme bei der Einweisung in ein Erziehungsheim war die Fürsorgerin. Aus Personalnot wurden Ende 1945 auch NS-belastete Fürsorgerinnen wieder ins Amt geholt, der Personalstand verdreifachte sich innerhalb weniger Monate. In kirchlichen und privaten Heimen kontrollierten Fürsorgerinnen weiterhin die eingewiesenen Kinder, in öffentlichen Heimen durften sie das nicht.
In den psychologischen Gutachten dieser Jahre herrschte der Geist der NS-Zeit und das Konzept der "endogenen Assozialität“ ungebrochen. "Man vermutete Vererbungsfaktoren, die für die Schwierigkeiten der Kinder verantwortlich waren“, sagt der Historiker Reinhard Sieder, der die Erzählungen der Heimopfer mit den Akten der Jugendwohlfahrt vergleicht.
Sexuelle Übergriffe, Prügelstrafen werden in diesen Akten nie erwähnt. Auch keine Anzeigen. Verletzungen der Kinder werden meist mit Unfällen bei Sport und Spiel oder beim "Entweichen“ des Zöglings, so der Fluchtversuch im Amtsdeutsch, begründet.
Nach einem guten Dutzend ausgewerteter Berichte ehemaliger Heiminsassen, hinter denen Hunderte andere, ähnlich gelagerte Fälle stehen, die sich bei der Opferorganisation "Weißer Ring“ oder beim FPÖ-nahen Anwalt Johannes Öhlböck gemeldet haben, tut sich ein Kosmos des Grauens auf. In Heimen, die den Ruf hatten, dass es dort hart zugehe, gehörten körperliche Gewalt, Demütigung, Verhöhnung und kollektive Strafaktionen, die den Zusammenhalt der Kinder brechen sollten und rituelle Selbstbestrafungsaktionen beförderten, zur Normalität. Sexueller Missbrauch, oft verbunden mit sadistischem Lustgewinn, häufte sich in den fünfziger und sechziger Jahren.
Bei männlichen Erziehern sind Erfahrungen in einer Sondereinheit zu vermuten. Es wird von einem Erzieher in einem Bubenheim berichtet, der in schwarzen Stiefeln mit Reitgerte auftrat und die Zöglinge beim Duschen für angebliches Onanieren mit Schlägen auf den Penis bestrafte. Unter dem Titel "Hasenjagd“ soll er die Kinder im Park vor sich hergetrieben und ihre nackten Waden gepeitscht haben. In kirchlichen Heimen führte das Tabu der Sexualität zu grotesken bis grausamen Vorfällen. Nach Akten des Jugendamts durften Buben auf Anweisung der Schwester Oberin nur in Unterhose in die Badewanne steigen, weil sie sonst zur Onanie angestiftet werden könnten. Ebenfalls in einem kirchlichen Heim soll ein Mädchen von einer Schwester mit einem Besenstil penetriert worden sein.
Berichte von sexuellem Missbrauch in städtischen Heimen sind so häufig und in manchen Details so übereinstimmend, dass man sie ernst nehmen muss.
Es gab Kinder, die Stärke daraus bezogen, die Misshandlungen stoisch zu ertragen, keine Regung zu zeigen, keine Tränen. Andere flüchteten aus den Heimen, glitten in die Kleinkriminalität ab und kamen in immer "schärfere“ Anstalten.
Die Kommission, die Sieder leitet, hat nicht den Auftrag, Täterforschung zu betreiben, sondern den Leidensweg der Opfer zu dokumentieren. Dennoch erhebt sich die Frage, warum dies im Einflussbereich der Gemeinde Wien möglich war? "Wer immer davon wusste oder nichts wissen wollte - nach vorläufigem Wissensstand gibt es eine institutionelle Schuld. Das System hat keine Kontrolle organisiert“, sagt Sieder.
Anzeigen gegen ehemalige Erzieher wurden wegen Verjährung zurückgelegt.
1980 dreht der ORF Teile für den Film "PROBLEMKINDER"
Das Interview mit Direktorin Stellbogen ihrer Tochter Waltraud und dem
ehemaligen Zögling Andreas aus dem Film in schriftlicher Form:
Andreas:
In der
Frühe sind wir aufgestanden, man hat sich waschen gehen müssen in der
Einserreihe angestellt hat jeder rüber gehen dürfen (Waschraum). Dann haben
alle das Bett machen müssen und dann haben wir uns zum Frühstück gestellt also
zum Tisch setzen. Das waren so Blechhäferl da haben wir einen Kakao oder so
etwas bekommen und dann haben wir gefrühstückt.
Danach
mussten wir den Gruppenraum zusammenräumen und dann ging es in die Klassen.
Reporterfrage:
Habt ihr
mit einander reden dürfen?
Andreas:
Nein
durften wir nicht. Wenn sie uns erwischt haben wir entweder eine Schreibstrafe
bekommen oder eine Watsche bekommen.
Reporterfrage:
Wurde im
Heim öfters geschlagen?
Andreas:
Ja schon
öfters und das hat sich dann ausgezahlt, die Direktorin hat mit so einer Stange
hergeschlagen mit so einer Bambusstange, das ist schon arg, hinzuschlagen.
Reporterfrage:
Warum
glaubst du hat sie das gemacht?
Andreas:
Weil sie
geglaubt hat wir machen es nicht mehr, aber das glaube ich nicht das so etwas
hilft da werden wir noch schlimmer.
Interview
mit Direktorin Stellbogen und Tochter Waltraud
Stellbogen:
Wir sind
jetzt 50 Jahre da wir arbeiten im stillen für unsere Kinder wir haben Kinder in
schönen Berufen aber wir brauchen da gar kein wer weiss den ob das die
Gemeinde Wien will
Reporterfrage:
Wenn die Kinder
schlimm sind was bekommen sie dann für Strafen?
Waltraud:
Das hat
sie überhaupt nicht zu interessieren
Stellbogen:
Sehr
wenig Strafen da müssen sie höchstens ein bisschen lernen ausserdem sind sie ja
kein Pädagogisches Organ
Waltraud
spricht dazwischen:
Und
ausserdem möchte ich jetzt einen Ausweis sehen das ist einmal vorausetzung da
könnte ja jeder kommen.
Reporterfrage:
Stimmt es
das sie Kinder schlagen?
Stellbogen:
Das kommt
doch gar nicht in Frage das wir Kinder schlagen das kommt doch gar nicht in
Frage.
Artikel in der Nön
VON RENATE HINTERNDORFER
WIMMERSDORF / Mit einem Mahnmal wollen ehemalige Bewohner des Kinderheims in Wimmersdorf an ihr Leid erinnern: „Die Leute sollen nicht vergessen, was hier passiert ist.“
Prügel und Missbrauch aller Art seien auf der Tagesordnung gestanden, auch schwere Arbeit hätten die Kinder leisten müssen, so lauten die Vorwürfe.
1981 hat die Stadt Wien den Vertrag mit dem Heim aufgelöst, ehemalige Heimkinder gehen jetzt an die Öffentlichkeit. Nach einem Bericht in der ORF-Sendung „Am Schauplatz“ haben sich mehrere Betroffene bei der NÖN gemeldet. „Wir haben wegen jeder Kleinigkeit eine Watsche oder eine Kopfnuss bekommen. Der Frust ist an uns abgelassen worden. Es wurde Druck ausgeübt, verbal oder durch körperliche Gewalt“, schildert Horst Stangl. Drei Jahre war er im Heim in Wimmersdorf untergebracht: „Es waren alltägliche Torturen. Wenn man als Kind mit der Peitsche oder mit dem Kochlöffel traktiert wird, dann stumpft man ab. Aber Narben an der Seele bleiben.“ Sein ganzes Leben hätten ihn die Vorkormnisse im Kinderheim begleitet, sagt der heute 52-Jährige. Eine Familie habe er nicht gegründet, weil er keine Liebe zu jemandem aufbauen könne. Was Horst Stangl nicht versteht: „Niemand wurde zur Rechenschaft gezogen.“ Der Wiener überlegt jetzt, ob er um eine Entschädigung kämpft.
So wie Rudolf Prinesdomu. Der heute 48-Jährige war von 1973 bis 1978 im Heim in Wimmersdorf. Eine Wiedergutmachung für das Leid gäbe es nicht, sagt er: „Das war Kinderfolter. Aber wir können mit unserer Anklage nirgends hingehen. Heute sagt man, das ist verjährt.“ Viele hätten wegen ihrer Vergangenheit im Heim keine Lehrstelle, keine Arbeit, kein Geld bekommen: „Das ist alles zusammen eine Katastrophe. 700 Euro Strafe gibt es für einen Schlag ins Gesicht. Ich habe jeden Tag einen Schlag ins Gesicht bekommen. Ich habe fünf Euro Entschädigung pro Tag vom Weißen Ring bekommen.“ Hass habe er keinen: „Es ist passiert. Aber ich möchte eine ordentliche finanzielle Wiedergutmachtung.“
Genau mit solchen Forderungen hat der Asperhofener Bürgermeister Josef Ecker ein Problem: „Dass sich manche Leute eine Opferpension erpressen wollen, finde ich nicht okay. Wenn jeder, der mit Gewalt in Verbindung gekommen ist, eine Opferpension will, dann ist der Staat pleite. Und da wären ja alle Österreicher, die ein Leben lang gearbeitet haben, dumm.“ Drei ehemalige Heimbewohner waren beim Bürgermeister und wollten Auskünfte über die Kindereinrichtung von ihm: „Die konnte ich ihnen nicht geben. Da ist nicht die Gemeinde Asperhofen zuständig, da ist die Stadt Wien zuständig.“ Die Kinder seien arm gewesen, wenn sie kein intaktes Elternhaus gehabt hätten, so Ecker: „Da gibt es aber auch eine Eigenverantwortlichkeit der leiblichen Eltern. Man kann nicht alles auf den Staat abschieben und nach 50 Jahren kommt man drauf, dass da etwas schief gelaufen ist.“
Zur Frage nach Entschädigungen erklärt Mag. Florian Weis, Mediensprecher der Stadt Wien, dass sich alle Opfer an den Weissen Ring wenden können: „Der Weisse Ring wurde von der Stadt Wien beauftragt, Entschädigungen für Opfer der Wiener Jugendwohlfahrt abzuwickeln. Insgesamt haben sich bis jetzt 1.252 Opfer der Wiener Jugendwohlfahrt gemeldet. 858 Fälle wurden behandelt. Von den behandelten Fällen wurde bis jetzt insgesamt 623 Opfern finanzielle Entschädigung bewilligt, und 414 Opfern zusätzlich auch Psychotherapie zugesprochen. Davon waren 37 Fälle aus dem Heim Wimmersdorf .“
Bis 1981 war das Heim in Betrieb, jetzt ist das Gebäude in Privatbesitz.ZVG/PINTARELLI
4 Kommentare
die-borg (1)
28.08.2012 17:18
interesante ansichten des bgm
interesante rechtsaufassung
meines wissens hat keiner eine opferpension verlangt oder und ich muss es ja wissen ich war bei dem gespräch mit dem bgm dabei
weiters war der betribsstandort des kdh in wimmersdorf nö das bedeutet für mich für die einhaltung und die überwachung der einrichtung niederöstereich zufällt durch ihr verwandschaftsverhältnis haben sie vieleicht vergessen das sie dem volk verantwortlich sind aber das wir ja bei der nächsten wahl sicher schon über ihre machenschaften invormiert sein
PeterRuzsicska (2)
28.08.2012 13:02
Sehr geehrter Herr BGM Ecker!, noch ein kleiner Nachtrag zum Tage:
Ihre Worte:
"Wenn jeder, der mit Gewalt in Verbindung gekommen ist, eine Opferpension will, dann ist der Staat pleite."
Bin hundertprozentig Ihrer Meinung, jedoch ergänze ich höflichst:
Dann hören Sie selbst und Ihre Klientel, sehr geehrter Herr BGM Ecker, endlich auf damit die politischen Voraussetzungen herzustellen um unaufhaltsam Opfer und Täter in alle Ewigikeit weiter zu produzieren.
Schön langsam sollte der braune Dreck echt und wirklich Geschichte sein, derzeit ist aber leider in unserem land von Mozart, Strauß und Spritzweinbeissern noch nichts dergleichen verdaut...
Hofknicks:
Ruzsicska
Ruzsicska
PeterRuzsicska (2)
28.08.2012 12:44
Sehr geehrter Herr Sozialminister Hundsdorfer, Sehr geehrter BGM Ecker:
So schaut´s aus:
Wir befinden uns derzeit nicht in Sparzeiten, sondern in Zeiten
der Generalenteignung durch systematische Massenverarmung,
welche Sie genau durch Ihre Politik (mit)verantworten, Herr Sozial - Minister Hundsdorfer.
Frage, wem oder was gegenüber schulden Sie Verantwortung, Herr Sozialminister Hundsdorfer, Herr BGM Ecker?
Kein Cent der ESM-Zahlungen kommt z. B. beim griechischen
Normalbürger an, jene hungern und leiden nach wie vor.
Die ESM-Zahlungen kommen ausschließlich den Banken und
deren Nutzniessenden zu Gute und verarmen unsere eigene
Bevölkerung unterm Strich gänzlich. - Das ist und hat System.
Zeit, daß Sie
- sehr geehrter Herr Minister Hundsdorfer, sehr geehrter Herr BGM Ecker-
aus der Politik austreten und in´s Häfen eintreten.
Die Menschen hier zu Land werden´s Euch danken!
Sehr geehrter Herr BGM Ecker! - Noch ein winziges Detail am Rande:
Irgendwie seltsam, daß es über die Freiwilligen Feuerwehren seit mehr als hundert Jahren in Ihrer Gemeinde zahlreichst und sorgsamst aufbewahrte Dokumente gibt - Wie hübsch!.
Über das "Pensionat" Wimmersdorf, wie Frau Dir. Margarete das Kinderheim Wimmersdorf beschönigend bezeichnete, existiert offenbar nicht einmal eine Faser Amtspapier. Was haben Sie noch alles zu verbergen, wenn Sie wärend Ihrer Amtspflicht das Parteiengehör und die Dokumenteneinsicht verweigern?
Macht echt keinen guten Eindruck, wenn Sie in der Situation der Beweismittelsicherung vom AVG-Recht der Verweigerung der Akteneinsicht betont vorschriftsmäßig und besonders heftig Gebrauch machen...
Herr BGM Ecker, Sie haben sich nicht nur uns gegenüber bez. Ihrer
Moral- und Rechtsauffassung schon sehr klar deklariert -
Wie gesagt, ziehen Sie endlich Ihre zeitgemäßen Konsequenzen...
Übrigens:
Es gilt die Unschuldsvermutung und es besteht Verdacht.
copyreight nön
Vor 2 Jahren
habe ich Strafanzeige gegen die beteiligten Personen gestellt leider wurden
alle Anzeigen von der Staatsanwaltschaft eingestellt.
Nach meinem
Rechtsempfinden zu Unrecht da die Verjährung bei Folter nicht zur Anwendung
kommen darf des Weiteren wurde mir von der Polizei und von der Ma 11mitgeteilt
das keine Straftat seitens des Kinderheimes Wimmersdorf vorliegt durch diese
Falsch Information wurde mir das Recht genommen 1980-83 zu Klagen mir wurde
erst vor 2 Jahren bewusst das die Straftaten die an mir begangen wurden doch
klagbar gewesen wären.
Aus diesem
Grund kann die Verjährung auch nicht greifen da ich der Straftaten nicht kundig
war. Auch
ist die Staatsanwaltschaft nicht von Folter ausgegangen wie angezeigt sondern
nur das quälen von Unmündigen
Auch wurden
die Ermittlungen durch das Landeskriminalamt Niederösterreich schlampig geführt
da einige Beteiligte nicht ausgeforscht werden konnten. In diesem Zusammenhang
stellt sich mir die Frage ob die Staatsanwaltschaft überhaupt an einer Klärung
interessiert ist.
Da ich jetzt
den Rechtsweg in Österreich ausgeschöpft habe werde ich in letzter Konsequenz
den europäischen Gerichtshof einschalten.
Der
erste Missbrauch
Das erste mal im Heim da konnte man sich nicht
wehren wurde geschlagen getreten und gefoltert Wenn man jemanden etwas
erzählte“ geh so schlimm wird’s Ned sein „danach zieht man sich in seinen Seele
zurück die Traurigkeit steigt in einem hoch und die Verzweiflung.
Der zweite Missbrauch
Man wird aus der Obhut de Kinderheims entlassen
man versucht in der Gesellschaft Fuß zu fassen es gelingt einem nicht immer
aber immer wieder wird einem vor Augen gehalten das man aus einem Heim kommt
und sowieso ein Versager sei aus der Verzweiflung wird unbändige Wut.
Der dritte Missbrauch
Man erzählt seine Geschichte vor der Kommission
in der Presse und in anderen Medien es wird versucht das das geschehene aufzuarbeiten
man bemüht Anwälte und Gerichte denen ist es egal es ist ja alles verjährt
Politiker reden es noch schön oder reagieren gar nicht halten einen hin
Heucheln Mitleid und Verständnis das ist der letzte Missbrauch keine Kindheit
keine Jugend Kein Erwachsenleben und dann im Alter wird einem das letzte
Fünkchen Würde genommen und aus Traurigkeit, Verzweiflung ,Wut wird
Enttäuschung ,Depression ,und Resignation.
Ist das die Vorstellung von Recht in diesem
Land. Meine Peiniger leben noch leben in schicken Villen Lachen über ihre Opfer
sagen in Interview die Kinder waren alles Verbrecher oder das sie Lügen. Eine
arbeitet heute noch als Schuldirektorin in einer öffentlichen Schule. Der
andere ist Leiter eines Museums und hat noch einen Orden Umgehängt bekommen
.und der Bürgermeister sagt er habe alles seit 40 Jahren gewusst
So sieht die Aufarbeitung in diesem Land aus
Wenn man jemanden etwas erzählte“ geh so schlimm wird’s Ned sein „danach zieht
man sich in seinen Seele zurück die Traurigkeit steigt in einem hoch und die
Verzweiflung.
Der zweite Missbrauch
Man wird aus der Obhut des Kinderheims entlassen man versucht in der Gesellschaft Fuß zu fassen es gelingt einem nicht immer aber immer wieder wird einem vor Augen gehalten das man aus einem Heim kommt und sowieso ein Versager sei aus der Verzweiflung wird unbändige Wut.
Der dritte Missbrauch
Man erzählt seine Geschichte vor der Kommission in der Presse und in anderen Medien es wird versucht das das geschehene aufzuarbeiten man bemüht Anwälte und Gerichte denen ist es egal es ist ja alles verjährt Politiker reden es noch schön oder reagieren gar nicht halten einen hin Heucheln Mitleid und Verständnis das ist der letzte Missbrauch keine Kindheit keine Jugend Kein Erwachsenleben und dann im Alter wird einem das letzte Fünkchen Würde genommen und aus Traurigkeit, Verzweiflung ,Wut wird Enttäuschung ,Depression ,und Resignation.
Ist das die Vorstellung von Recht in diesem Land. Meine Peiniger leben noch leben in schicken Villen Lachen über ihre Opfer sagen in Interview die Kinder waren alles Verbrecher oder das sie Lügen. Eine arbeitet heute noch als Schuldirektorin in einer öffentlichen Schule. Der andere ist Leiter eines Museums und hat noch einen Orden Umgehängt bekommen .und der Bürgermeister sagt er habe alles seit 40 Jahren gewusst
So sieht die Aufarbeitung in diesem Land aus.
Der zweite Missbrauch
Man wird aus der Obhut des Kinderheims entlassen man versucht in der Gesellschaft Fuß zu fassen es gelingt einem nicht immer aber immer wieder wird einem vor Augen gehalten das man aus einem Heim kommt und sowieso ein Versager sei aus der Verzweiflung wird unbändige Wut.
Der dritte Missbrauch
Man erzählt seine Geschichte vor der Kommission in der Presse und in anderen Medien es wird versucht das das geschehene aufzuarbeiten man bemüht Anwälte und Gerichte denen ist es egal es ist ja alles verjährt Politiker reden es noch schön oder reagieren gar nicht halten einen hin Heucheln Mitleid und Verständnis das ist der letzte Missbrauch keine Kindheit keine Jugend Kein Erwachsenleben und dann im Alter wird einem das letzte Fünkchen Würde genommen und aus Traurigkeit, Verzweiflung ,Wut wird Enttäuschung ,Depression ,und Resignation.
Ist das die Vorstellung von Recht in diesem Land. Meine Peiniger leben noch leben in schicken Villen Lachen über ihre Opfer sagen in Interview die Kinder waren alles Verbrecher oder das sie Lügen. Eine arbeitet heute noch als Schuldirektorin in einer öffentlichen Schule. Der andere ist Leiter eines Museums und hat noch einen Orden Umgehängt bekommen .und der Bürgermeister sagt er habe alles seit 40 Jahren gewusst
So sieht die Aufarbeitung in diesem Land aus.
Noch
eine interessante Begebenheit
Vor einigen
Jahren hatte ich eine interessante Begegnung mit dem Polizei Kommissariat Wien 10 Inspektor Berger bei uns hat es ein paarmal
gebrannt es war Brandstiftung ich hatte damals einen Verdacht den ich dem
Polizisten mitteilte als Zeuge auf einmal wendete sich das Blatt und ich wurde
zum Täter abgestempelt mit der Begründung“ du bist jo a Heimkind du muast es
gewesen sein“ Originalzitat Berger. Die frage die sich mir stellt woher wusste
er das wenn die Ma 11 angeblich keinen Akten von mir hat? Im Übrigen war der
Täter der von mir Verdächtigte. Als ich mir den Vormundschaftsakt abholte fand
ich heraus das es eine Akten-anfrage zum Fraglichen Zeitpunkt gab leider konnte ich
nicht herausfinden wer diese getätigt hat. Auch ist anzumerken das Herr Hebar
von dieser Sache Bescheid weiß zu diesem Sachverhalt habe ich Aufklärung durch die
Polizei verlangt leider ergebnislos.
Heinz Hebar
Heinz Hebar
Antwort für Herrn Heinz Hebar!
1.
Der Text wurde Korrektur gelesen von einer
ausgebildeten Lektorin.
2.
Nicht fast alles was ich über Frau Mimi schreibe
stimmt sondern alles.
3.
Ich bezeichne ihre Frau nicht als ekelhaft ihre
Frau ist eine perverse Sadistin.
4.
Ihr Unverständnis zu meiner Beziehung
Unfähigkeit liegt in ihrem mangelndem Verständnis der Traumata die ich durch
ihre Familie und ins besonders ihrer Frau
erleiden musste.
5.
Ich verbiete mir das sie mir Ratschläge erteilen
machen sie selbst Ordnung in ihrem Haus und ersparen sie mir ihre verlogenen Weisheiten.
6.
Auf die Frage warum ich nicht mehr Lkw fahren
kann einfache Antwort mein Gesundheitszustand Auslöser Kinderheim Wimmersdorf
(schlechte Ernährung verseuchtes Wasser und zu letzte die Gewalt, Folter und Sexueller
Misbrauch die mir widerfahren ist )
7.
Diese Frage beantwortet sich von selbst
Wimmersdorf.
8.
Fall 1 Niemand hat es verdient so unmenschlich
behandelt zu werden wie in Wimmersdorf.
9.
Fall 2 Niemand hat es verdient so unmenschlich
behandelt zu werden wie in Wimmersdorf.
10.
Fall 3 Niemand hat es verdient so unmenschlich
behandelt zu werden wie in Wimmersdorf.
11.
Was bei mir anders gelaufen ist, ich weiß nicht wer
diese 3 Personen sind und ob sie auch systematisch gefoltert und von ihrer Frau
sexuell missbraucht wurden.
12.
Ich finde
es auch interessant das sie die Zeugen als Kriminell bezeichnen ( Auslöser für die
Tat war die Erziehung im Kinderheim Wimmersdorf ) Auszug aus einem Forensischen
Gerichtsgutachten.
13.
Ihr Rechtsvertreter kann sich gerne bei mir
melden.
14.
Der Gesundheitszustand ihrer Frau möge sich bessern
das endlich das Strafverfahren gegen sie nach 32 Jahren endlich zum Abschluss
kommt.
15.
Den Blog http://kindervernichtungsheim-wimmersdorf.blogspot.co.at/
hat es bei unseren Dreharbeiten in Wimmersdorf schon gegeben.
16.
Da sie keinen Briefwechsel oder ein Persönliches
treffen ablehnen werde ich es Öffentlich auf meinen Blog stellen
17.
Ich verleumde ihre Frau keineswegs es entspricht
alles den Tatsachen.
18. Ich verbiete mir das sie mich als Lügner bezeichnen sie kennen die Wahrheit auch dafür gibt es Zeugen
18. Ich verbiete mir das sie mich als Lügner bezeichnen sie kennen die Wahrheit auch dafür gibt es Zeugen
Letztes
Update am 13.10.2013, 08:00
Phantom-Kinderheim im
Schatten der Nazis Ehemaligen Erzieherinnen werden Prügel und sexueller
Missbrauch vorgeworfen: Alltag im Kinderheim Wimmersdorf.
Zweierreihe,
Hand an der Hosennaht, Stillstehen, Schweigen. „Oft sind wir stundenlang so
gestanden, und die Erzieherin hat daneben gestrickt“, erinnert sich ein ehemaliger
Zögling des Kinderheimes Wimmersdorf. Egal ob draußen, am Fußballplatz oder im
Heim. Wenn am Sonntag der Gang zur Kirche angeordnet war, marschierten die
knapp 100 Burschen auch in Zweierreihe, den Zeigefinger vor den Lippen.
Disziplin und Schweigen.
Wimmersdorf
ist das Phantom unter den österreichischen Kinderheimen. Es war für Tausende
Buben ein Ort des Schreckens. Weder vor noch nach dem Zweiten Weltkrieg ist es
in offiziellen Aufzeichnungen über Kinderheime vorhanden. Auch in Unterlagen,
die am Wiener Jugendamt (MA11) aufliegen, scheint es nicht auf. „Wimmersdorf
war aber ein Vertragsheim der Stadt Wien“, erklärt MA11-Jurist Josef Hiebl.
1924 von der deutschen Einwandererfamilie Stellbogen als Erholungsheim
gegründet, erhielt es eine Konzession, Kinder bis zu vier Wochen zu
beherbergen. Erst in den 1960er-Jahren erhielt es vom Land Niederösterreich die
Kinderheim-Bewilligung. Doch schon zuvor waren Kinder oft Jahre in dem Heim
untergebracht, das bei Neulengbach an der Grenze Wienerwald/Tullnerfeld liegt.
Ehemalige
Zöglinge haben in Eigenregie Akten und Informationen zusammengetragen und
soeben den „ersten unabhängig-privaten kommissionellen Zwischenbericht
Kinderheim Wimmersdorf“ vorgelegt. Sie brachten dabei einiges über die
Nazi-Vergangenheit der Heimleiter, verseuchtes Trinkwasser und Mängel an
Hauptschullehrern ans Tageslicht (siehe Zusatzberichte).
Strafprozess
Brisant
ist zudem, dass ein im Jahr 1982 ins Rollen gekommener Strafprozess gegen die
ehemalige Erzieherin Gertrude Z. (Name von der Redaktion geändert) nun wieder
aufgenommen wird. Sie war in den 1980er-Jahren von einem Arzt aus
gesundheitlichen Gründen (Asthma) für verhandlungsunfähig erklärt worden.
Morgen, Montag, hätte sich die Frau nun erstmals vor Gericht verantworten
sollen. Sie ist des Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder
wehrloser Personen angeklagt. Doch der Prozess wurde vertagt – wieder aus
gesundheitlichen Gründen. Nun wurde vom Landesgericht St. Pölten ein neues
Gutachten über den Gesundheitszustand von Gertrude Z. in Auftrag gegeben.
Die Frau
soll bis zur Schließung des Heimes Kinder geprügelt und misshandelt haben. In
dem Strafprozess wird vermutlich auch sexueller Missbrauch ein Thema sein.
Mehrere ehemalige Heimkinder berichteten dem KURIER, Opfer oder Zeugen
sexuellen Missbrauchs durch Gertrude Z. geworden zu sein. Ihr Ehemann Franz Z.
(Name von der Redaktion geändert), der selbst als Erzieher im Heim Wimmersdorf
tätig war, weist in seinem Interview auf kurier.at sämtliche Vorwürfe zurück:
„Irgendwelche Straftaten an Kindern sind nicht verübt worden. Weder sexuell
noch gewalttätig.“
Zudem
haben ehemalige Zöglinge aus Wimmersdorf weitere Erzieherinnen aufgespürt, die
ebenfalls für ihre brutalen Erziehungsmethoden bekannt gewesen sein sollen.
Ihre Namen wurden mittlerweile der Staatsanwaltschaft St. Pölten übermittelt.
Wie am Spiegelgrund
Der
ehemalige Zögling Franz Pulkert verbrachte das letzte Kriegsjahr als
Sechsjähriger im berüchtigten Nazi-Kinderheim am Wiener Spiegelgrund, ehe er
1945 für sieben Jahre nach Wimmersdorf kam. In einem Interview auf der Seite www.gedenkstaettesteinhof.at berichtet Pulkert:
„Und wie gesagt, man hat immer gesagt, ja der Spiegelgrund, aber das ist
eigentlich weitergegangen, also man ist nach Wimmersdorf gekommen, die
Behandlung, das Schlagen, Treten und so weiter, das ist dort genauso gewesen.
Bestimmte Erzieherinnen haben das überhaupt übertrieben, also da ist mit
Handbesen …, mit allem was die erwischt haben, haben sie einen praktisch
traktiert.“
Und
Pulkert erinnert sich an militärischen Drill: „Und alles hat halt seine Ordnung
haben müssen, Bettenbau, militärisch, ich habe eh gesagt, das Kinderheim war
für mich militärischer als das Bundesheer. Wir sind ja immer marschiert und
alles nach der Pfeife – ein Pfiff Gehen, zwei Pfiffe Stehenbleiben, also so ist
das abgelaufen.“
„Hätte geschlossen gehört“
Die
Sozialwissenschaftlerin Irmtraut Karlsson wies in ihrer 1975 veröffentlichten
Wiener Heimstudie unter anderem auf die Missstände in Wimmersdorf hin. „Dieses
Heim, hätte, wie etwa der Wilhelminenberg oder die Hohe Warte, bereits damals
geschlossen gehört“, sagt sie heute. Doch die Schließung erfolgte erst im Jahr
1981, weil die Stadt Wien – endlich – keine Kinder mehr nach Wimmersdorf
schickte.

Parteisoldaten
Kinderheim-Leiter war in NS-Zeit Bürgermeister
Bereits
1938, kurz nach dem deutschen Einmarsch in Österreich, trat Alfred Stellbogen
der NSDAP bei. Er war der Leiter und Hälfte-Eigentümer des Kinderheimes
Wimmersdorf. Stellbogen übte auch eine politische Funktion aus: Von 1938 bis
1945 war er Bürgermeister der Ortschaft Johannesberg, der der Weiher
Wimmersdorf damals angegliedert war. Sein Schwiegersohn (selbst ehemaliger
Heimerzieher) verteidigt ihn mit den Worten, der Schwiegervater habe durch den
Posten nur der Wehrmacht entgehen wollen.
Alfred
war aber keineswegs das einzige Familienmitglied, das sich den Nazis anschloss.
Seine Frau Margarete – sie brauchte sich ja nicht vor der Wehrmacht drücken –
leistete dem Führer den Diensteid und wurde 1940 Parteimitglied. Später, nach
dem Zweiten Weltkrieg, leitete sie das Heim bis zur Schließung im Jahr 1981.
Auch
Alfreds Bruder, Fritz Ferdinand Stellbogen, hatte sich bei den
Nationalsozialisten verdingt. Er war Mitglied der Partei, der SS und Zellenleiter
der Ortsgruppe Lainzer Tiergarten. Fritz Ferdinand wurde nach dem Krieg vom
Volksgericht angeklagt und verurteilt. In zwei Tranchen verkaufte er seinen
Hälfte-Anteil am Heim an seine Schwägerin. Das Ehepaar Alfred und Margarete
Stellbogen erhielt nach dem Krieg zeitweiliges Berufsverbot, bereits 1947 wurde
ihnen aber politische Unbedenklichkeit bescheinigt.
Bakterien
„Unser Trinkwasser war verseucht“
Zwei
Brunnen – einer im Garten, einer im Haus – sollten die rund 100 Burschen des
Heimes Wimmersdorf mit Trink- und Brauchwasser versorgen. Wie den ehemaligen
Zöglingen erst jetzt, nach dem Durchforsten der Akten der
niederösterreichischen Landesregierung, bewusst wurde, war das Wasser über
Jahre hinweg mit Keimen und Nitrat verseucht. So stellte das Amt der nö.
Landesregierung im Jahr 1977 fest, dass das Brunnenwasser „als Trinkwasser
nicht geeignet“ war. Schon Jahre zuvor wurde das Wasser amtlich bemängelt.
Anderes Wasser gab es im Heim jedoch nicht. Für den Tee oder die
Zitronenlimonade sei es abgekocht worden, erinnern sich Zöglinge. Aber da die
Heimleitung auch bei den Getränken stets gespart habe („Angst vor Bettnässen“,
so ein Zögling), haben sich die Buben stets an der Wasserleitung gelabt. Mit
jenem Wasser, dass mit Kolibakterien und Nitrat verseucht war. „Wie kann die
Stadt Wien Kinder in ein Heim stecken, das nicht einmal sauberes Trinkwasser
hat?“, ärgert sich ein ehemaliges Heimkind.
Personalakten
Hauptschule fast ohne Hauptschullehrer
Zumindest
vier Lehrer, die in den 1970er-Jahren in der hausinternen Hauptschule im
Kinderheim Wimmersdorf unterrichtet haben, dürften lediglich eine Zulassung als
Volksschullehrer besessen haben. Das geht aus Personalakten hervor. „Einer von
ihnen, Otto R., war jahrelang mein Klassenvorstand“, erinnert sich ein
ehemaliger Zögling. „Einige von ihnen haben uns in fünf Fächern unterrichtet“,
sagt das ehemalige Heimkind Helmut Nigg. Auch die Heimleiterin Margarete
Stellbogen, habe als Volksschullehrerin bis zur Schließung des Heimes zeitweise
in den Hauptschulklassen unterrichtet.
In einer
Stellungnahme des Wiener Stadtschulrates heißt es, dass „gemäß der damaligen
Rechtsgrundlage sämtliche Lehrer mit einer Lehramtsausbildung sehr wohl
berechtigt und befähigt waren, den Unterricht in der Hauptschule zu leisten.“
Die sei rechtskonform gewesen. Heute sei dies jedoch nicht mehr die Regel – so
sollen derzeit nur 20 von rund 3300 Lehrern an Hauptschulen ausgebildete
Volksschullehrer sein.
Finanzen
Wo ist das ganze Geld versickert?
Wie aus
Akten der niederösterreichischen Landesregierung, die dem KURIER vorliegen,
hervorgeht, hat die Stadt Wien in den 1970er-Jahren für jeden Buben, der im
Heim Wimmersdorf untergebracht war, 170 Schilling Taggeld an die Heimleitung
bezahlt. Bei knapp 100 vom Wiener Jugendamt ins Heim geschickten Kindern macht
das pro Monat eine erkleckliche Summe aus. Dazu kamen 510 Schilling für die
Einkleidung der Buben. Wenn man den Schilderungen ehemaliger Zöglinge Glauben
schenkt, ist ein Großteil des Geldes nicht ihnen zugutegekommen. Bei der
Einkleidung habe es meist alte, zu große (oder zu kleine), zerschlissene
Kleidung gegeben. „Die Unterhosen waren alt und angeschissen“, erinnert sich
ein Ex-Zögling. Auch das Essen im Heim sei alles andere als vorzüglich gewesen.
Im Gegensatz dazu sagt ein ehemaliger Erzieher, dass die Heimleiterin sogar
privates Geld in die Einkleidung der Burschen gesteckt habe. Ein ehemaliger
Zögling erinnert sich aber an „stapelweise Geldscheine“ im Büro der Direktorin.
Interview
"Irgendwelche Straftaten sind nicht verübt
worden"
Ein
ehemaliger Erzieher des Kinderheimes Wimmersdorf will von sexuellen Übergriffen
im Heim nichts wissen. In anderen Heimen hingegen kann er sich "das schon
vorstellen".
Nach
schwerwiegenden Vorwürfen von ehemaligen Heimkindern, die das Kinderheim
Wimmersdorf, Niederösterreich, betreffen, erklärte sich ein ehemaliger Erzieher
bereit, dazu Stellung zu nehmen. Er hat sich ausbedungen, anonym zu bleiben,
weshalb sein Name von der Redaktion auf Franz Z. geändert wurde. Dieser Franz
Z. war nach eigenen Angaben von 1967 bis 1969 Erzieher in Wimmersdorf. Seine
Frau war ebenfalls als Erzieherin in dem Heim.
Das
nachstehende Interview ist die von Franz Z. autorisierte Fassung und hat in
manchen Passagen mit dem eigentlich geführten Gespräch kaum noch etwas zu tun.
Wir wollen den geschätzten Leserinnen und Lesern dennoch die Möglichkeit geben,
seine Ausführungen zu lesen, weil sie doch Einblicke in den Heimalltag
gewähren.
Franz Z.s
Frau wird von ehemaligen Heimkindern vorgeworfen, die Buben in den
1970er-Jahren sexuell missbraucht zu haben. Im ursprünglichen Interview hat
Franz Z. auf diese Anschuldigungen geantwortet, zog diese Antwort jedoch
nachträglich zurück. In seiner autorisierten Fassung nimmt er aber allgemein
zum Thema Gewalt und Missbrauch Stellung: „Irgendwelche Straftaten an Kindern sind
nicht verübt worden. Weder sexuell noch gewalttätig.“
Im
Übrigen greift Franz Z. auch den ORF an, der im Jahr 2012 in der Sendereihe „Am
Schauplatz“ zwei Reportagen über das Kinderheim Wimmersdorf gebracht hat. Die
Stellungnahmen von ORF-Redakteurin Christine Grabner finden sie im unteren
Abschnitt.
KURIER:
Herr Z., Sie waren Erzieher im Kinderheim Wimmersdorf?
Franz Z.: Ich war 1963 beim Jugendamt
Amtsvormund und wollte Erzieher werden, weil ich diesen Beruf sehr positiv
gesehen habe und zwar aus eigener Erfahrung. Als elfjähriger, körperlich
schwacher Bub habe ich einen Sommermonat in einem Ferienlager verbringen
müssen. Das war ein Schock für mich, ich bin fast umgekommen vor Heimweh. Nach
einer für mich furchtbaren Woche ist ein Erzieher auf mich aufmerksam geworden,
hat mich beschützt und sich überhaupt um mich angenommen. Das war prägend für
mich.
Jetzt
wird über diese Berufsgruppe nur negativ berichtet, und ich bin dem KURIER
dankbar für die Möglichkeit zu einer unzensurierten Stellungnahme. Im Gegensatz
dazu hat der ORF zwei vernichtende Sendungen über das Heim gebracht, und die
verantwortliche Redakteurin hat mir ein Interview verweigert. Das habe ich
mehrmals vehement und schriftlich verlangt, es hat alles nichts genützt. Auch
vorgelegte Unterlagen wurden von ihr nicht berücksichtigt. Durch die Einhaltung
der Meinungsvielfalt können sich KURIER-Leser eine eigene Meinung bilden. Den
ORF-Sehern wurde hingegen die Meinung der Redakteurin vorgesetzt, getarnt als
objektive Reportage.
Welche
Ausbildung hatten Sie?
Ich hatte
die Matura. Für die Erzieher-Ausbildung habe ich mich sehr interessiert. Ich
musste jedoch erkennen, unter welchen weltfremden Bedingungen die stattgefunden
hätte. Alles war auf die Führung von Gruppen von Jugendlichen aufgebaut. Es wurde
von mir verlangt, ich solle ein Instrument lernen, zumindest Flöte, und mich
auch mit Laubsägearbeiten befassen. Das war aber wirklich nicht notwendig. Die
Kinder, die ins Heim gekommen sind, waren ja komplett verunsichert. Die haben
einen Ansprechpartner gebraucht, um mit ihm zu reden, und keinen Flötenspieler.
Das Herausreißen aus dem häuslichen Milieu und die Überstellung in ein Heim
haben sie sehr beschäftigt. Sie waren verwirrt und einsam. Das musste alles
verarbeitet werden. Die wichtigen Einzelgespräche fanden sehr selten statt.
Wegen meiner Arbeitsüberlastung, denn ich führte eine Gruppe mit 25 Zöglingen.
Die
Kinder und Jugendlichen haben ständig Kontakt gesucht, ich hatte aber dafür zu
wenig Zeit, und sie haben sich enttäuscht zurückgezogen. Das Flötenspielen, das
Vogelhäuschenbauen oder Volksliedersingen hat sie wenig interessiert. Damals
haben sie die Rolling Stones begeistert. Das Individuelle konnte wegen
Personalmangel nicht gefördert werden. Die Kinder waren wirklich arm.
Das war
auch in Wimmersdorf so?
In
Wimmersdorf war es nicht anders. Der finanzielle Druck war ja so stark. Die
Gemeinde Wien hat so wenig gezahlt. Aber nicht aus Willkür, sondern weil dem
Jugendamt einfach keine finanziellen Mittel zur Verfügung standen. Die
Öffentlichkeit hat auch damals, im Gegensatz zu heute, kein Verständnis für
Heimkinder gehabt. Man muss bedenken, dass es in den Wiener Krankenanstalten
schmutzige, abgewohnte Krankensäle mit 30 Betten gegeben hat. Dort wurden
sogar, heute undenkbar, medizinische Eingriffe vorgenommen. Jetzt gibt es eine
Beschwerdestelle für Patienten, und so eine Stelle sollte auch für Jugendliche
eingerichtet werden.
Um auf
Ihre Frage zurück zu kommen: Den Zöglingen in den städtischen Heimen ist es ja
noch schlechter gegangen. Die Heimzöglinge von der Hohen Warte waren miserabel
gekleidet. In Wimmersdorf hat die Frau Direktor ihre Pension nicht für sich,
sondern für die anvertrauten Zöglinge verwendet und hat dadurch eine
individuelle Kleidung ermöglicht.
Wie lange
waren Sie als Erzieher im Heim?
Ich war
rund zwei Jahre von 1967 bis 1969 in Wimmersdorf Erzieher. Dann bin ich in die
Privatwirtschaft gegangen, habe aber weiterhin im Heim gewohnt, war in das
Heimgeschehen integriert und habe auch regelmäßig Ausflüge mit Heimkindern
unternommen. Dabei habe ich immer meinen Sohn mitgenommen, der sich in die
Reihe der Zöglinge einreihte und mit den Zöglingen auch das beste Verhältnis
hatte.
Bei
meiner Tätigkeit in der Privatwirtschaft habe ich bei geringerer Anstrengung
mehr verdient und habe auch mehr Freizeit gehabt. Da habe ich richtig erkannt,
wie anstrengend der Job eines Erziehers ist. Deshalb findet man auch keine
Leute dafür. In einer solchen Situation kommt es zwangsläufig zu negativen
Auslesen. Deshalb kann man aber nicht eine ganze Berufsgruppe pauschal
diffamieren.
Einmal
war ich in der Hohen Warte bei einem psychologischen Vortrag mit Arbeitskreis.
Dabei haben sich die Teilnehmer vorgestellt, alles Erzieher und Erzieherinnen.
Ich war der einzige, der selbst ein Kind hatte. Alle anderen waren kinderlos
und ohne partnerschaftliche Beziehung. Das waren lauter Einzelpersonen. Ich
habe mir damals gedacht, dass dies dem Dienstgeber auffallen müsste. Jetzt, wo
aufgedeckt wurde, dass es in manchen Heimen zu sexuellen Übergriffen gekommen
ist, kann ich mir das vorstellen.
Gab es
auch in Wimmersdorf sexuelle Übergriffe?
Nein, in
Wimmersdorf nicht. Das kann ich dezidiert ausschließen. Und zwar deshalb, weil
dies hätte nicht geheim gehalten werden können. Die Kinder haben scharf
beobachtet. Es wäre schon aus Sensationslust zur Aufdeckung gekommen. So
eingeschüchtert wie in anderen Heimen waren unsere Kinder nicht. Irgendwelche
Straftaten an Kindern sind nicht verübt worden. Weder sexuell noch gewalttätig.
Sexuelle
Übergriffe zwischen den Burschen?
Höchstens,
wie es auf allen Schulskikursen vorkommt. Sexuelle Handlungen gab es sicher,
wie es wohl auch bei Pfadfindertreffen vorkommt. Wenn ich an das Ferienlager
als Kind denke und an meine Skikurse als Schüler, so kann ich mich erinnern,
dass es bei jeder dieser Veranstaltungen immer Mitschüler gegeben hat, die in
dieser Richtung etwas unternommen haben, die waren aber in der Minderheit.
Mir wurde
erzählt, dass Heimkinder Ihr Auto waschen mussten. Und dass die Kinder das
Schwimmbad mit einer ätzenden Flüssigkeit reinigen mussten, wobei einige in
Ohnmacht gefallen seien.
Niemand
ist bei uns in Ohnmacht gefallen! Aber zuerst zum Autowaschen:
Ja, zwei,
drei Mal, haben Kinder mein Auto gewaschen, aber die haben sich direkt darum
gerissen, weil sie dadurch von der Gruppe weggekommen sind. Das Leben in der
Gruppe war so unattraktiv. Aber da kann man niemand verantwortlich machen, das
ging organisatorisch nicht anders. Mein PKW war übrigens immer im Bereich des
Kinderheims geparkt. In all den Jahren ist es nicht zu einer einzigen
mutwilligen Beschädigung gekommen. Regelmäßig haben Kinder für meine Frau und
mich Kaffee zubereitet. Die Kaffeemaschine stand in unserer Wohnung. Das
jeweilige Kind war bei dieser Arbeit unbeaufsichtigt. Dann wurde der fertige
Kaffee gebracht, und das war mit längeren Wegen durch Gänge verbunden. Die
Situation war auch hier so entspannt, dass wir nie daran gedacht hätten, dass
uns eines der Kinder in den Kaffee spuckt. In anderen Heimen wie Wilhelminenberg,
Hohe Warte oder Biedermannsdorf wäre das undenkbar gewesen.
Zu der
Behauptung, man hätte ein Schwimmbad reinigen müssen, möchte ich folgendes
sagen: Als die Missstände in diversen Heimen aufgedeckt wurden, ist eine
winzige Gruppe von Ex-Zöglingen aufgetreten, die behauptet hat, im Kinderheim
Wimmersdorf hätte es ähnliche Zustände gegeben, sie wären zu schweren Arbeiten
herangezogen worden und deshalb stünde ihnen eine finanzielle Entschädigung zu.
Wegen ihrer Vorstrafen wie Brandstiftung, Tierquälerei, Einbruch, schwerer
Körperverletzung und jahrelangem Aufenthalt in Stein wäre es sinnvoll gewesen,
deren Angaben einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Das ist nicht geschehen,
denn alle haben vom Weissen Ring eine Entschädigung erhalten. Das verstehe ich
nicht, denn der Weisse Ring hat es sich zur Aufgabe gemacht, Opfer von
Verbrechen zu unterstützen und Ihnen Spendengelder zukommen zu lassen. Wieso
verteilt der Weisse Ring Spendengelder an Leute, die aus Spaß Tiere langsam
umbringen und schwer vorbestraft sind?
Zu der
Zeit, in der diese Ex-Zöglinge im Kinderdorf Wimmersdorf gewesen sind, waren
auch andere Zöglinge dort. Häufig aus übelsten häuslichen Verhältnissen. Nach
jahrelangem Aufenthalt ergriffen sie einen Beruf, gründeten eine Familie und
wurden nicht straffällig. Das ist der Regelfall. Viele hielten weiterhin
Kontakt mit ehemaligen Erziehern, kamen wieder in das Heim, stellten ihre
Familien vor, und oft kam es auch zu einem jahrelangen Briefwechsel. Diese
Ex-Heimkinder, die es ebenfalls im Leben immer schwer gehabt haben, bekommen
keine Entschädigung. An die Ausnahmen, also jene mit schweren Vorstrafen,
werden vom Weissen Ring Spendengelder verteilt.
Ein
ehemaliger Zögling schildert, dass für ihn das Heim Wimmersdorf schlimmer als
der Spiegelgrund zur Nazi-Zeit war. Er war in beiden Heimen.
Da haben
wir einen anderen, der war in der Nazi-Zeit bei uns im Heim und schreibt, dass
er nur das Beste über die Frau Direktorin berichten kann. Mein Schwiegervater
war notgedrungen Parteimitglied, aber nie aktiv.
Die
Schwiegermutter auch
Ja. Und
der Schwiegervater war Bürgermeister, weil es die einzige Möglichkeit war, der
deutschen Wehrmacht zu entkommen. Irgendwelche Nazi-Handlungen hat es nie
gegeben.
Mussten
Sie auch wochenlang Milchnudeln essen?
Nein,
natürlich nicht. Auch niemand anderer musste wochenlang Milchnudeln essen.
Richtig ist, dass es manchmal Milchnudeln gegeben hat. Die haben den Erziehern
genauso wenig geschmeckt wie den Kindern.
Schwester
Mimi soll eine fürchterliche Schlägerin gewesen sein. Zum Beispiel bei der
Kleidungsausgabe.
Die Tante
Mimi war streng und unbeliebt. Sie war aber keine Schlägerin.
Ein
Heimkind erzählt von alten, gestopften Unterhosen.
Vielleicht
gab es alte Unterhosen. Die Kleidung war teils privat, teils aus dem Heim. Wir waren
ein offenes Heim. Die Kinder sind in das Dorf gegangen, ein Teil ist nach
Sieghartskirchen in die Schule gefahren, und die waren immer zeitgemäß
angezogen. Die Frau Direktor hat bei der Kleidung privates Geld dazugegeben und
hat auch Bekleidungswünsche der Kinder erfüllt. Zum Beispiel hat sie es
ermöglicht, dass sich Heimkinder selbst die Schuhe auswählen konnten. Dann ist
es schon vorgekommen, dass sich Zöglinge die teuersten modischen Schuhe besorgt
und anschließend damit Fußball gespielt haben.
Mehrere
ehemalige Zöglinge erinnern sich, dass sie von der Heimleiterin windelweich
geprügelt wurden. Mit Schlapfen, mit der Hundeleine, mit Fäusten und Füßen.
Zum Thema
Ohrfeigen übergebe ich Ihnen ein Schreiben eines ehemaligen Heimzöglings. Darin
schreibt er, dass er vier Jahre lang Zögling im Kinderheim war und nur das
Beste über die Heimleiterin berichten kann. Sie war streng und natürlich hat es
auch manchmal Ohrfeigen gegeben, aber niemals Misshandlungen. Sie war immer
sehr um unser Wohlergehen besorgt.
Berüchtigt
soll der Teppichklopfer der Heimleiterin gewesen sein.
Die Frau
hat in ständiger Angst gelebt, dass ein Kind krank wird oder sich verletzt.
Eine
Erzieherin soll Heimkinder zum Heim nach Judenau mitgenommen haben und ihnen
dort zwei behinderte Mädchen zum Sex zugeführt haben.
Also das
halte ich für ausgeschlossen. Das hätte sich im Heim in Windeseile verbreitet.
Da viele Kinder sehr aufgepasst haben. Das wäre aus Neid, Sensationslust und
Imponiergehabe sofort durchgesickert. Nur bei sexuellen Handlungen der Buben
untereinander wurde geschwiegen. Alles, was Mädchen betroffen hat,
Liebesbriefe, Küsse bei den wöchentlichen Ausgängen, Treffen oder Ähnliches hat
sofort im Heim die Runde gemacht.
Es war
1980 auch ein Mädchen in Wimmersdorf.
Ja. Das
war die Schwester eines Heimzöglings, und die Schwiegermutter hat sich von der
MA11 breitschlagen lassen und hat sie aufgenommen, weil sie von ihrem Bruder
nicht getrennt werden sollte. Daraufhin mussten unter Anleitung des Jugendamtes
Veränderungen im sanitären Bereich und im Schlafbereich durchgeführt werden.
Sie musste in einem getrennten Schlafbereich zu den Buben in unmittelbarer
Umgebung einer Erzieherin schlafen. Wenn diese Erzieherin im Urlaub war, musste
gemäß MA11 eine andere Erzieherin im unmittelbaren Nahbereich ständig für das
Mädchen erreichbar sein.
Sie hat
im Schlafsaal mit den Buben geschlafen?
Das kann
ich mir nicht vorstellen, denn meine Schwiegermutter hat die Anweisung des
Jugendamtes immer befolgt.
Das
Mädchen soll bei den Burschen untergebracht gewesen sein und dort vielfach
vergewaltigt worden sein.
Das weiß
ich nicht.
Warum
glauben Sie, werden nun von vielen ehemaligen Zöglingen diese Anschuldigungen
erhoben?
Ich sage
Ihnen, dass das mit finanziellen Forderungen einer kleinen Gruppe von
Ex-Zöglingen zusammenhängt. Es ist klar, dass die Opfer von Klöstern und von
Heimen nie zu einer Entschädigung gekommen wären, wenn sie nicht laut
aufgeschrien hätten und dadurch auf sich aufmerksam gemacht hätten.
Nur gibt
es Gruppen von schwer Vorbestraften, denen eigentlich keine Entschädigung
zusteht, die aber am lautesten schreien, und die Erfahrung gemacht haben, dass
man auf Grund von Verleumdungen mit größeren Geldzuweisungen rechnen kann. Da
ist einiges außer Kontrolle geraten.
Vor zwei
Jahren wurde Missbrauch und Gewalt im Bereich der katholischen Kirche
aufgedeckt. Nach einiger Zeit auch in Heimen der Stadt Wien. Für die weitere
Bearbeitung im kirchlichen Bereich wurde die Klasnic-Kommission eingerichtet und
für die Wiener Heime die Dr. Helige-Kommission. Beide Damen verfügen in der
Öffentlichkeit über hohes Ansehen und haben sich ausbedungen, dass sie
unabhängig, also unbeeinflusst, arbeiten können.
Frau
Klasnic hat jeden Fall einzeln betrachtet und dann finanzielle und
therapeutische Maßnahmen zuerkannt. Sie hat geholfen. Generelle Angriffe auf
die Kirche hat sie nicht zugelassen. Kein kirchlicher Entscheidungsträger wurde
in diese Angelegenheiten hineingezogen. Einige wenige kirchliche Institutionen
müssen noch mit Klagen rechnen, sonst ist aber durch die Arbeit der
Klasnic-Kommission eine Beruhigung eingetreten.
Frau Dr.
Helige hat eine andere Vorgangsweise gewählt. Sie trifft generelle Aussagen und
lässt keine Gegenstimmen zu. Ich habe sie zwei Mal angeschrieben und keine
Antwort erhalten. Jetzt werden sogar der Bürgermeister Häupl, der Stadtrat
Oxonitsch und Dr. Jesionek angegriffen. Die Opfer, die finanzielle
Entschädigung erhalten haben, sind unzufrieden. Jeder glaubt, er wäre ungerecht
behandelt worden, weil andere höhere Beträge erhalten hätten. Die Stadt Wien
muss in Zukunft mit einer Vielzahl an Klagen rechnen. Durch die Dr.
Helige-Kommission ist keine Beruhigung eingetreten. Ich bemühe mich, sachlich
zu bleiben, aber hier bin ich der Meinung, dass Frau Dr. Helige ein Chaos
verursacht hat.
Frau Dr.
Helige stellt Tatsachen fest. Erklärt einschränkend dazu, dass ihre Kommission
nicht mit einem Gericht vergleichbar ist und übersieht dabei, dass ihre
Feststellungen in der Praxis die Auswirkungen von letztinstanzlichen
Gerichtsurteilen haben. Sie missachtet den Grundsatz „Audiatur et altera pars“.
Das begründet sie damit, dass mit den meisten Verantwortlichen nicht mehr
gesprochen werden kann, weil sie bereits verstorben sind. Und was ist mit den
noch Lebenden? Mir verwehrt sie das Recht auf Stellungnahme. Auf diese Weise
erzeugt sie kein sicheres Wissen, und ihre Untersuchungen sind so angelegt,
dass sie Verleumdern Tür und Tor öffnet, und meine Familie und ich sind die
Leidtragenden.
Irmtraut
Karlsson hat herausgefunden, dass Wimmersdorf gemeinsam mit dem Wilhelminenberg
und der Hohen Warte eigentlich bereits 1975 sofort geschlossen hätte werden
müssen.
Es ist
mir unverständlich, dass Frau Karlsson das Kinderheim Wimmersdorf im gleichen
Atemzug wie Wilhelminenberg und der Hohen Warte nennt. Dort waren die Kinder
eingesperrt. Wenn sich sadistische Erzieher, Lehrer oder Geistliche in diesem
schlechten Sinn entfalten möchten, brauchen sie dazu eine ganz bestimmte
Voraussetzung, nämlich eine geschlossene Einrichtung. Immer spielt sich alles
hinter dicken Klostermauern ab oder an anderen besonders abgeschirmten Orten
wie eben am Wilhelminenberg oder in der Hohen Warte. Damit nichts herauskommt,
müssen die leidenden Kinder total von der Außenwelt abgegrenzt sein, und in
diesen beiden städtischen Heimen waren sie das oft jahrelang. Frau Karlsson
hätte doch den Unterschied bemerken müssen. Das Kinderheim Wimmersdorf war ein
offenes Heim mit zuerst monatlichen Ausgängen. Im Laufe der Jahre ist das immer
liberaler gehandhabt worden und zuletzt gab es an jedem Wochenende Ausgang. Da
sind also die 80 Kinder am Samstag nach Wien gefahren, und sind dann am Sonntag
wieder vollzählig ins Heim zurückgekommen.
Dem
Vernehmen nach soll es in diesen beiden Heimen auch keine Kontrolle gegeben
haben. Wimmersdorf wurde ständig kontrolliert. Zum Beispiel von der
Kinderärztin Frau Dr. L. Die Familie dieser feinfühlenden Dame ist von den
Naziverbrechern ausgerottet worden. Es ist daher anzunehmen, dass sie besonders
sensibel bei Misshandlungen reagiert hätte. Jahrelang hat diese Ärztin den
Gesundheitszustand sämtlicher Heimkinder sehr gründlich kontrolliert.
Gerne
hätte ich auch Frau Karlsson die vielen Briefe gezeigt, die meine
Schwiegermutter bis zu ihrem Tod von ehemaligen, dankbaren, Heimkindern
bekommen hat.
Stellungnahme
Christine Grabner (ORF)
Die
ORF2-Sendung Am Schauplatz bemüht sich immer möglichst viele Seiten einer
Geschichte darzustellen. Auch in der Reportage „Gestohlene Kindheit“ vom 17.
August 2012 und der Folgesendung „Albtraum Heim“ (9.11.2012) haben wir
ErzieherInnen und LehrerInnen zu Wort kommen lassen. Teil beider Sendungen war
auch das Kinder-Heim Wimmersdorf. Eine ehemalige Erzieherin wohnt direkt neben
dem Heim, ihr Sohn hat uns spontan ein Interview gegeben. Der Erzieher Z. hat
davon erfahren und sich bei unserem Kundenservice gemeldet. Ich habe mit ihm
länger am Telefon gesprochen und ihn danach im ORF getroffen. Er hat mir
Postkarten und Briefe damaliger Zöglinge an die Direktorin gezeigt, für ihn ein
Beleg, dass es im Heim doch gar nicht so schlecht gewesen sein könne. Ich habe
ihm vorgeschlagen, dass er die Briefe auch vor der Kamera zeigen könne, ich ihn
aber natürlich auch mit Aussagen über Gewalt und Missbrauch konfrontieren
würde. Im Gespräch hat Z. vieles bestätigt, was die Zöglinge erzählt haben,
etwa, dass die Direktorin in der Küche mit der Peitsche drohte, ein Erzieher
mit dem Gewehr auf Kinder zielte oder dass es fast KZ-mäßig harte ErzieherInnen
gab. Leider wollte Herr Z. dann, anders als zu Beginn von ihm selber gefordert,
doch kein Interview vor der Kamera geben. Er sagte er sei krank außerdem könne
er das der Familie nicht antun (er ist der Schwiegersohn der verstorbenen Direktorin).
Auch anonymisiert nicht. Ich habe das sehr bedauert, weil es für unsere
Zuschauer spannend gewesen wäre. Bis heute steht das Angebot für ein Interview.
Seltsamerweise hat Herr Z. in vielen Briefen an den ORF gedroht, er werde
seinen Anwalt einschalten, weil er kein Interview geben hätte dürfen. Ich
vermute, dass er mit diesen Mitteln versuchen wollte, eine Berichterstattung
über das Kinderheim Wimmersdorf zu verhindern. Der ORF lässt sich aber
selbstverständlich von niemandem vorschreiben, was berichtet werden darf.
Stellungnahme
Barbara Helige (Leiterin der Kommission Wilhelminenberg)
"Ich
verweise lediglich darauf, dass sich die Wilhelminenbergkommission -
ausschließlich, aber dafür detailliert - mit den Vorgängen am Wilhelminenberg
auseinandergesetzt hat. Herr Z. war nie am Wilhelminenberg beschäftigt und ist
daher von den Erkenntnissen in keiner Weise betroffen. All jene Personen, gegen
die Vorwürfe erhoben wurden, erhielten Gelegenheit Stellung zu nehmen. Wo das
aufgrund von deren Ableben nicht möglich war, kommt das im Bericht zum
Ausdruck. Im übrigen verweise ich auf den Bericht und die darin enthaltene
Darstellung der Methodik der Kommission."
Stellungnahme
Irmtraut Karlsson, Leiterin der Wiener Heimstudie 1974
In
unserer Heimkinderstudie 1974 wurden die Heime , in denen Kinder durch die
Stadt Wien untergebracht waren, einzeln und unabhängig voneinander sorgfältig
beobachtet und untersucht. Ein ausführliches Heimleiterinterview gab diesen die
Möglichkeit ihr Heim zu beschreiben. Danach wurde ein
"Restriktionsindex" gebildet. In dem Ende der Woche erscheinenden
Buch: "Verwaltete Kindheit- der österreichische Heimskandal"(Kral
Verlag) wird dieses Verfahren ausführlich beschrieben. Mindestens elf Heime,
darunter Wimmersdorf, hätten nach diesem Prüfverfahren sofort geschlossen
gehört. Es wurden also nicht Heime miteinander verglichen, sondern einzeln und
unabhängig voneinander beurteilt.
Letztes
Update am 15.10.2013, 06:00
Wimmersdorf: 270 Schläge
auf die Fußsohlen Ein Kinderheim-Zögling berichtet über die Nazi-Erziehung und
findet Prügel richtig.
Seine
Erinnerungen an das Kinderheim in
Wimmersdorf (NÖ) seien nur positiv, erzählt der ehemalige Zögling
Otto M. im Gespräch mit dem KURIER. Er war die gesamte Nazi-Zeit dort
untergebracht. „Das Heim, die dortige Schule, die Erziehung hat ja das aus mir
gemacht, was ich heute bin“, sagt der pensionierte TV-Kameramann.
Das
widerspricht nur im ersten Moment jenen Schilderungen von
ehemaligen Zöglingen aus den 1960er- und 1970er-Jahren, die über
brutale Erziehungsmethoden und sexuellen Missbrauch in diesem Heim erzählen
(der KURIER berichtete).
Alles sei
großartig gewesen, Prügel seien in der Erziehung notwendig und seine Strafen
habe er verdient, erklärt M. Erschütternde Erinnerungen, die der Mann positiv
sieht – im Gegensatz zu jenen ehemaligen Heimkindern, die Jahrzehnte
später in Wimmersdorf (1981 geschlossen, bis zuletzt in Händen der Familie
Stellbogen) ähnliche Erfahrungen gemacht haben sollen.
„Das Heim hat das aus mir
gemacht, was ich heute bin“
KURIER:
Sie waren von 1938 bis 1945 in Wimmersdorf?
Otto M.: Ja, ich bin mit sieben, acht Jahren dort hingekommen und war bis Kriegsende dort.
Otto M.: Ja, ich bin mit sieben, acht Jahren dort hingekommen und war bis Kriegsende dort.
Sie
sagten, es habe Ihnen in Wimmersdorf gefallen?
Ich bin froh, dass ich im Kinderheim Wimmersdorf war. Dort hab ich Schulbildung bekommen und die Köchin wäre heutzutage eine Gourmet-Köchin.
Ich bin froh, dass ich im Kinderheim Wimmersdorf war. Dort hab ich Schulbildung bekommen und die Köchin wäre heutzutage eine Gourmet-Köchin.
Zeitzeugen
aus den 1960er- und 1970er-Jahren sprechen von grausigem Essen.
Zu meiner Zeit nicht. Der Heimdirektor Stellbogen war Nazi-Bürgermeister und Träger des goldenen Parteiabzeichens. Der hat von den Bauern aus der Umgebung alles bekommen, was er für die Kinder gebraucht hat. Wir haben noch zu Kriegsende so viel Fettes zu essen bekommen, dass wir die Scheißerei gekriegt haben.
Zu meiner Zeit nicht. Der Heimdirektor Stellbogen war Nazi-Bürgermeister und Träger des goldenen Parteiabzeichens. Der hat von den Bauern aus der Umgebung alles bekommen, was er für die Kinder gebraucht hat. Wir haben noch zu Kriegsende so viel Fettes zu essen bekommen, dass wir die Scheißerei gekriegt haben.
Können
Sie sich an militärischen Drill erinnern?
Das stimmt so nicht. Also Ordnung war im Heim schon wichtig. Wir sind halt mit den Händen am Rücken in Zweierreihen durchs Heim gegangen. Oder in den Wald Kräuter sammeln.
Das stimmt so nicht. Also Ordnung war im Heim schon wichtig. Wir sind halt mit den Händen am Rücken in Zweierreihen durchs Heim gegangen. Oder in den Wald Kräuter sammeln.
Wie sind
die Erzieherinnen mit den Kindern umgegangen?
Die Erziehung war streng und ich war sicher keiner der Bravsten. Wenn jemand etwas angestellt hat und keiner hat sich gemeldet, sind immer der J. oder ich drangekommen. Manchmal zu Recht, manchmal zu Unrecht.
Die Erziehung war streng und ich war sicher keiner der Bravsten. Wenn jemand etwas angestellt hat und keiner hat sich gemeldet, sind immer der J. oder ich drangekommen. Manchmal zu Recht, manchmal zu Unrecht.
Dann
wurden Sie bestraft ...
Es gibt keine antiautoritäre Erziehung. Genauso wie bei Tieren, die im Zirkus dressiert werden. Wenn ein Kind etwas angestellt hat und man stellt es ins Winkerl, lacht es einen ja aus. Eine gute Dätsch’n oder Dachtel hat noch niemandem geschadet.
Es gibt keine antiautoritäre Erziehung. Genauso wie bei Tieren, die im Zirkus dressiert werden. Wenn ein Kind etwas angestellt hat und man stellt es ins Winkerl, lacht es einen ja aus. Eine gute Dätsch’n oder Dachtel hat noch niemandem geschadet.
Kinder zu
schlagen, ist in Ihren Augen richtig?
Ich bin ja oft geprügelt worden. Da gab es Bastonnaden von der Tante Christl (Erzieherin, Anm.) auf die Fußsohlen – 100 auf die eine, 170 auf die andere Fußsohle. Oder die eine Lehrerin, die immer Schläge mit dem Bartwisch auf die Handfläche oder die Fingerspitzen verteilt hat. Oder es gab 200, 300, 500 Kniebeugen als Strafe.
Ich bin ja oft geprügelt worden. Da gab es Bastonnaden von der Tante Christl (Erzieherin, Anm.) auf die Fußsohlen – 100 auf die eine, 170 auf die andere Fußsohle. Oder die eine Lehrerin, die immer Schläge mit dem Bartwisch auf die Handfläche oder die Fingerspitzen verteilt hat. Oder es gab 200, 300, 500 Kniebeugen als Strafe.
Hat auch
Direktor Stellbogen zugeschlagen?
Der Herr Direktor war ja eigentlich ein feiner Kerl. Ab und zu hat er mit der Hundspeitsch’n zugeschlagen. Ich mein, ich hatte es ja verdient. Wenn man schlimm war, sind einem die Haare abgeschert worden. Und ich hab’ der Erzieherin die Schermaschine aus der Hand gerissen und im 2. Stock aus dem Fenster gehaut. Klar, dass ich meine Hieb’ bekommen hab.
Der Herr Direktor war ja eigentlich ein feiner Kerl. Ab und zu hat er mit der Hundspeitsch’n zugeschlagen. Ich mein, ich hatte es ja verdient. Wenn man schlimm war, sind einem die Haare abgeschert worden. Und ich hab’ der Erzieherin die Schermaschine aus der Hand gerissen und im 2. Stock aus dem Fenster gehaut. Klar, dass ich meine Hieb’ bekommen hab.
Sie finden
das alles richtig?
Heute übertreibt man mit vielen Sachen... Glauben Sie, die Polizei prügelt heute nicht, wenn’s jemanden verhaftet? Das ist halt so. Man muss die Sachen ehrlich sehen. Ich bin ja gegen Prügeln, aber es gibt keine andere Erziehungsmethode. Ich könnte mich jetzt auch hinstellen und sagen, ich hol mir Geld für die Schläge. Das ist ja idiotisch.
Heute übertreibt man mit vielen Sachen... Glauben Sie, die Polizei prügelt heute nicht, wenn’s jemanden verhaftet? Das ist halt so. Man muss die Sachen ehrlich sehen. Ich bin ja gegen Prügeln, aber es gibt keine andere Erziehungsmethode. Ich könnte mich jetzt auch hinstellen und sagen, ich hol mir Geld für die Schläge. Das ist ja idiotisch.
Noch eine
Frage: Gab es eine Psychiatrie oder können Sie sich an Tötung von Kindern in
dem Heim erinnern?
Nein, das hat es nicht gegeben. Keine Tötungen und keine Psychiatrie.
Nein, das hat es nicht gegeben. Keine Tötungen und keine Psychiatrie.

Forschung
Kamen Ärzte für Euthanasie nach Wimmersdorf?
"Verwahrlosung,
rückständige Intelligenz. Überstellung ins Kinderheim Wimmersdorf“, hieß es
1941 in einem Spiegelgrund-Gutachten über Franz P., 10. Dies lasse „nicht
unbedingt den Schluss zu, dass dort Euthanasie durchgeführt wurde“, schrieb der
Forscher Karl Cervik im Jahr 2001. Aber es müsse in Wimmersdorf
„eine psychiatrische Einrichtung bestanden haben“.
Experten
der Euthanasie-Geschichte der Nazis sind vorsichtig. Peter Malina:
„Systematische Morde sind in Kinderheimen nicht durchgeführt worden.“ Herwig
Czech: „In der Regel wurde am Spiegelgrund psychiatrisch untersucht. Aber
Ärzte sind auch in Heime gefahren, um Kinder für die Euthanasie
auszuwählen.“ Ob Wimmersdorf dazugehörte ist (noch) nicht bekannt.
(KURIER)
Erstellt am 15.10.2013, 06:00
Pintarelli Stephan
Sogar die
Uno Kritisiert die rolle der Kirche
1.
Die Kirche schützt Kinder nicht ausreichend vor Diskriminierung.
Im
Gegenteil: Allein durch die Bezeichnung 'außereheliche Kinder' würden diese
benachteiligt, schreibt die Uno. Zudem diskriminiere die Kirche Homosexuelle
und somit auch Jugendliche und Kinder, die in gleichgeschlechtlichen
Partnerschaften aufwachsen. Die Uno fordert den Vatikan auf, die
Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung zu stoppen und in katholischen
Schulbüchern auf Geschlechtsstereotype zu verzichten.
2.
Die Kirche stellt ihre eigenen Interessen über die der Kinder. "Das
Komitee ist besorgt darüber, dass die Kirche im Umgang mit sexuellem Missbrauch
stets den Ruf der Kirche und die Interessen der Täter über den Schutz der Kinder
gestellt hat", heißt es in dem Bericht. So deutlich wurde der Kirche ihr
Versagen selten attestiert. Die Uno rät dem Vatikan, ein Papier zu verteilen,
welches darlegt, dass in Missbrauchsfällen das Interesse des Kindes im
Vordergrund stehen solle.
3.
Die Kirche nimmt Kinder nicht ernst genug.
Katholische
Schulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung sollen Mädchen und Jungen
anhören, wenn es um ihre Belange geht.
4.
Die Kirche verwehrt Kindern das Recht auf Herkunft.
Vor
allem die Kinder von Priestern erfahren oft nicht, wer ihr leiblicher Vater ist
- die Kirche schützt die Vertuschung, statt Konzepte zu entwickeln, die der
Vaterschaft von Geistlichen gerecht werden. Explizit prangert der Bericht an,
dass Frauen, die ein Kind von einem Priester erwarten, durch Zahlungen der
Kirche dazu bewegt werden sollen, zu schweigen. Durch das Geld erkauft sich die
Kirche Verschwiegenheit, statt die Situation der Kinder zu verbessern. Auch
durch Baby-Klappen wird Kindern aus Sicht der Uno ihr Recht auf Herkunft
verwehrt. Vielmehr müsse die Kirche Hilfestellungen bieten, um Schwangere zu
unterstützen und über Verhütungsmöglichkeiten aufzuklären.
5.
Die Kirche bietet Kindern keinen ausreichenden Schutz vor körperlicher Gewalt.
Als
besonders grausames Beispiel nennt der Bericht die Magdalenen-Heime in Irland.
Junge Frauen wurden dort bis zum Jahr 1996 gezwungen, ohne Entlohnung
körperlich harte Arbeit zu verrichten. Es kam dort auch zu körperlichen
Misshandlungen. Die Uno kritisiert: "Es wurde nichts unternommen, um das
Verhalten der Ordensschwestern, die die Wäschereien betrieben, zu untersuchen,
und es wurde nicht mit staatlichen Ermittlern kooperiert, um die für den
Missbrauch Verantwortlichen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die von
der Arbeit der Mädchen profitierten." Die Uno mahnt außerdem
Ausgleichszahlungen und eine intensive Aufarbeitung an.
6.
Die Kirche tut zu wenig, um körperliche Züchtigung zu verbieten.
Die
Uno fordert vom Vatikan, Schläge in allen katholischen Schulen zu verbieten und
zu ahnden.
7.
Die Kirche schützt Kinder nicht ausreichend vor sexuellem Missbrauch.
Die
Uno attestiert der Kirche Nachlässigkeit im Umgang mit den Tätern: Diese würden
durch interne Versetzungen geschützt - dadurch würden immer neue Kinder
gefährdet. Die Kirche schützt laut Uno die Täter außerdem vor einer
Strafverfolgung durch die staatlichen Behörden und sichert ihnen Stillschweigen
zu. Die Vereinten Nationen nennen den Fall des kolumbianischen Kardinals Hojos,
der 2001 einem Bischof dazu gratulierte, des Missbrauchs verdächtige Geistliche
nicht mit Namen zu nennen. Die Uno rät der Kirche, den Dialog mit
Opferorganisationen zu suchen, mit staatlichen Ermittlungsbehörden
zusammenzuarbeiten und den Missbrauch ernst zu nehmen.
8.
Die Kirche entzweit Kinder und ihre Eltern.
Organisationen
wie die Legionäre Christi sorgen laut Uno dafür, dass sich Kinder und
Jugendliche von ihren Familien entfremden. Die Uno spricht von einer
Manipulation durch Gruppen, die der Kirche nahestehen. Vergleichbares schildern
auch Eltern, die ihre Kinder an das Engelwerk verloren haben.
9.
Die Kirche schützt die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nicht
ausreichend.
Die
Uno kritisiert das grundsätzliche Verbot von Verhütung und Abtreibung. Benannt
werden sexuell übertragbare Krankheiten sowie HIV. Außerdem weist die Uno auf
die hohe Müttersterblichkeit in einigen Ländern hin. Explizit verweist der
Bericht auf einen Fall aus dem Jahr 2009. Eine neunjährige Brasilianerin war
damals mutmaßlich von ihrem Stiefvater vergewaltigt worden und schwanger. Ein
Arzt nahm eine Abtreibung vor. Als Reaktion wurden der Mediziner und die Mutter
des Mädchens exkommuniziert.
10.
Die Kirche tut zu wenig für den Opferschutz.
Der Report bemerkt, dass Familien, deren Kinder in katholischen Einrichtungen misshandelt wurden, durch religiöse Autoritäten eingeschüchtert worden sind. Ziel sei es gewesen, die Opfer kleinzuhalten. Stattdessen müssten die Opfer bestärkt und unterstützt werden, schreibt die Uno.
MEA CULPA

Vom Mörder zum Künstler
Ein Buch von Ernst Platt
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